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Begabtenförderung für mehr Bildungsgerechtigkeit – Bewerbungen möglich: Knapp 73 Prozent der Studien-Stipendiat*innen der Hans-Böckler-Stiftung kommen aus nicht-akademischen Familien

21.05.2026

Knapp 73 Prozent der Stipendiat*innen, die die Hans-Böckler-Stiftung im Jahr 2025 bei ihrem Studium gefördert hat, besuchen als erste in ihrer Familie eine Hochschule. 2019 lag der Anteil der Erstakademiker*innen unter den Geförderten noch bei knapp 58 Prozent, 2022 waren es gut 68 Prozent. Damit hat die Begabtenförderung der Stiftung ihren Beitrag zu gleichen Bildungschancen weiter verstärkt. Denn generell ist in Deutschland die soziale Herkunft noch immer prägend für die Bildungskarriere junger Menschen. Bei allen Bildungsübergängen, sowohl auf dem Weg zum Abitur als auch an die Hochschule, ist die Quote von Kindern aus Akademiker*innenfamilien viel höher als von Kindern aus nicht-akademischen Familien. So beginnen laut dem Hochschul-Bildungs-Report 27 Prozent der Kinder aus nicht-akademischen Haushalten ein Studium. Bei Akademiker*innenkindern sind es dagegen 79 Prozent. Und während 43 Prozent der Kinder aus Akademiker*innenhaushalten erfolgreich den Master abschließen, sind es unter Kindern aus Nichtakademiker*innenhaushalten lediglich elf Prozent.

„Wir engagieren uns seit vielen Jahren für mehr Bildungsgerechtigkeit, indem wir junge Talente unterstützen, die unter oft erschwerten Bedingungen Außergewöhnliches leisten“, sagt Ralf Richter, Direktor Begabtenförderung der Hans-Böckler-Stiftung. „Wir hören immer wieder von Geförderten, dass sie trotz guter Noten in der Schule ohne ein Stipendium wahrscheinlich kein Studium aufgenommen hätten.“ Dahinter stehen oft finanzielle Gründe – knapp 80 Prozent der Böckler-Stipendiat*innen haben einen Anspruch auf BAföG, das sie anders als ein Stipendium allerdings zurückzahlen müssten. Hinzu kommen weniger Berührungspunkte zum und Einstiegshürden beim Studium, wenn noch niemand in der Familie Hochschul-Erfahrung hatte. Auch hier unterstützt die Begabtenförderung durch ihre „ideelle Förderung“ mit zahlreichen Seminaren sowie der Vernetzung mit anderen Studierenden in den Böckler-Stipendiat*innengruppen in vielen Städten. 

Wie das zu mehr Vielfalt an den Hochschulen beiträgt, zeigen weitere aktuelle Daten: Mehr als 40 Prozent der Geförderten haben eine familiäre oder persönliche Einwanderungsgeschichte. Das entspricht nach Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung ungefähr dem Anteil in der jüngeren Bevölkerung in Deutschland, liegt aber über dem Anteil unter allen Studierenden. Gleichzeitig liegt die Quote der Böckler-Stipendiat*innen, die ihre Hochschulzugangsberechtigung in Ostdeutschland erworben haben, leicht über dem Anteil unter allen Studierenden an deutschen Hochschulen. Und: Ein Viertel der Geförderten haben ihre Hochschulzugangsberechtigung auf dem zweiten oder dritten Bildungsweg erlangt.     

Aktuell fördert die Hans-Böckler-Stiftung knapp 3000 Stipendiat*innen beim Studium, bei einer Promotion, sowie seit 2024 auch Auszubildende über ein vom Bundesministerium für Forschung, Technik und Raumfahrt (BMFTR) gefördertes Sonderprojekt. Für die Begabtenförderung erhält die Hans-Böckler-Stiftung zweckgebunden Geld vom BMFTR, so wie die anderen öffentlich geförderten deutschen Begabtenförderwerke auch. 

Die Mittel dafür werden im Deutschen Bundestag beraten und beschlossen und über den Einzelplan 30 (BMFTR) des Bundeshaushaltes bereitgestellt. Im Kalenderjahr 2024 erhielt die Stiftung rund 33,4 Millionen Euro. Sowohl das Ministerium als auch der Bundesrechnungshof überwachen, dass mit diesen Mitteln ausschließlich die Stipendien, die Betreuung der Stipendiat*innen und der dafür nötige personelle Aufwand finanziert werden. Für die ideelle Förderung (u.a. Seminare, Studienreisen, Auslandsakademien) der Stipendiat*innen wendet die Stiftung darüber hinaus zusätzlich jedes Jahr erhebliche Eigenmittel auf.

Kontakt

Ralf Richter
Direktor Begabtenförderung

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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