Ausbildungsvergütungen: Knapp vier Prozent mehr für Azubis
Die tarifvertraglichen Ausbildungsvergütungen steigen um 3,9 Prozent. Weniger als 1000 Euro pro Monat im ersten Ausbildungsjahr bekommt kaum ein Azubi mit Tarif.
„Mit den Tarifverträgen zur Ausbildungsvergütung versuchen die Gewerkschaften, dem Anspruch vieler Auszubildender nach einer von den Eltern unabhängigen Existenzsicherung Rechnung zu tragen“, sagt Thorsten Schulten. Der Leiter des WSI-Tarifarchivs hat in einer aktuellen Studie über 20 ausgewählte Tarifbranchen untersucht. In den meisten davon liegen die Ausbildungsvergütungen auch im ersten Jahr über 1000 Euro monatlich „und übertreffen damit den Bafög-Höchstsatz für Studierende“.
Schwierig ist die Situation hingegen für die etwa 45 Prozent der Azubis, die ihre Ausbildung in Betrieben ohne Tarifvertrag absolvieren. „Ohne Tarifvertrag erhalten Auszubildene oft deutlich niedrigere Vergütungen und müssen mitunter sogar mit der völlig unzureichenden Mindestausbildungsvergütung von derzeit 724 Euro im Monat auskommen“, so Schulten. Der DGB fordert deshalb, die Mindestausbildungsvergütung mindestens auf 80 Prozent der durchschnittlichen tarifvertraglichen Vergütungen anzuheben, was derzeit im ersten Ausbildungsjahr 894 Euro im Monat entsprechen würde.
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Die Ausbildungsvergütungen werden normalerweise im Rahmen der regulären Tarifverhandlungen zusammen mit den Entgelten der Beschäftigten verhandelt. Je nach Branche, Region und Ausbildungsjahr zeigen sich große Niveauunterschiede. Insgesamt reicht die Spanne in den untersuchten Tarifbranchen von 785 Euro monatlich im ersten Ausbildungsjahr im Friseurhandwerk in Nordrhein-Westfalen bis zu 1714 Euro im Monat im vierten Ausbildungsjahr für gewerbliche Auszubildende im westdeutschen Bauhauptgewerbe.
In den vergangenen zehn Jahren sind die tariflichen Ausbildungsvergütungen in der Regel deutlich schneller gestiegen als die Tariflöhne. Während die Tarifföhne zwischen 2015 und 2025 um 35 Prozent zunahmen, erhöhten sich die durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütungen im gleichen Zeitraum um 47 Prozent. Im Jahr 2025 war die Diskrepanz besonders groß: Mit 6,7 Prozent verzeichneten die Ausbildungsvergütungen den stärksten Zuwachs der letzten zehn Jahre. Die Steigerung der Tariflöhne fiel demgegenüber mit 2,6 Prozent deutlich geringer aus.
„Die Dynamik bei den Ausbildungsvergütungen wurde in den letzten Jahren vor allem von Dienstleistungsbranchen geprägt, die traditionell über ein eher niedrigeres Vergütungsniveau verfügen. In den letzten Jahren haben vor allem diese Branchen mit überdurchschnittlichen Steigerungsraten auf den zunehmenden Fachkräftemangel reagiert“, so Schulten.
Thorsten Schulten: Tarifvertragliche Ausbildungsvergütungen 2026. Eine Auswertung von 20 ausgewählten Tarifbranchen, WSI-Tarifarchiv, Analysen zur Tarifpolitik Nr. 117, Juli 2026