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Corona-Impfungen: Fortschritt mit Hindernissen

Ausgabe 11/2021

Lieferprobleme verzögern die Impfkampagne der Bundesregierung. Spätestens Mitte September sind voraussichtlich alle impfwilligen Erwachsenen und Jugendlichen immunisiert.

Dass die US-Arzneimittel-Behörde große Mengen des Corona-Impfstoffs von Johnson & Johnson für untauglich erklärt hat, könnte spürbare Folgen für die Pandemie-Bekämpfung in Deutschland haben: „Ein Totalausfall der zugesagten Liefermenge würde bis Ende Juli fast neun Millionen zusätzliche andere Impfungen mit knapp 18 Millionen Dosen notwendig machen“, erklärt IMK-Direktor Sebastian Dullien. Berechnungen des IMK zufolge könnte sich die Kampagne um bis zu vier Wochen verzögern, sofern es keinen Ausgleich durch andere Impfstoffe gibt. Denn jede nicht gelieferte oder nicht verimpfte Dosis Johnson & Johnson belastet den Impffortschritt doppelt: Da dieses Vakzin den vollen Schutz schon nach einer Dosis herstellt, muss jede ausgefallene Dosis mit zwei Dosen eines anderen Impfstoffes kompensiert werden. Das erhöht auch die Zahl der notwendigen Impfvorgänge und damit die Anforderungen an Arztpraxen und Impfzentren. Wie viele Impfdosen letztlich fehlen werden, ist noch offen. Das Bundesgesundheitsministerium fordert von Johnson & Johnson eine Nachlieferung im Juli.

„Deutschland hat beim Impfen seit Mitte März große Fortschritte gemacht. Doch trotz der Erfolge der vergangenen Wochen ist es anspruchsvoll, die Geschwindigkeit zu halten“, so Dullien. Weiterhin sei es aber möglich, alle Erwachsenen sowie Kinder und Jugendliche ab 12, die dazu bereit sind, bis Ende Juli mindestens einmal zu impfen. Vollständig geschützt dürften 75 Prozent der Bevölkerung dann bis zum Schulbeginn in Bayern Mitte September sein.

Das IMK stützt seine fortlaufend aktualisierten Berechnungen auf die aktuellen Daten zum Impffortschritt und Statistiken der Bundesregierung, die angeben, wann wie viele der bestellten Impfdosen gegen das Coronavirus zur Verfügung stehen sollen. In einer ersten Studie vom März wurde projiziert, dass bis Ende Juli alle impfwilligen Erwachsenen vollständig geimpft sein könnten. Da seitdem bei allen Vakzinen die empfohlenen Abstände zwischen erster und zweiter Injektion verlängert wurden und die erwähnten Lieferschwierigkeiten aufgetreten sind, ist dieses Ziel trotz der starken Beschleunigung beim Impfprogramm nicht mehr zu erreichen. Positiv ist nach Analyse der Forscher hingegen, dass mit dem vollen Anlaufen des neuen Schuljahres im Herbst auch alle Impfwilligen zwischen 12 und 17 geimpft sein könnten.

Sebastian Dullien, Andrew Watt: Tempo der deutschen Impfkampagne hängt an Impfstoff von Johnson & Johnson, IMK Kommentar Nr. 3, Juni 2021

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