Böckler Impuls Ausgabe 12/2017

Arbeitsmarkt

Jobgarantien helfen langfristig

Technologischer Wandel kostet Arbeitsplätze, auch wenn an anderer Stelle neue entstehen.

Was ist langfristig das Beste für Beschäftigte, deren Stellen durch rationellere Technik eingespart werden können – fahren sie besser, wenn sie sich möglichst schnell eine neue Arbeit suchen müssen oder wenn der technologische Schock durch Jobgarantien oder Ähnliches abgefedert wird? Viele Ökonomen sagen: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Weiterbeschäftigung in unzeitgemäßen Jobs führe nur dazu, dass die betroffenen Arbeitnehmer es nach Ablauf der Schonfrist noch schwerer haben, am Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Ob das stimmt, haben Forscher von den Universitäten Aix-Marseille und Nottingham untersucht.

Um Aussagen über sehr langfristige Entwicklungen treffen zu können, haben sie die Folgen eines lange zurückliegenden technologischen Schocks analysiert: die Einführung der Container, die das Be- und Entladen von Schiffen seit Mitte 1960er-Jahre erheblich vereinfachen. Dadurch gerieten viele Jobs in britischen Häfen unter Druck; allerdings handelten die Gewerkschaften für einen Teil der Hafenarbeiter bis Ende der 1980er-Jahre laufende Arbeitsplatzgarantien aus.

In ihrer Studie haben die Wissenschaftler nun die Erwerbsbiografien von Hafenarbeitern mit Beschäftigungsgarantie mit denen anderer, ähnlich qualifizierter Beschäftigter verglichen. Ergebnis: Auch nach Ablauf der Garantien war die Arbeitslosigkeit unter den Hafenarbeitern nicht höher als in der Vergleichsgruppe. Die Forscher ziehen den Schluss, dass „ein System zum Schutz der Beschäftigung die Kosten der Erwerbslosigkeit keineswegs nur in die Zukunft verschiebt, sondern sie langfristig reduzieren kann“.

Quelle

Zouheir El-Sahli, Richard Upward: Off the Waterfront: The Long-Run Impact of Technological Change on Dockworkers (pdf), British Journal of Industrial Relations 2/2017