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Zu wenig Verständnis für erwerbstätige Mütter Böckler Impuls

Gleichstellung: Zu wenig Verständnis für erwerbstätige Mütter

Ausgabe 04/2026

Nur ein Viertel der 18- bis 60-Jährigen hält es für angemessen, wenn Mütter mit Kleinkindern in Vollzeit arbeiten.

Frauen haben in Deutschland im internationalen Vergleich eine relativ hohe Erwerbsquote. Allerdings arbeiten insbesondere Mütter weit häufiger als in anderen Ländern in Teilzeit – oft, weil sie den Löwenanteil der familiären Sorgearbeit schultern müssen. Eine wichtige Rolle dabei spielen neben den Bedingungen am Arbeitsmarkt und den Möglichkeiten der externen Kinderbetreuung die gesellschaftliche Einstellung zu Familie und Beruf. Die ist seit Beginn der 2010er-Jahre liberaler geworden, allerdings in eher kleinen Schritten und zuletzt mit abnehmendem Tempo, zeigt eine Studie von Forscherinnen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der Universität Tübingen und dem WSI. Der Untersuchung zufolge, die auf einer Befragung von 10 000 Personen zwischen 18 und 60 Jahren basiert, befürworten vor allem Frauen, Eltern jüngerer Kinder, Ostdeutsche, Erwerbstätige und Personen mit höherem Bildungsniveau eine frühere Vollzeiterwerbstätigkeit von Müttern und eine frühere Ganztagesbetreuung. Ansichten zur Erwerbstätigkeit von Vätern wurden in der Befragung nicht erhoben.

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Infografik Seite 4: Dass Mütter in Vollzeit ab der Geburt eines Kindes erwerbstätig sind, finden 6,4 Prozent angemessen, ab einem Kindesalter von zwei 22,8 Prozent.
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Insgesamt hielten laut der Auswertung im Jahr 2022 rund 55 Prozent der 18- bis 60-Jährigen in Deutschland eine Teilzeitarbeit von mindestens 15 Stunden für Mütter mit unter dreijährigen Kindern für angemessen, 23 Prozent eine Vollzeitbeschäftigung mit mindestens 30 Wochenstunden. Lediglich ein Fünftel befürwortet eine externe Ganztagesbetreuung in diesem Alter. Ein Vollzeitjob für Mütter gilt den Befragten im Schnitt ab einem Kindesalter von fünf Jahren und acht Monaten als adäquat, Teilzeit ab zwei Jahren und acht Monaten. 2011 lagen die als angemessen betrachteten Altersgrenzen bei drei Jahren und sechs Monaten für Teilzeit, für Vollzeit bei sieben Jahren und einem Monat. Das durchschnittlich akzeptierte Kindesalter für eine regelmäßige externe Betreuung, zum Beispiel in einer Kinderkrippe oder bei Tageseltern, betrug im Jahr 2022 zwei Jahre und vier Monate, für eine ganztägige Betreuung vier Jahre und neun Monate. „Für eine Berufsrückkehr finden Mütter mit Kleinkindern weiterhin nur wenig Akzeptanz“, erklärt IAB-Forscherin Corinna Frodermann.

Um die Akzeptanz externer Kinderbetreuung zu erhöhen und Handlungsspielräume insbesondere für Mütter zu erweitern, sind nach Analyse von WSI-Forscherin Eileen Peters weitere massive Investitionen in Qualität und Verlässlichkeit des Angebots notwendig. Denn gerade in den vergangenen Jahren hätten Eltern teilweise negative Erfahrungen gemacht. Zwar wurde das Angebot ausgebaut, die Verlässlichkeit der Betreuung lässt aber oft wegen einer häufig zu geringen Personalausstattung zu wünschen übrig. Um die Situation zu verbessern, brauche es eine Offensive zur Ausbildung in erzieherischen Berufen, bessere Arbeitsbedingungen, differenziertere Lohn- und Karrierewege und eine insgesamt höhere Entlohnung in diesem Bereich, so Peters.

Hinzu kommt nach Einschätzung der Studienautorinnen, dass eine frühere Rückkehr von Müttern in den Beruf und eine Ausweitung ihrer Erwerbsarbeitszeiten nur gelingen können, wenn auch Väter mehr Zeit für Sorgearbeit aufwenden. Die Anreize dazu haben sich im Zeitverlauf allerdings nicht verbessert, betont Peters: So wurde das Elterngeld seit 2007 nicht an die Inflation angepasst, auch eine Ausweitung der Partnermonate blieb bislang aus.

WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch warnt davor, dass sich die Geschlechterungleichheiten sogar weiter verfestigen könnten, falls die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag vorgesehene Deregulierung des Arbeitszeitgesetzes umsetzt.  „Das ist nicht nur ein individuelles Problem der direkt Betroffenen, sondern es macht es insbesondere Müttern noch schwerer, ihre Arbeitszeit auszuweiten“, sagt Kohlrausch. „Und es könnte dazu beitragen, dass der Mentalitätswandel in puncto Vereinbarkeit weiter an Dynamik verliert.“

Corinna Frodermann, Eileen Peters, Marie-Fleur Philipp, Claudia Wenzig: ­Gesellschaftliche Einstellung zu Erwerbstätigkeit von Müttern und externer Kinderbetreuung, IAB-Kurzbericht Nr. 2/2026, Januar 2026

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