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Generalstreik des Gewerkschaftsverbands Cosatu Magazin Mitbestimmung

Rätselhaftes Fundstück: Die neue Arbeitnehmerorganisation

Ausgabe 04/2026

Im Dezember 1985 formiert sich in Südafrika der Gewerkschaftsdachverband Cosatu. Die neue Arbeitnehmerorganisation spielt schon bald darauf eine wichtige Rolle im Kampf gegen das rassistische Apartheid-Regime. Die Gewerkschafter sorgen mit Generalstreiks, Protesten und der Unterstützung internationaler Boykotts für einen wirtschaftlichen Kollaps im Land. Am Ende kapituliert das Regime. Von Guntram Doelfs

Athlone-Stadion in Kapstadt am 1. Mai 1986: Auf der Kundgebung des taufrischen Gewerkschaftsdachverbandes Cosatu wird der Toyi-Toyi getanzt. Es ist ein hochenergetischer Protesttanz mit stampfenden Füßen, hohen Kniebewegungen und lauten Gesängen. Er soll die eigene Moral stärken und den Gegner einschüchtern. Kämpfer des „Speers der Nation“, des militärischen Arms des African National Congress (ANC), haben den Tanz nach Südafrika gebracht. Nun ist der Toyi-Toyi die getanzte Kampfansage der Schwarzen Bevölkerung gegen das weiße Apartheid-Regime.

Der Ende 1985 gegründete Gewerkschaftsdachverband Cosatu ist intern eher fragil und von Widersprüchen geprägt. Der Gründungsprozess hat sich über viele Jahre hingezogen, viele unterschiedliche Interessen mussten unter einen Hut.  Der Verband soll die Rechte der schwarzer Beschäftigter stärken und dabei eigentlich parteipolitisch neutral sein. Der Kampf um existenzsichernde Löhne und bessere Arbeitsbedingungen für Schwarze lässt sich aber nicht vom politischen System trennen. Hinzu kommen gegensätzliche Vorstellungen vom Wirtschaftssystem im Land. Dem Verband gehören

33 Einzelgewerkschaften mit 450 000 Mitgliedern an, ihre Zahl  wird sich binnen weniger Jahre auf 1,2 Millionen erhöhen. Der neue Verband forciert den Arbeitskampf mit häufigen Streiks. Sie treffen die Wirtschaft ins Mark. Der Kampf gegen den gemeinsamen Gegner schweißt zusammen, aber er wird den inneren Konflikt nur kurz übertünchen. 

Die Arbeitgeber und das Regime wiederum versuchen, mit Repression und roher Gewalt dagegenzuhalten. Im April 1987 stürmt die Polizei die Cosatu-Zentrale, unzählige Mitglieder werden verhaftet und ernsthaft verletzt. Noch blutiger ist die Reaktion auf den Bergarbeiterstreik im Transvaal, der sich im August 1987 zur teuersten Arbeitsniederlegung der südafrikanischen Geschichte entwickelt. Elf Mitglieder der Bergarbeitergewerkschaft Num sterben, 50 000 Beschäftigte werden gekündigt, mehr als 80 Num-Funktionäre wegen „Aufruhr“ verhaftet. Der Streik selbst ist zwar kein Erfolg, seine politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen aber umso mehr. Aufgrund des brutalen Vorgehens gerät das Regime international weiter unter Druck, Investoren ziehen Geld ab, und Sanktionen gegen das Land werden ausgeweitet. Drei Jahre später ist Südafrika bankrott – und Apartheid-Präsident Frederik de Klerk zieht die Reißleine: Er hebt das Verbot der Antiapartheidbewegung ANC auf. Ihre Führungsfigur Nelson Mandela entlässt er aus der Haft. Das Apartheid-Regime ist am Ende.

Nach den ersten freien Wahlen im Jahr 1994 bildet Cosatu mit dem ANC und der South African Communist Party (SACP) ein Bündnis, die „Tripartite Alliance“. Das führt schon bald zu Konflikten, denn die Regierungspartei ANC schlägt aus ökonomischer Not zur Jahrtausendwende einen wirtschaftsliberalen Kurs ein, was zu schweren Verwerfungen in der Allianz führt.

In den Jahren 2014 bis 2017 kommt es zur Spaltung des Cosatu, weil ein starker linker Block die enge Bindung zum ANC nicht länger mitgehen will. In der Folge wird mit Saftu (South African Federation of Trade Unions) ein stark sozialistisch geprägter, neuer Dachverband gegründet, der inzwischen der zweitgrößte Gewerkschaftsdachverband in Südaf­rika ist. In der desaströsen wirtschaftlichen Situation konkurrieren sie um Mitglieder und  politischen Einfluss.  Im Sommer 2026 erschütterten fremdenfeindliche Proteste das Land, die dazu führten, dass viele Menschen aus Simbabwe, Malawi und Mosambik in ihre Heimat zurrückkehren mussten. Trotz der offiziell hohen Arbeitslosigkeit fehlen nun in vielen Betrieben die Arbeitskräfte.


 

Rätselfragen

1. Der erste Generalsekretär der Bergarbeitergewerkschaft Num war Cyril Ramaphosa. Welches hohe Staatsamt bekleidet er heute?  

2. 1994 fanden die ersten demokratischen Wahlen in Süd­afrika statt. Erster Präsident wurde ein Politiker, der zuvor 27 Jahre lang eingekerkert war. Wie heißt er? 

3. Nelson Mandela und Frederik de Klerk managten einen friedlich verlaufenden Übergang in eine Demokratie, inklusive einer neuen Verfassung und der Organisation von freien Wahlen. Beide wurden dafür 1993 außergewöhnlich geehrt. Von welcher Ehrung ist die Rede? 

Alle richtigen Einsendungen, die bis zum 11. September 2026 bei uns eingehen, nehmen an einer Auslosung teil.

 

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Auflösung der Rätselfragen 03/2026

- Lina Morgenstern

- Raps

- Karl Liebknecht

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