Mausklick statt Mitbestimmung?

Legal Technology im Arbeitsrecht und die Folgen für die industriellen Beziehungen


Forschungsschwerpunkt: Mitbestimmung

Status: Laufend

Projektende: 31.05.2023

Projektnummer: 2020-289-2

Projektziel:

Das Projekt beschäftigt sich mit den Folgen der Verbreitung von Legal Technologies im Arbeitsrecht für den Zugang zum Recht, für die Legitimität des Rechtsstaats, für die betriebliche Mitbestimmung und die überbetriebliche Interessenvertretung.

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Die Rolle von Anwaltskanzleien in den industriellen Beziehungen in Deutschland ist ein weitgehend unbeforschtes Terrain. Der Wandel in der Architektur und der Funktionsweise des Rechtssystems durch die Digitalisierung sollte ein Anlass sein, diese Forschungslücke zu schließen, denn Legal Technology – hier die standardisierte Bearbeitung von Rechtsangelegenheiten mittels Online-Tools, Rechtsgeneratoren und Legal Robots – gewinnt auch im Arbeitsrecht an Bedeutung. Bislang ist jedoch wenig bekannt über die Ausrichtung und Geschäftsmodelle der neuen Legal-Tech-Rechtsdienstleister, sowie über die Auswirkungen der neuen Angebote für den Zugang zum Recht und für etablierte Formen und Akteure der verbandlichen Rechtsberatung und der Interessenvertretung von Arbeitnehmern (Betriebsräte, Gewerkschaften).

2. Fragestellung

Das Projekt nimmt erstens die Geschäftsmodelle, Interessen und Strategien der digitalen Rechtsdienstleister im Arbeitsrecht in den Blick. Zweitens untersucht das Vorhaben die Folgen für Akteure und Institutionen der Arbeitsbeziehungen und Rechtsstaat. Ist die digitale Rechtsmobilisierung eine Chance oder eine Gefahr für die Mitbestimmung? Treten Legal Tech-Rechtsdienstleister und ihre Koalitionspartner eher in Konkurrenz zu den klassischen Interessenvertretungen, oder gibt es Koalitionspotentiale? Wie beeinflussen sie die Akteurskonstellationen und Machtverhältnisse im Arbeitsmarkt und im Betrieb, und insbesondere zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite? Welche Folgen haben sie für die Arten der Konfliktaustragung und die Legitimität der Institutionen der Arbeitsbeziehungen und des Rechtsstaats?

3. Untersuchungsmethoden

Das Projekt arbeitet mit einem Methodenmix, indem es verschiedene qualitative mit quantitativen Erhebungsmethoden kombiniert. Der Schwerpunkt liegt auf offenen, qualitativen Verfahren. Mit Vertreter*innen der betrieblichen und gewerkschaftlichen Interessenvertretung, mit Vertreter*innen der Legal Tech-Anbieter, von Arbeitsrechtskanzleien und Arbeitsgerichtsbarkeit sowie mit weiteren Expert*innen werden offene Leitfadeninterviews durchgeführt. Diese werden durch Dokumentenanalysen und eine standardisierte Erhebung der Strukturmerkmale der Legal Tech-Angebote ergänzt und (insbesondere bezüglich des Sampling) vorbereitet.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Dr. Birgit Apitzsch

Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) e.V. an der Georg-August-Universität

birgit.apitzsch@sofi.uni-goettingen.de

Prof. Dr. Britta Rehder

Ruhr-Universität Bochum Fakultät für Sozialwissenschaft

britta.rehder@rub.de

Prof. Dr. Berthold Vogel

Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) e.V. an der Georg-August-Universität

berthold.vogel@sofi.uni-goettingen.de

Kooperationspartner:

Ruhr-Universität Bochum Fakultät für Sozialwissenschaft

Kontakt:

Dr. Stefan Lücking

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

stefan-luecking@boeckler.de

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