Böckler Impuls Ausgabe 02/2014

Elterngeld

Setzt er länger aus, steigt sie schneller ein

Das Elterngeld soll Müttern früher zurück ins Erwerbsleben verhelfen – und Väter dazu anregen, sich bei der Kinderbetreuung stärker zu engagieren. Das funktioniert recht gut, zeigt eine Studie.

Mehr als fünf Jahre nach Einführung des Elterngeldes hat Dietmar Hobler zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen vom Berliner Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra) mit finanzieller Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung untersucht, welche Auswirkungen diese familienpolitischen Leistungen haben. Dazu befragten sie von März bis Juni 2013 Väter, die Elterngeld bezogen haben, sowie deren Partnerinnen – und Väter, die sich gegen eine Auszeit entschieden haben.

Elterngeld erhalten Paare für zwölf Monate – plus zwei Monate, wenn auch der zweite Elternteil, in der Regel der Vater, für mindestens zwei Monate die Kinderbetreuung übernimmt. „Unsere Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass Väter mit einer längeren Elterngeldzeit von drei Monaten oder mehr das berufliche Fortkommen ihrer Partnerinnen aktiv unterstützen“, fasst Hobler einen der vorläufigen Befunde zusammen. Vorläufig deshalb, weil die Forscher noch keine Aussagen zur Repräsentativität ihrer Stichprobe – und damit möglichen Verzerrungen – machen können.

Väter, die länger im Beruf pausieren, reduzieren ihre eigene Arbeitszeit im Anschluss an die Elternmonate häufiger und länger, und sie beteiligen sich auch häufiger zu gleichen Teilen an Hausarbeit und Kinderbetreuung als jene Väter, die nur die zwei Partnermonate nutzen. Für die Mütter bedeutet das: Wenn ihr Partner länger zu Hause bleibt, können sie schneller wieder erwerbstätig werden. Auch arbeiten sie häufiger (wieder) in Vollzeit als jene Mütter, deren Partner höchstens zwei Elternmonate genommen haben.

Die „stärker egalitär orientierten“ Väter – also diejenigen, die drei Monate oder länger Elterngeld beziehen – finden sich öfter bei Paaren, in denen beide Partner eine hohe Qualifikation aufweisen. Auch haben sie häufiger ein ähnlich hohes Einkommen und ähnlich lange Arbeitszeiten. Allerdings sind sie unter den männlichen Elterngeld-Empfängern nicht sehr oft anzutreffen: Hier machen sie 29 Prozent aus. Die 71 Prozent Elterngeld-Väter, die sich lediglich für die beiden Paarmonate entscheiden, verdienen häufiger mehr und arbeiten länger als ihre Partnerin.

Als Gründe für die Aufteilung der Elternmonate führten Väter sowohl eigene Wünsche – zum Beispiel nach mehr Zeit für die Familie – als auch die ihrer Partnerin an. So gaben 70 Prozent aller „stärker egalitär orientierten“ Väter an, sie wollten mit ihrer Entscheidung das berufliche Fortkommen ihrer Partnerin unterstützen. Bei den Vätern, die sich lediglich für ein bis zwei Partnermonate entschieden, antworteten dies nur 31 Prozent.

Dementsprechend unterschiedlich schnell kehrten auch die Mütter wieder in eine Erwerbstätigkeit zurück: Im vierten Quartal nach der Geburt ihres Kindes waren bereits 79 Prozent der Mütter wieder in ihren Beruf eingestiegen, deren Partner eine längere Auszeit nahmen. Wo der Partner nur für ein bis zwei Monate zu Hause blieb, kehrten nur 24 Prozent nach einem Jahr oder früher ins Berufsleben zurück.

Nach ihrem eigenen Anteil an Hausarbeit und Kinderbetreuung befragt, gaben Väter mit längerem Elterngeldbezug um einiges höhere Werte an. Etwa die Hälfte schulterte 40 bis 60 Prozent der Kinderbetreuung, ein Zehntel mehr als 60 Prozent. Deutlich häufiger arbeiten diese Väter nach den Elternmonaten in Teilzeit.

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Quellen

 

Dietmar Hobler: Der Beitrag der Väter zum beruflichen Wiedereinstieg ihrer Partnerinnen (pdf),  Vortrag bei der WSI-Gleichstellungstagung „Zeit und Geld für eine fürsorgliche Praxis. Gender und Sorgearbeit im Lebensverlauf“, 26. September 2013.

Mehr Infos zum Projekt „Elterngeldnutzung durch Väter“ 


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