Auswirkungen des Iran-Kriegs: Belastungsprobe für die deutsche Wirtschaft
Feuerpause, aber keine Entwarnung: Der Iran-Krieg bremst die fragile Erholung, treibt Energiepreise und Unsicherheit, schreibt IMK-Experte Christian Breuer. Deutschlands Konjunktur schwächelt und hängt mehr denn je an der geopolitischen Lage.
[13.04.2026]
Die zweiwöchige Feuerpause im Iran-Krieg verschafft der Welt eine kurze Atempause – ökonomisch ist sie jedoch erst einmal ein kurzes Innehalten. Die wirtschaftspolitische Unsicherheit bleibt mit Blick auf die offenen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran erhöht. Die Gefahr eines Jo-Jo-Effekts und die wirtschaftlichen Belastungen durch weiterhin erhöhte Ölpreise bleiben bestehen.
Die deutsche Wirtschaft wurde in einer fragilen Erholungsphase getroffen. Zu Jahresbeginn waren die Aussichten noch positiv. Staatliche Investitionen und eine wachsende Nachfrage der privaten Haushalte deuteten auf eine Erholung hin. Doch der Krieg hat diese Entwicklung deutlich gebremst. Höhere Energiepreise und Unsicherheit wirkten sich bereits im ersten Quartal 2026 negativ aus und dürften die wirtschaftliche Lage im zweiten Quartal deutlich beeinträchtigen.
Entscheidend ist, wie lange sich die Auseinandersetzungen hinziehen und welche Belastungen für die Schifffahrt in der Straße von Hormus daraus resultieren. Vor diesem Hintergrund hat das IMK seine Konjunkturprognose nach unten korrigiert: Statt 1,2 Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts erwarten wir für 2026 nur noch 0,9 Prozent. Und das unter der Voraussetzung, dass die Blockade der Straße von Hormus nicht über den Sommer hinaus dauert und die Öl- und Gasinfrastruktur der arabischen Golfstaaten weitgehend intakt bleibt.
Dauert der Krieg noch länger, wäre ein Rückfall der deutschen Wirtschaft in die Rezession ein realistisches Szenario. Die Folge: weiterer Abbau industrieller Kapazitäten sowie steigende Risiken am Finanzmarkt. Auch verzögerte Investitionen, steigende Zinsen oder zunehmende Unsicherheit durch unnötige Debatten über Spar- oder Reformpolitik könnten die Lage zusätzlich verschärfen.
Doch noch besteht Hoffnung, dass wir wirtschaftlich mit einem „blauen Auge“ davonkommen. Staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung spielen eine zentrale Rolle beim Aufbau der Wachstumskräfte im Inland. Auch private Haushalte können weiterhin zum Wachstum beitragen, wenngleich unter erschwerten Bedingungen erhöhter Inflation.
Deutschlands Wirtschaft wird derzeit erneut vom Verlauf geopolitischer Konflikte gebremst, während die Binnenwirtschaft für expansive Impulse sorgt. Dem muss auch die wirtschaftspolitische Analyse Rechnung tragen. Die deutsche Wirtschaft leidet unter Entscheidungen der Außen- und Außenhandelspolitik der USA, nicht unter klassischen Standort- oder Wettbewerbsproblemen.
Zugespitzt gesagt: Wenn der Iran-Krieg die Energiepreise hochtreibt oder die amerikanische Regierung durch Zollbarrieren, Subventionen oder gezielte Abwertung ihrer Währung Exporte aus Europa ausbremst, hilft es nichts, im Inland mit Druck auf Löhne oder Kündigungsschutz, mit Deregulierung bei der Arbeitszeit oder aktionistischen Einschnitten bei der sozialen Sicherung zu reagieren. Im Gegenteil: Damit würde die wirtschaftspolitische Unsicherheit erhöht und der private Konsum als aktuell besonders wichtiger Stabilitätsfaktor geschwächt.
Prof. Dr. Christian Breuer leitet das Referat „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen“ im IMK der Hans-Böckler-Stiftung.
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