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Teaserbild Systemrelevant Podcast Folge 293 Service aktuell

Systemrelevant Podcast: Deutschland vs. Schweiz: Mehr Arbeit als Lösung?

Länger arbeiten, später in Rente gehen, weniger Feiertage: Diese Forderungen hört man auch in Deutschland immer wieder. Ein Blick in die Schweiz zeigt, was das konkret bedeutet und welche Folgen das hat.

In der Schweiz ist ein hohes Arbeitspensum der Normalfall. Im Schnitt werden 41,7 Stunden pro Woche gearbeitet, deutlich mehr als in Deutschland. Das gilt oft als Beleg für Leistungsfähigkeit und wirtschaftlichen Erfolg. Doch das hat Folgen: für Gesundheit, Vereinbarkeit und die Verteilung von Arbeit.

Darüber sprechen wir in dieser Folge mit der Ökonomin Néomie Zurlinden von der Schweizer Gewerkschaft Unida und WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch.

Auffällig ist, wie stark sich die Arbeitszeit innerhalb von Haushalten verschiebt. Während lange Vollzeitstandards bestehen bleiben, wird ein Teil der Arbeit ausgelagert, vor allem in Teilzeit. In der Schweiz arbeiten 20 % der männlichen Erwerbspersonen in Teilzeit, etwa doppelt so viele wie in Deutschland. Bei Frauen liegt die Quote seit Jahren bei rund 60 %.

Diese Entwicklung zeigt: Wo Erwerbsarbeit zeitlich ausgedehnt ist, wird unbezahlte Arbeit nicht weniger. Sie wird anders verteilt. Wie hoch die tatsächliche Arbeitsbelastung ist, zeigt sich, wenn man bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammendenkt. Frauen kommen in der Schweiz auf über 57 Stunden pro Woche, Männer auf rund 54 Stunden.

Teilzeit kann dabei Entlastung schaffen, bringt aber gleichzeitig eine zusätzliche soziale Schieflage mit sich. Denn die Entlastungen sind oft nur dort möglich, wo Einkommenseinbußen getragen werden können. Das hat eine wichtige ökonomische Komponente, sagt Néomie Zurlinden, da es „bei einem Paar, das es sich leisten kann, dass auch der Mann Teilzeit arbeitet, einen gewissen Zeitwohlstand ermöglicht“

Auch gesundheitlich bleiben die Folgen nicht aus. Studien zeigen, dass lange Arbeitszeiten das Risiko für Stress und Erschöpfung erhöhen. Der Job-Stress-Index ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. 2022 fühlte sich fast jede dritte beschäftigte Person in der Schweiz emotional erschöpft, was einen zentralen Indikator für Burnout darstellt.

Für Bettina Kohlrausch ist deshalb klar, dass „nicht wegen dieser langen Arbeitszeiten, sondern eher trotz dieser langen Arbeitszeiten positive Zielmarken erreicht werden.“

Wie sich Arbeit weiter verdichtet und warum Mehrarbeit sowie Arbeiten trotz Krankheit die Gesamtwirtschaft belasten wird im weiteren Verlauf der Folge geklärt.

Alle Informationen zum Podcast

In Systemrelevant analysieren führende Wissenschaftler:innen der Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam mit Moderator Marco Herack, was Politik und Wirtschaft bewegt: makroökonomische Zusammenhänge, ökologische und soziale Herausforderungen und die Bedingungen einer gerechten und mitbestimmten Arbeitswelt – klar verständlich und immer am Puls der politischen Debatten.

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