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Eva-Maria Stoppkotte Magazin Mitbestimmung

Preisverleihung: „Wir wollen mehr Öffentlichkeit“

Ausgabe 04/2026

Eva-Maria Stoppkotte, Initiatorin des Deutschen Betriebsrätepreises, über den Umzug nach Berlin, ein neues Bewertungssystem und ihr Engagement für die Mitbestimmung. Das Gespräch führten Kay Meiners und Andreas Schulte

Frau Stoppkotte, wer genau hatte die Idee, Betriebsräte für gute Praxis mit einem Preis auszuzeichnen?

Die Idee ist in der Redaktion unserer Zeitschrift „Arbeitsrecht im Betrieb“ entstanden. Das war 2009, und ich war von Anfang an dabei. Ich bin zu ganz vielen Kolleginnen und Kollegen gefahren, habe Interviews gemacht und wollte die eingereichten Projekte mit eigenen Augen sehen. Die Gewerkschaften haben wir überzeugt, indem wir sie eng in die Jury eingebunden haben. Ich erinnere mich noch gut an eine Preisverleihung aus den Anfangszeiten in Bonn. Es war die zweite Preisverleihung 2010 – da ging der Gold-Preis an die Frauen der Drogeriemarktkette Schlecker, die gegen Leiharbeit und miese Arbeitsbedingungen kämpften. Es gab fünf Minuten lang Standing Ovations.

Jetzt geht der Preis, der bisher immer in Bonn verliehen wurde, nach Berlin, als Teil des neuen Veranstaltungsformates #BR26. Warum?

Wir wollten uns neu aufstellen und den Schritt in die Hauptstadt gehen. Berlin entwickelt sich zunehmend zum Zentrum der Mitbestimmung. Dort erhoffen wir uns mehr Sichtbarkeit und eine stärkere öffentliche Wahrnehmung. Arbeitsministerin Bärbel Bas, die auch dabei ist, unterschreibt nicht nur die Urkunden, sondern überreicht auch die Preise. Dazu haben wir eine richtig tolle Location, die Wilhelm Studios. Das ist eine ehemalige Eisengießerei. Neu ist auch die große Abschlussparty. Früher sind die Leute nach der Preisverleihung einfach nach Hause gefahren.

Wie ist die Jury zusammengesetzt?

Es sind alle DGB-Gewerkschaften an Bord, dazu Leute aus der Wissenschaft und auch zwei Jury­mitglieder aus der Praxis. Das sind Kolleginnen und Kollegen, die den Preis selbst schon gewonnen haben. Wir zeichnen insgesamt neun Gremien aus. Es gibt ja nicht nur Gold, Silber und Bronze, wir haben drei Größenklassen von Gremien, damit es gerecht zugeht.

Wie genau läuft das Verfahren?

Alle Jurymitglieder verwenden ab diesem Jahr ein Punktesystem: Wie groß war der Nutzen für die Beschäftigten? Wie beteiligungsorientiert sind die Betriebsräte vorgegangen? Haben sie starke Partner eingebunden wie Gewerkschaften oder lokale Entscheidungsträger? Wie innovativ ist das Projekt? Und wie gut kann man es auf andere Gremien übertragen? Es soll auch Best Practice sein: Die Praxis soll von der Praxis lernen können. Die Kriterien hatten wir vorher auch im Kopf, aber wir wollten mehr Transparenz.

Wie bewirbt man sich, um zu gewinnen? 

Mit einem Projekt, von dem die Beschäftigten ganz viel haben. Die Anbindung an eine Gewerkschaft ist dabei formal kein Kriterium, aber tatsächlich haben bisher nur Gremien gewonnen, die in einer DGB-Gewerkschaft waren. Es ist in der Praxis, vor allem bei Neugründungen, wichtig, sich diese Rückendeckung zu holen. Manche Arbeitgeber sind sehr hartleibig, da braucht es ein gut funktionierendes Netzwerk, das unterstützen und auch Druck ausüben kann.

In diesem Jahr wurden 55 Projekte eingereicht – ist das ein normaler Wert?

Es gibt immer Schwankungen. Dieses Jahr ist ein Betriebsratswahljahr, da haben die Gremien viele weitere Themen auf der Agenda und sind zeitlich noch eingebundener. Daher ist es erfahrungsgemäß immer etwas schwieriger, sich die Zeit für eine Bewerbung zu nehmen. In den Jahren ohne Betriebsratwahlen waren es immer so um die 70 bis 80 Bewerbungen.

Welche inhaltlichen Trends zeichnen sich ab?

Aktuell haben wir viele Projekte zur Beschäftigungssicherung dabei, wie zu Beginn, als wir auch eine Wirtschaftskrise hatten. Da kamen auch ganz viele Kolleginnen und Kollegen mit Plänen, die Arbeitsplätze retten. Das wiederholt sich jetzt ein bisschen. Dazu kommen viele Transformationsprojekte, also Projekte, die die Abhängigkeit von fossilen Energien verringern sollen, und Projekte zur Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI).

Seit Gründung des Preises müssen rund 1000 Einreichungen durch Ihre Hände gegangen sein. Gibt es ein Lieblingsprojekt?

Es sind sogar schon weit über 1200 Projekte. Ich habe viele Lieblingsprojekte. Aus der letzten Zeit fallen mir sofort drei ein: das Projekt der Asklepios Kliniken in Hamburg gegen Gewalt im Betrieb, das Projekt des Siemens-Betriebsrates, in dem es darum geht, aktiv die Demokratie zu schützen, oder das Projekt bei Hauni, jetzt Körber, einem Maschinenbauer für die Zigarettenindustrie, wo die Beschäftigten für eine neue, moderne Fabrik gekämpft haben.

Wo wird der Deutsche Betriebsrätepreis denn im Vorfeld beworben?

Selbstverständlich in allen Medien des Bund-Verlags – von den Fachzeitschriften wie „Arbeitsrecht im Betrieb“ über unsere Newsletter bis hin zu unseren digitalen Kanälen. Die Mitgliederzeitungen der Einzelgewerkschaften sind nach wie vor sehr wichtig. Dazu kommen Empfehlungen bisheriger Preisträger und die Berichte hier im Magazin Mitbestimmung, die für uns sehr wichtig sind, auch wegen der tollen Texte und Fotos. Dazu setzen wir auf Social Media: auf LinkedIn und einen Instagram-Kanal.

Wir haben oft einen großen Stolz bei den Ausgezeichneten wahrgenommen, aber eher wenig Presseberichterstattung. Ist das nicht schade?

Absolut! Es gab immer schon regionale Berichterstattung über ausgezeichnete Projekte, aber wir wollen natürlich mehr Öffentlichkeit. Wenn ich in Rente gehe, möchte ich, dass jeder auf der Straße weiß, was ein Betriebsrat ist. Und dass die Leute sagen: Diese Gremien machen eine total wichtige Arbeit.

Was wollen Sie dafür tun?

Mehr Medienarbeit, auch überregional. Ich habe noch einen Kollegen, der speziell für die Presse­arbeit zuständig ist, Christof Herrmann. Außerdem haben wir seit Mai unsere neue Website am Start, die das Thema regelmäßig auch mit kleinen Filmen aufgreifen wird. Im letzten Jahr wurde ich von der FAZ zu KI und zu unserem Preis interviewt. Wir wollen auch die Süddeutsche Zeitung noch einmal ansprechen. Und die Betriebsräte selbst können auch einen Beitrag leisten. Ich sage immer: Macht Öffentlichkeits­arbeit! Macht auf euch aufmerksam! Macht auf eure gute Arbeit aufmerksam! Das neue Format in Berlin soll uns dabei helfen.


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Eva-Maria Stoppkotte

Eva-Maria Stoppkotte wurde 1970 im ostwestfälischen Rahden geboren und wuchs in Luxemburg auf. Die Volljuristin mit Schwerpunkt Arbeitsrecht ist seit 20 Jahren verantwortliche Redakteurin der Zeitschrift „Arbeitsrecht im Betrieb“, Moderatorin und Referentin bei gewerkschaft-lichen Bildungsanbietern, ehrenamtliche Richterin am Arbeitsgericht Köln und Jurymitglied beim Deutschen Betriebsrätepreis. Während des Jurastudiums arbeitete sie bei der Deutschen Angestelltengewerkschaft (DAG), die später in Verdi aufging, und war, wie sie sagt, „total begeistert“, konnte aber wegen eines Einstellungsstopps nicht bleiben. Sie bewarb sich auf ein Volontariat beim AiB-Verlag (seit 2009 Bund-Verlag), für den sie bis heute arbeitet.

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