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Podcast Systemrelevant Folge 285 Titelbild Podcasts

Systemrelevant Podcast: Die Teilzeit-Falle

WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch bespricht die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit in Deutschland. Vor allem Frauen in Teilzeit stehen vor immensen Herausforderungen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

[27.02.2026]

Der Wirtschaftsflügel von CDU/CSU forderte Anfang 2026, das Recht auf Teilzeit einzuschränken. Der Vorwurf: Die hohe Teilzeitquote in Deutschland schade der Wirtschaft. Für diesen Vorstoß der Union hagelt es parteiübergreifend Kritik.

Was stimmt: Deutschland hat eine sehr hohe Teilzeitquote, konstatiert auch WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch in der neuen Podcast-Folge von Systemrelevant. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) war diese im dritten Quartal 2025 auf 40,1 Prozent gestiegen. Frauen arbeiten deutlich häufiger als Männer in Teilzeit. Das habe aber natürlich Gründe, so Kohlrausch, etwa die sehr ungleiche Verteilung von Sorgearbeit (Haushalt, Kinderbetreuung, Pflege). Wenn bezahlte und unbezahlte Arbeit summiert werde, arbeiten Frauen eine Stunde mehr pro Woche.

Die Verteilung von Sorgearbeit auf Haushaltsebene sei laut Forschung unseres WSI der entscheidende Faktor, der über das Erwerbsvolumen von Frauen entscheidet. „Sich die bezahlte Arbeit von Frauen anzugucken, ohne die Muster der Verteilung der unbezahlten Arbeit zu berücksichtigen“, sei demnach ignorant, so Bettina Kohlrausch.

Teilzeitarbeit führt dazu, schlechter sozial abgesichert zu sein

Statt Teilzeitarbeit als Belastung für den Sozialstaat zu bezeichnen, wie es zum Teil in der Politik geschieht, sieht WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch als Hauptproblem, dass Teilzeitarbeit dazu führt, schlechter sozial abgesichert zu sein. Und fragt: „Wenn ich jetzt kündige und einen Job mache, bei dem ich weniger verdiene, würde das ja bedeuten, dass ich mich dadurch unsozial verhalte, weil ich logischerweise auch weniger in die Sozialversicherung einzahle. Ist das dann auch verboten? Muss ich den Staat dann auch fragen?“

Bettina Kohlrausch kritisiert: „Wir verlassen uns als Gesellschaft darauf, dass Frauen viel unbezahlte Sorgearbeit machen und bürden ihnen die sozialen Risiken, die sich damit verbinden, ganz alleine auf.“

Deutliche Unterschiede am Arbeitsmarkt zwischen Frauen und Männern

Im Podcast stellt Bettina Kohlrausch auch zentrale Erkenntnisse aus einer neuen Studie vor. Der Report von Dr. Yvonne Lott (WSI), Svenja Pfahl und Eugen Unrau (Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer, SowiTra) liefert auf Basis der neuesten verfügbaren amtlichen Daten eine Übersicht über den Stand der Gleichstellung. „Es bestehen weiterhin deutliche Unterschiede am Arbeitsmarkt zwischen Frauen und Männern. Die Geschlechterungleichheiten fallen besonders deutlich aus, wenn Kinder mit im Haushalt leben“, schreiben die Forschenden.

Daher sei es entscheidend, Rahmenbedingungen zu schaffen, bei denen Paare zu einer fairen Verteilung der Sorgearbeit kommen. Dazu zähle in erster Linie eine verlässliche Kinderbetreuung. Welche Maßnahmen WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch zudem empfiehlt, hört ihr im weiteren Verlauf der Podcast-Folge mit Moderator Marco Herack.  

Alle Informationen zum Podcast

In Systemrelevant analysieren führende Wissenschaftler:innen der Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam mit Moderator Marco Herack, was Politik und Wirtschaft bewegt: makroökonomische Zusammenhänge, ökologische und soziale Herausforderungen und die Bedingungen einer gerechten und mitbestimmten Arbeitswelt – klar verständlich und immer am Puls der politischen Debatten.

Alle Folgen in der Übersicht

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