Konjunktur: Langsam bergauf
Die Konjunktur entwickelt sich besser als noch vor kurzem gedacht. Sozialkürzungen wären in dieser Situation falsch.
Das Wachstum der deutschen Wirtschaft wird 2026 und 2027 stärker ausfallen als bisher erwartet. Das liegt einerseits an überraschend starken Exporten in der ersten Jahreshälfte 2026, andererseits an den erhöhten staatlichen Ausgaben für Verteidigung und den zusätzlichen Investitionen in Infrastruktur. Damit dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um durchschnittlich 1,3 Prozent und 2027 um 1,4 Prozent wachsen, so die jüngste Prognose des IMK.
Auch die Produktivität nimmt in beiden Jahren spürbar zu. Trotz der Aufhellung gibt es aber weiterhin Schattenseiten: Der private Konsum trägt kaum zum Wachstum bei, vor allem, weil die Energiepreise infolge des Iran-Kriegs weiter hoch bleiben. Die Inflation beträgt 2026 im Jahresdurchschnitt 2,7 Prozent und steigt 2027 auf 2,9 Prozent. Die Beschäftigung sinkt weiter leicht, was hauptsächlich daran liegt, dass der negative Trend in der Industrie trotz deutlich gestiegener Aufträge vorerst anhält. Die Arbeitslosenquote dürfte 2026 und 2027 bei 6,4 Prozent liegen.
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„Der Standort Deutschland ist robuster, als etliche Abgesänge der letzten Zeit suggerieren. Allerdings sehen wir noch keinen sich selbst tragenden Aufschwung, weil Energiepreise und Wirtschaftspolitik die Konsumnachfrage ausbremsen“, sagt IMK-Direktor Sebastian Dullien. „Es wäre ein Fehler, die Binnenwirtschaft in Deutschland durch Sozialkürzungen zu schwächen und die Unsicherheit mit Reformdiskussionen zu erhöhen. Die akuten Probleme sind in erster Linie Folge externer Schocks – bei den Energiepreisen und durch den Protektionismus in China und den USA. Es sind keine klassischen Probleme preislicher Wettbewerbsfähigkeit.“
Deutschland müsse sich deshalb um Investitionen, Innovationen, den Umbau der Energieversorgung und die Stärkung der Binnenwirtschaft kümmern. Reformen, die die Sozialbeiträge drücken sollen, aber zu einer Umverteilung zulasten der Versicherten und der Beschäftigten führen und die private Nachfrage weiter schwächen, wirken in die falsche Richtung, so das IMK.
Christian Breuer u.a.: Erholung trotzt Energiepreisschocks. Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2026/2027, IMK Report Nr. 203, September 2026