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Coronakrise: Urlaubsgeld stabilisiert Einkommen

Ausgabe 10/2020

Knapp die Hälfte aller Beschäftigten erhält Urlaubsgeld. Grundlage sind meist Tarifverträge. Das hilft besonders in der aktuellen Krise.

In Deutschland erhalten 44 Prozent aller Beschäftigten in der Privatwirtschaft Urlaubsgeld. Ob jemand eine solche Zahlung bekommt oder nicht, hängt von mehreren Faktoren ab. Der mit Abstand wichtigste ist die Tarifbindung: Von den Beschäftigten in tarifgebunden Unternehmen bekommen 71 Prozent Urlaubsgeld, ohne Tarifvertrag sind es nur 34 Prozent. Dies ist das Ergebnis einer Online-Befragung des vom WSI betriebenen Internetportals Lohnspiegel.de. Für die Analyse wurden die Angaben von mehr als 53000 Beschäftigten aus der Zeit zwischen August 2019 und Mai 2020 ausgewertet.

In Ostdeutschland wird seltener Urlaubsgeld gezahlt als in Westdeutschland. Während im Osten 32 Prozent der Beschäftigten den Aufschlag erhalten, sind es im Westen 47 Prozent. Dieser Unterschied liegt in erster Linie an der deutlich geringeren Tarifbindung in Ostdeutschland. Frauen sind überproportional in Branchen mit geringer Tarifbindung beschäftigt. Auch die Größe der Unternehmen ist ein wichtiger Faktor: Die Wahrscheinlichkeit, Urlaubsgeld zu erhalten, steigt mit zunehmender Belegschaftsgröße an. Auch hier besteht eine enge Korrelation mit der Tarifbindung, da große Unternehmen eher tarifgebunden sind. Schließlich erhalten Männer mit 47 Prozent häufiger Urlaubsgeld als Frauen, von denen nur 39 Prozent eine entsprechende Sonderzahlung bekommen. 

Urlaubsgeld hilft in der Coronakrise

In diesem Jahr sei das Urlaubsgeld wegen der Coronakrise für viele Arbeitnehmer besonders wichtig, sagt Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs. Beschäftigte in Kurzarbeit müssten empfindliche Einbußen hinnehmen – das Urlaubsgeld trage zur Stabilisierung der Einkommen bei. „Umso problematischer ist es“, so Schulten, „dass nun einzelne Unternehmen das Urlaubsgeld streichen wollen.“ In der Regel sei dies jedoch nicht einfach so möglich, vor allem wenn Beschäftigte ein tarifvertraglich gesichertes Recht auf Urlaubsgeld hätten. In einigen Tarifbranchen wie der Metall- und Elektroindustrie wurde in diesem Jahr vereinbart, das Urlaubs- und Weihnachtsgeld anteilsmäßig auf die monatlichen Einkommen zu übertragen, um im Fall von Kurzarbeit ein möglichst hohes Kurzarbeitergeld zu erhalten.

Die Höhe des tarifvertraglich vereinbarten Urlaubsgeldes fällt je nach Branche sehr unterschiedlich aus: Zwischen 155 und 2513 Euro bekommen Beschäftigte in der mittleren Vergütungsgruppe als tarifliches Urlaubsgeld, ohne Berücksichtigung von Zulagen und bezogen auf die Endstufe der Urlaubsdauer. Die höchsten Zahlungen erhalten Arbeitnehmer unter anderem in der Holz- und Kunststoffverarbeitung, der Metallindustrie, der Papier verarbeitenden Industrie, der Druckindustrie, im Versicherungsgewerbe und im Einzelhandel. Am wenigsten bekommen Beschäftigte in der Landwirtschaft und im Hotel- und Gaststättengewerbe. Gegenüber dem Vorjahr hat sich das tarifliche Urlaubsgeld in 11 von 22 untersuchten Branchen erhöht, in den meisten Fällen um 1,0 bis 3,5 Prozent.

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