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Arbeitswelt: Lieber nicht flexibel Böckler Impuls

Arbeitswelt: Lieber nicht flexibel

Ausgabe 03/2026

Unternehmen betonen gern ihre Flexibilität. Wenn Bewerber nach beweglichen Arbeitszeiten oder Homeoffice fragen, reagieren aber noch immer viele ablehnend.

Corona hat gezeigt, dass es funktioniert: Um gute Arbeit zu leisten, ist es in vielen Berufen nicht nötig, sich jeden Morgen um Punkt acht an der Pförtnerloge einzustempeln. Das meiste geht problemlos zu anderen Zeiten an anderen Orten. Trotz vieler positiver Erfahrungen – mancherorts ist die Produktivität durch Homeoffice sogar gestiegen – wollen einige Unternehmen das Rad wieder zurückdrehen. Unter dem Motto „Zurück ins Büro!“ haben sie dem flexiblen Arbeiten den Kampf angesagt. Sind das bloß Einzelfälle oder ist die alte Vorstellung von der „idealen Arbeitskraft“, die morgens als Erste ins Büro kommt und abends als Letzte geht, noch immer verbreitet? Haben Menschen, die zum Beispiel aus familiären Gründen nicht mit dem traditionellen Arrangement zurechtkommen, in den Augen von Personalverantwortlichen ein „Flexibilitätsstigma“? Das haben Corinna Harsch, Marcel Knobloch und Lena Hipp vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) untersucht.

Sie haben dazu ein sogenanntes Feldexperiment durchgeführt. An Unternehmen aus acht Branchen haben sie fiktive Initiativbewerbungen verschickt, insgesamt rund 15 000 Stück. Dafür haben Harsch, Knobloch und Hipp Bewerberinnen und Bewerber mit ähnlichen Qualifikationen und Lebensläufen und Bewerbungsmotiven für elf Berufe erfunden. Die fiktiven Jobsuchenden unterschieden sich vor allem in einer Hinsicht: Die WZB-Forschenden ließen die eine Hälfte nach flexiblen Arbeitszeiten oder Homeoffice fragen, die andere Hälfte nicht. Alle ausgewählten Jobs waren „prinzipiell homeofficefähig“.

Ergebnis: Wer sich etwa erkundigt hatte, ob es möglich sei, „an ein bis zwei Tagen die Woche von zu Hause aus zu arbeiten“, bekam seltener eine positive Rückmeldung als die Kontrollgruppe ohne Angaben zu den gewünschten Konditionen. Für Bewerbungen mit dem Wunsch nach „flexiblen Arbeitszeiten“ gilt das Gleiche, wenn auch in etwas abgeschwächter Form.

Es gibt allerdings gewisse Branchenunterschiede. Während der Wunsch nach flexiblen Zeiten oder Homeoffice in den Bereichen Steuerberatung und Softwareherstellung praktisch keine Auswirkung hat, ist beides im Maschinenbau nicht gern gesehen. Hier scheint noch immer ein „kulturelles Misstrauen gegenüber mobiler Arbeit“ zu bestehen. 

Die Forschenden vermuten, dass die Skepsis vor der Corona-Pandemie insgesamt noch deutlicher ausgefallen wäre. Sie empfehlen, „die Rahmenbedingungen für flexible Arbeitszeiten weiter auszubauen und gezielte Förderprogramme für Unternehmen, die solche Modelle umsetzen, zu etablieren“. Gerade für Beschäftigte mit Kindern oder pflegende Angehörige wäre das eine Entlastung. Unternehmen und Gewerkschaften „sollten zudem aktiv daran arbeiten, Vorurteile gegenüber Flexibilitätswünschen abzubauen“.

Corinna Harsch, Marcel Knobloch, Lena Hipp: Arbeiten, wann und wo du willst? ­Feldexperimentelle Evidenz zur postpandemischen Akzeptanz flexibler Arbeitsformen, ­WSI-Mitteilungen 1/2026, Januar 2026

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