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Hochschulfinanzierung: Akademiker zahlen ihr Studium

Ausgabe 05/2007

Der Staat finanziert die Hochschulen zumindest teilweise, doch eine Umverteilung von Arm zu Reich ist damit nicht verbunden. Einkommensschwache profitieren vergleichsweise stärker von den öffentlichen Hochschulausgaben.

Kinder aus einkommensstarken Familien besuchen häufiger eine Universität als Arbeiterkinder. Zur Finanzierung tragen jedoch alle gesellschaftlichen Schichten mit ihren Steuern bei. Verteilt der Staat also Geld von unten nach oben, wie Befürworter von Studiengebühren sagen? In der empirischen Forschung gibt es für diese Vermutung keinen Nachweis. Eine Literaturstudie des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags macht deutlich: Die These, eine Krankenschwester zahle mit ihren Steuern das Studium der Chefarzttochter, lässt sich statistisch nicht untermauern. Sie sei daher "nicht geeignet, als maßgebliches Argument für die Einführung von Studiengebühren zu fungieren", so Daniel Lübbert vom Forschungsstab des Parlamentes.

Lübbert zieht für seine Expertise die Netto-Zahlungsbilanzen von verschiedenen sozialen Gruppen heran. Zahlreiche Studien haben berechnet, wie viel einzelne gesellschaftliche Gruppen zum Steueraufkommen beitragen. Diese Quoten werden anschließend mit dem Anteil der Studierenden der entsprechenden sozialen Herkunft verglichen. Die Ergebnisse der Untersuchungen gleichen sich: Gerade einkommensschwächere Haushalte profitieren stark von der staatlichen Hochschulfinanzierung. So kommen die Ökonomen Richard Sturn und Gerhard Wohlfahrt zu dem Schluss, dass die untere Einkommensgruppe der "Nettogewinner" ist. Das liegt indes nicht an der großen Studienbeteiligung der Kinder von Geringverdienern, sondern vor allem an den geringen Steuerzahlungen der weniger Betuchten.

Ob Hochschulabsolventen ihre Ausbildungskosten im Laufe ihres Arbeitslebens durch höhere Steuern an den Staat zurückzahlen, hat die Wissenschaft hingegen nicht eindeutig geklärt. Die verschiedenen Forschungsresultate hingen stark von den getroffenen Annahmen ab. Sollte die staatliche Hochschulfinanzierung tatsächlich auf einer sozialen Schieflage basieren, dann bedarf es allerdings nicht der Studiengebühren, um das zu korrigieren, erklärt der Bildungsexperte Lübbert. Eine Akademikersteuer oder eine höhere Progression in der Einkommensteuer könnten das ebenfalls leisten.

Quelle

Daniel Lübbert: Zu den Umverteilungswirkungen staatlicher Hochschulfinanzierung, Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestags, 2007
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