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HANS 16-2026 - Bettina Kohlrausch Service aktuell

Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Warum soziale Unsicherheit der AfD in die Hände spielt

Die AfD profitiert von sozialer Unsicherheit und dem Gefühl politischer Vernachlässigung. WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch beschreibt, was progressive Politik dem entgegensetzen kann.

[14.09.2026]

Der Erfolg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat viele von uns geschockt. So spezifisch die politischen Verhältnisse im Osten Deutschlands auch sein mögen: Das Erstarken der extremen Rechten ist kein ostdeutsches und nicht einmal nur ein gesamtdeutsches Problem. Weltweit gewinnen in vielen Ländern rechtspopulistische und extrem rechte Parteien an Zustimmung. Das ist sehr beunruhigend. Gerade deshalb sollten wir uns auf unsere Stärke und unsere Handlungsspielräume als Demokrat*innen besinnen. Zunächst gilt: Selbst in Sachsen-Anhalt hat die Mehrheit der Wähler*innen nicht die AfD gewählt.

Wer verstehen will, warum die AfD stark wird, erhält zugleich Hinweise darauf, wie sie wieder geschwächt werden kann. Deshalb ist die Forschung zu diesen Fragen so wichtig. Eine ihrer zentralen Erkenntnisse lautet: Die Strategie, der AfD durch die Übernahme ihrer Positionen Konkurrenz zu machen, funktioniert nicht. Das gilt für eine Politik der Ausgrenzung gegenüber Geflüchteten ebenso wie für die Abwertung von Menschen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Wer Positionen der AfD übernimmt – selbst in abgeschwächter Form –, normalisiert und stärkt diese Partei, statt ihr den Boden zu entziehen.

Damit ist die Frage nach den Ursachen ihres Erfolgs noch nicht beantwortet. Statusängste und Erfahrungen sozialer Bedrohung entstehen häufig aus ökonomischen Unsicherheiten. Ihren Ausdruck finden sie jedoch nicht selten in vermeintlich kulturellen Konflikten. Genau hier war die AfD in den vergangenen Jahren erfolgreich. Sie hat Verteilungskonflikte kulturell überformt. Damit spricht sie Menschen an, die sich materiell und sozial unter Druck fühlen. Zugleich haben diese Menschen den Eindruck, von der Politik nicht mehr gesehen zu werden.

Diese politische Lücke haben progressive Parteien zu lange bestehen lassen. In der Bevölkerung gibt es ein ausgeprägtes Unrechtsempfinden angesichts wachsender sozialer Ungleichheit. Dennoch wurden Fragen der Verteilung vielfach nur technisch und kleinteilig diskutiert. Dabei geht es um eine grundsätzliche Frage: Wie wollen wir in dieser Gesellschaft leben? Wem sollen die Ressourcen gehören, die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen?

Eine Antwort auf die AfD ist, den Sozialstaat wieder stärker als gemeinschaftliches Projekt zu begreifen. Nicht als Unterstützungssystem für eine kleine Gruppe besonders Bedürftiger, sondern als Form kollektiven „Sozialeigentums“. Soziale Sicherung, gute Bildung, öffentliche Infrastruktur, bezahlbarer Wohnraum oder genossenschaftliches Eigentum sind Ressourcen, die vielen gehören und allen Teilhabe ermöglichen.

Die aktuell geplanten sozialstaatlichen Kürzungen verweisen allerdings genau in die entgegengesetzte Richtung. Deshalb wäre es gut, diese Vorhaben noch einmal auf den Prüfstand zu stellen.

Prof. Dr. Bettina Kohlrausch ist die Wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Weitere Informationen

Systemrelevant Podcast: AfD gewinnt Wahl in Sachsen-Anhalt: Was steckt dahinter?

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