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Noch kein abrupter Wandel der Arbeitswelt Böckler Impuls

Künstliche Intelligenz: Noch kein abrupter Wandel der Arbeitswelt

Ausgabe 08/2026

Technologische Umbrüche führen häufig erst zu Mehrarbeit und dann zu Rationalisierungen. Noch ist offen, ob es bei der künstlichen Intelligenz so kommt.

Künstliche Intelligenz (KI) fasziniert – und macht Angst. Ob Rechtsgutachten oder Programmiercode: Was noch vor kurzem vieler Stunden menschlicher Arbeit bedurfte, entsteht plötzlich in Sekunden. Nicht nur Tech-Propheten aus dem Silicon Valley sprechen von enormen Rationalisierungsmöglichkeiten. Beschäftigte fragen sich, ob ihre Fähigkeiten noch gebraucht werden. Um die Arbeitsmarktfolgen der KI-Revolution verlässlich vorherzusagen, ist es zu früh. Umso wichtiger ist es, „möglichst auf Augenhöhe mit der Entwicklung zu sein“, so WSI-Experte Toralf ­Pusch, Muhamed Kudic, Professor an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, und Akua Franziska Agyepong. Die Forschenden haben Daten der WSI-Betriebsrätebefragung aus den Jahren 2023 und 2025 ausgewertet. Einbezogen wurden jeweils rund 3700 mitbestimmte Betriebe und Dienststellen. Im Untersuchungszeitraum hat etwa ein Zehntel der teilnehmenden privatwirtschaftlichen Betriebe KI eingeführt, im öffentlichen Dienst war die Quote etwas niedriger.

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Infografik Seite 3: Nur wenige Beschäftigte befürchten Jobverluste durch KI. Eher rechnen sie mit neuen Stellen.
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Gefragt wurden die Betriebs- oder Personalräte unter anderem, wie sich die KI-Einführung auf die Arbeitsbelastung ausgewirkt hat. Gut die Hälfte der Befragten gab an, dass sich die Arbeitsintensität nicht merklich verändert habe. Das gilt für beide Befragungszeitpunkte. Dass die Arbeit mehr oder dass sie weniger geworden sei, glaubten im öffentlichen Dienst jeweils ungefähr gleich viele Befragte. In der Privatwirtschaft war rund ein Drittel der Ansicht, die Arbeitsbelastung habe sich durch KI verringert, während nur halb so viele eine Erhöhung wahrgenommen haben.

Auf den Personalbestand hatte KI der überwältigenden Mehrheit zufolge bislang noch keine negativen Auswirkungen. Und die Gruppe der Skeptikerinnen und Skeptiker ist im Zeitverlauf eher geschrumpft. So rechneten 2023 im öffentlichen Dienst 8 Prozent mit KI-bedingtem Arbeitsplatzabbau, 2025 tat das aber fast niemand mehr. In der privaten Wirtschaft sank die Zahl von 8 auf 5,5 Prozent. Dem standen 12,5 Prozent der Betriebsräte mit der Einschätzung gegenüber, dass KI neue Stellen schaffe.

Im Vergleich zu den Angaben, die Betriebs- und Personalräte zur Einführung von Cloud-Computing, Managementinformationssystemen oder Ähnlichem machten, zeigt sich, „dass sich KI in ihrer Wirkung – zumindest in der frühen Einführungsphase – von anderen digitalen Technologien zu unterscheiden scheint“, so die Forschenden. Die Befragungsdaten deuten ihrer Analyse zufolge daraufhin, „dass KI-Einführung bislang weder zu einer systematischen Arbeitsverdichtung noch zu abrupten Veränderungen der Arbeitsorganisation geführt hat. Die Befunde zu den Beschäftigungseffekten ergänzen dieses Bild der relativen Stabilität.“ KI werde in vielen mitbestimmten Betrieben bislang vermutlich „vor allem unterstützend eingesetzt“ und nicht als Ersatz für bestehende Jobs.

Inwieweit diese Ergebnisse auf die übrige Wirtschaft übertragbar sind, lassen die Forschenden offen. Sie vermuten, dass „Arbeitsplatzeffekte von KI in Betrieben mit betrieblicher Mitbestimmung systematisch anders ausfallen als in den nicht mitbestimmten Teilen der Wirtschaft, da Betriebsräte Einführungsprozesse aktiv mitgestalten“. Zudem absolvierten Beschäftigte in den untersuchten Betrieben zeitlich umfangreiche Weiterbildungsprogramme im Umgang mit KI-Systemen. Dies spricht dafür, dass es in diesen Fällen bei der KI-Einführung nicht um eine Verringerung des Personalaufwands ging – und für den positiven Einfluss der Mitbestimmung.

„Die Befunde machen Mut, dass KI kein disruptiver Jobkiller sein muss, sondern konstruktiv eingesetzt werden kann. Mitbestimmung scheint dafür ein wichtiger Faktor zu sein“, sagt Bettina Kohlrausch, die wissenschaftliche Direktorin des WSI. „Natürlich handelt es sich hier um eine Momentaufnahme. Erste Studien kommen zu dem Ergebnis, dass zumindest die deutsche Industrie KI im internationalen Vergleich relativ intensiv nutzt. Wir werden die Entwicklung weiter eng und praxisnah begleiten.“

Toralf Pusch, Muhamed Kudic, Akua Franziska Agyepong: Mehr Arbeit, weniger Jobs? Konsequenzen der KI-Technologieeinführung, Wirtschaftsdienst 4/2026

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