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Sozialen Schutz ausbauen Böckler Impuls

Selbstständige: Sozialen Schutz ausbauen

Ausgabe 05/2026

Selbstständige waren während der Coronakrise überdurchschnittlich belastet. Das gilt insbesondere für Frauen und Soloselbstständige.

Die Corona-Pandemie hat Lücken offengelegt, nicht nur bei der Versorgung mit Atemschutzmasken, sondern auch bei der Absicherung von Erwerbstätigen: Sie habe „die Verwundbarkeit von Selbstständigen in Deutschland in besonderer Weise sichtbar gemacht“, schreiben Karin Schulze Buschoff, Eileen Peters und Bjarne Müller in einer aktuellen Veröffentlichung. Die WSI-Forschenden haben Befragungsdaten des WSI-Erwerbspersonenpanels analysiert, die sich auf den Zeitraum zwischen April 2020 und November 2024 beziehen.

Der Auswertung zufolge waren Selbstständige in der Coronakrise von Sorgen und Belastungen mit Blick auf ihre Arbeitssituation, ihre finanziellen Verhältnisse und ihre berufliche Zukunft insgesamt stärker betroffen als abhängig Beschäftigte – insbesondere in der ersten Phase der Pandemie. Ihre eigene finanzielle Situation etwa nahmen Selbstständige im April 2020 zu fast 47 Prozent als stark oder äußerst belastend wahr, abhängig Beschäftigte nur zu 21 Prozent. Im Laufe der Zeit schrumpfen die Unterschiede deutlich. Seit dem Ende der Pandemie ist der Anteil der Betroffenen unter den Beschäftigten teilweise höher als unter den Selbstständigen.

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Infografik Seite 7: Ihre eigene finanzielle Situation nahmen Selbstständige im April 2020 zu fast 47 Prozent als stark oder äußerst belastend wahr, abhängig Beschäftigte nur zu 21 Prozent. Im Laufe der Zeit schrumpften die Unterschiede deutlich. Nach dem Ende der Pandemie war der Anteil der Betroffenen unter den Beschäftigten teilweise höher als unter den Selbstständigen.
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Frauen haben unter den sozialen Auswirkungen der Pandemie tendenziell stärker gelitten als Männer. „Auffallend ist dabei, dass der Unterschied zwischen abhängig beschäftigten Frauen und Männern zwar vorhanden, aber nicht sehr groß ist“, heißt es in der Analyse. Die Kluft zwischen selbstständigen Männern und Frauen sei dagegen gravierend.

Neben dem Geschlecht spielt auch die Art der Selbstständigkeit eine Rolle: Für den Großteil der abgefragten Sorgen und Belastungen und die meisten Erhebungszeitpunkte gilt, dass Soloselbstständige in höherem Maß betroffen waren als Selbstständige mit Beschäftigten. Mit einer Ausnahme: Die eigene Arbeitssituation machte Letzteren mehr zu schaffen.

Damit Selbstständige für kommende Krisen besser gewappnet sind, empfehlen die Forschenden, den Sozialschutz für diese Gruppe auszubauen. So gelte es, die bestehende Arbeitslosenversicherung für Selbstständige zu reformieren sowie transparente und attraktive Regelungen zu schaffen. Eine Pflicht zur Altersvorsorge für Selbstständige einzuführen, wie es der Koalitionsvertrag der Bundesregierung vorsieht, sei ein notwendiger Schritt.

„Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die Stärkung der sozialen Sicherung von Selbstständigen nicht als kurzfristige Krisenreaktion verstanden werden darf, sondern eine zentrale sozialpolitische Gestaltungsaufgabe darstellt. Eine zukunftsfähige Ausrichtung der sozialen Sicherungssysteme erfordert, Selbstständige systematisch mitzudenken und ihre heterogenen Erwerbs- und Lebenslagen angemessen abzubilden“, so Schulze Buschoff, Peters und Müller. Dies gelte in besonderem Maße für soloselbstständige Frauen, deren spezifische Risiken bislang weder in der Sozialpolitik noch in der Forschung ausreichend berücksichtigt werden.

Karin Schulze Buschoff, Eileen Peters, Bjarne Müller: Sorgen und Belastungen während und nach der Corona-Krise, WSI Policy Brief Nr. 95, März 2026

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