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Auf dem Bild zu sehen ist Jasmin Fahimi mit anderen Teilnehmern auf der Bühne bei der LABOR.A 2026. Service aktuell

LABOR.A 2026: LABOR.A zeigt Lösungen

Die Böckler-Konferenz zur Arbeit der Zukunft spannte in Berlin einen weiten Bogen über wichtige Themen der Arbeitswelt.

[29.09.2026]

Von Fabienne Melzer

Das Motto „Human“ der neunten LABOR.A war gut gewählt. Denn die diesjährige Konferenz über die Arbeit der Zukunft hatte sich breiter aufgestellt denn je. Das weit gefasste Motto spannte einen Bogen über 42 Reden, Diskussionen und Beiträge von 140 Sprecher*innen.  

Die Geschäftsführerin der Hans-Böckler-Stiftung, Claudia Bogedan, zeigte sich im Anschluss an die Veranstaltung hellauf begeistert: „Es ist einfach wahnsinnig inspirierend, motivierend und kraftspendend, wenn so viele unterschiedliche Menschen, die in so unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern aktiv sind, zusammenkommen und eine gemeinsame Wertehaltung vertreten.“ In ihrer Eröffnungsrede hatte sie die Wahl des Mottos Human folgendermaßen erläutert: Selten stehe Arbeit so unter Druck wie derzeit, etwa durch Künstliche Intelligenz (KI), durch Angriffe auf einen angeblich teuren Sozialstaat und durch das Erstarken der politischen Rechten. Human bedeute hingegen, statt wirtschaftlicher Aspekte die Würde des Menschen zum Ausgangspunkt zu machen.  

Das Bild zeigt Dr. Claudia Bogedan bei der Erföffnungsrede der LABOR.A 2026.

Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, unterstrich das im zweiten Teil der Eröffnung. Die Altstipendiatin der Stiftung verwies auf die Herausforderung einer einseitigen Ökonomisierung für die arbeitende Gesellschaft. Ihre Botschaft: Wir müssen in Menschen investieren. Es lohne sich – in humaner Hinsicht, aber auch volkswirtschaftlich. 

„Die Arbeit geht uns nicht aus“ 

Die anschließenden Foren und Panels warfen ein Streiflicht auf Themen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und aus den Betrieben. Viele lieferten gleich Lösungsansätze für die dargestellten Probleme mit.   

Einen Schwerpunkt bildete die Künstliche Intelligenz (KI). Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi stellte fest, dass sich KI in der Arbeitswelt nicht so rasant entwickle, wie oft vorhergesagt. Trotzdem gebe es Substituierungen auf dem Arbeitsmarkt, zunehmend auch bei Hochqualifizierten. „Das ist zwar alles neu“, sagte Fahimi, „aber das heißt nicht, dass uns die Arbeit ausgeht“.  

Die Mitbestimmung könnte ein Lösungsansatz sein, um die KI in Grenzen zu halten: „Wir brauchen die Mitbestimmung, damit KI für die Menschen arbeitet und tatsächlich Mehrwert schafft.“ Es ginge nicht darum, wie Arbeitgeber behaupteten, Innovationen auszubremsen. „Es geht darum, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen“, sagte Fahimi. 

Markus Beckedahl vom Zentrum für Digitalrechte und Demokratie verwies auf die gesamtgesellschaftliche Debatte, die seiner Meinung nach zu oft in eine falsche Richtung geht: „Wir reden zu wenig darüber, was das Handy mit uns macht. Wir müssen sagen, dass wir nicht überall Kameras und Mikrofone wollen.“ 

Angriffe auf die Wissenschaft 

Um gesellschaftliche und politische Debatten ging es auch in zahlreichen anderen Diskussionsrunden. So sehen sich etwa Beschäftigte in öffentlichen Ämtern immer wieder mit dem Neutralitätsgebot konfrontiert. Vor allem die AfD argumentiert damit. Tim Wolff, Justiziar bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), berichtete, dass Lehrer*innen, die sich kritisch zur AfD positionieren, eingeschüchtert werden. „Da wird immer mit der Neutralität argumentiert“, sagte Wolff. Die Juristen auf dem Podium stellten klar: Amtsträger*innen seien zwar zur parteipolitischen Neutralität verpflichtet. Bei Angriffen auf die Verfassung gelte das aber nicht. Ein allgemein politisches Neutralitätsgebot gebe es für sie auch nicht. 

In einem weiteren Panel ging es um Angriffe auf Wissenschaftler*innen. Sie werden in den sozialen Medien zunehmend zur Zielscheibe. Die Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen (WSI) Instituts der Hans-Böckler-Stiftung, Bettina Kohlrausch, berichtete von einer feministischen Arbeit, die öffentlich angefeindet wurde. Wer so etwas erlebe, überlege sich, ob sie oder er weiter zu solchen Themen forsche. „Und da sind wir schon außerhalb einer freien Wissenschaft“, sagte Kohlrausch.

Das Bild zeigt Verena Bentele während ihrer Rede bei der LABOR.A 2026.

Lösung auf europäischer Ebene 

Um schwierige Arbeitsbedingungen in verschiedenen Branchen ging es in einer Reihe von Foren, zum Beispiel um die von Arbeitsmigrant*innen. Lohnversprechen werden nicht eingehalten, Unterkünfte sind heruntergekommen, und manchmal entsprechen die ausgeübten Tätigkeiten nicht der Vereinbarung. „Wir streiten für eine Regulierung der Arbeitsvermittlung", sagte Susanne Uhl, die das Hauptstadtbüro der NGG leitet. Die Lösung könnte auf europäischer Ebene zu finden sein.  

Denn für die Regulierung gibt es bereits Vorbilder und Initiativen. In Rumänien müssen sich Arbeitsvermittlungen über eine Plattform zertifizieren lassen. Vermittlungsgebühren auf Kosten der Beschäftigten sind dort verboten. Die Europäische Föderation der Gewerkschaften für Nahrung, Landwirtschaft und Tourismus (EFFAT) hat eine Richtlinie entwickelt. Sie zeigt auf, wie eine Gleichbehandlung von Subunternehmern und Direktangestellten gelingen kann. In Straßburg hat EFFAT mobilisiert und ihre Forderungen der Kommissarin für Beschäftigung übergeben. Mit Erfolg: „Wir haben das zum Thema gemacht. Die EU beschäftigt sich jetzt damit.” Die Ideen finden sich im geplanten Gesetz für hochwertige Arbeitsplätze (Quality Jobs Act). 

Die Lücke beim Gehalt zwischen Männern und Frauen – das sogenannte Gender Pay Gap – hält sich hartnäckig. Für dieses Problem hat der Nokia-Betriebsrat eine Lösung geschaffen. Beate Bittl, IT Quality Managerin bei Nokia und Mitglied des Betriebsrats, erklärte das sogenannte „Kochrezept”, mit dem die Lücke aufgespürt werden kann.  

Mit entsprechenden Daten und ein wenig Excel-Arbeit legte sie die Gehaltslücke bei den Incentives von 145 Nokia-Männern und 46 -Frauen dar. Vor Gericht konnte er sich davon überzeugen, als eine Nokia-Beschäftigte ihren Anspruch dort durchsetzte, und das Diagramm dabei als Argumentationsgrundlage diente. 

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