Arbeitswelt: Viele erleben Ausgrenzung
Vielfalt ist aus Sicht vieler Beschäftigter unter Kolleginnen und Kollegen gelebte Realität. Benachteiligungen bleiben jedoch ein Problem.
Unternehmen tun noch nicht genug gegen Diskriminierung und für Chancengerechtigkeit. Das zeigt eine Analyse von Annika Feith und Florian Fickler vom WifOR Institute. In ihrer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie haben sie eine Befragung zum Thema Diversität im Arbeitsleben ausgewertet, an der zwischen August 2024 und März 2025 über 2500 abhängig Beschäftigte teilgenommen haben. Die Stichprobe ist repräsentativ für abhängig Beschäftigte in Betrieben ab fünf Mitarbeitenden.
Laut der Auswertung weisen 85 Prozent der Beschäftigten mindestens ein im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz geschütztes Merkmal auf, 46 Prozent sogar mehrere. Das Gesetz soll „Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern und beseitigen“.
76 Prozent sagen, dass ihr Unternehmen viel Wert auf Vielfalt legt. Dass es spezifische Initiativen zur Förderung von Vielfalt gibt, bejahen allerdings nur 47 Prozent. Es scheine also eine Umsetzungslücke zu geben, heißt es in der Studie. Besonders deutlich werde das mit Blick auf das Management: Während 62 Prozent ihr Kollegium als vielfältig wahrnehmen, sagen das in Bezug auf die Führungsebene nur 48 Prozent.
„Diskriminierung im Berufsleben wirkt doppelt: Sie beschneidet ökonomische Chancen und greift zugleich die psychische Gesundheit und das Selbstwertgefühl der Betroffenen an“, so Feith und Fickler. Vielfalt und Chancengerechtigkeit müssten in den Unternehmen strukturell verankert werden, etwa durch verbindliche Zielsetzungen, kontinuierliches Monitoring und klar definierte Zuständigkeiten. Gleichzeitig brauche es eine offene Unternehmenskultur, die Stigmatisierung abbaut und Beschäftigte gezielt für das Thema Diskriminierung sensibilisiert.
Warum werden Programme für Vielfalt, Gleichstellung und Inklusion in Unternehmen und Institutionen teilweise reduziert oder sogar ganz abgeschafft? Und was bedeutet das für Beschäftigte? Darüber spricht Annika Feith vom WifOR Institute auf der LABOR.A.
Annika Feith, Florian Fickler: Wie steht es um die Chancengerechtigkeit in Deutschland? Der Status quo von Diversity and Inclusion in der deutschen Beschäftigtenlandschaft, Working Paper der HBS-Forschungsförderung Nr. 400, April 2026