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Coronakrise: Kluge Wirtschaftspolitik bremst den Absturz

Ausgabe 12/2020

Das IMK rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft den konjunkturellen Tiefpunkt hinter sich hat. Die entschlossene Reaktion von Bundesregierung, EU und EZB hat Schlimmeres verhindert.

Es geht wieder bergauf, wenn auch langsam: Forscher des IMK gehen in ihrer aktuellen Prognose davon aus, dass die deutsche Wirtschaft die Talsohle durchschritten hat und im dritten Quar­tal 2020 auf einen moderaten Erholungspfad einschwen­ken wird. Das Niveau vor Ausbruch der Corona­krise werde aber wohl erst 2022 wieder erreicht. Im Jahresdurchschnitt 2020 schrumpft die Wirtschaftsleistung um 6,2 Prozent, 2021 wird sie um 3,8 Prozent wachsen.

Anders als bei ihrer letzten Vorhersage im April 2020 sehen die IMK-Forscher diesmal allerdings nicht nur das Risiko, dass sich ihre Prognose als zu optimistisch herausstellen könnte, wenn es eine massive zweite Infektionswelle gibt. Sie halten es auch für möglich, dass die reale Entwicklung etwas besser verlaufen könnte, wenn die Politik in Deutschland und Europa weiterhin entschlossen gegensteuert: Das Konjunkturpaket der Bundesregierung, die deutlich expansivere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und die absehbare gemeinsame Kreditaufnahme der EU-Staaten zur Finanzierung eines Europäischen Aufbaufonds „wirken stabilisierend und könnten eine etwas stärkere Erholung auslösen als hier erwartet“, schreiben die Ökonomen. 

Das wäre auch mit Blick auf die Beschäftigung wichtig. Zwar können die breit angewandte Kurzarbeit sowie die übrigen umfangreichen Stabilisierungsmaßnahmen nach der IMK-Prognose den Schaden auf dem Arbeitsmarkt im Vergleich zum dramatischen Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt stark abpuffern. Trotzdem gehen die Ökonomen davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt 2020 um rund 500 000 zunimmt, und 2021 um weitere 130 000 Personen.

„Die Bundesregierung hat auf vielen Feldern schnell das Richtige getan, um die ökonomischen Folgen dieser dramatischen Krise zu mildern“, sagt IMK-Direktor Sebastian Dullien. Das gelte mit Abstrichen auch für das Konjunkturpaket von Anfang Juni 2020: Zwar hätten die 20 Milliarden Euro, die die zeitweilige Mehrwertsteuersenkung den Fiskus kostet, effektiver eingesetzt werden können – beispielsweise in Form eines höheren Kinderzuschlags. „Aber insgesamt geht in diesem und im kommenden Jahr ein nennenswerter positiver Impuls auf den Konsum und die Investitionen aus.“

Um die wirtschaftlichen Härten, die die Krise gleichwohl für Millionen Menschen bringt, weiter zu mildern, sollte die deutsche Regierung spätestens 2021 noch einmal mit weiteren nachfragesteigernden Maßnahmen nachlegen. Diese könnten und sollten so gestaltet sein, dass sie zugleich einen Beitrag zur Begrenzung des Klimawandels leisten und die Innovationsfähigkeit der deutschen Industrie weiter stärken. Empfehlenswert wäre es etwa, öffentliche Investitionen vorzuziehen, private Investitionen mit positiver ökologischer Wirkung stärker zu fördern und die Qualifizierung für zukunftsfähige Berufe auszubauen.

Finanzielle Reserven für entsprechende Investitionen seien vorhanden, betonen die Ökonomen. So steige zwar in diesem und im kommenden Jahr die Staatsverschuldung kräftig an. Die jährlichen Ausgaben für den Schuldendienst seien hingegen weiterhin rückläufig, weil der Bund auch längerfristige Kredite zu Negativzinsen aufnehmen und ältere Verbindlichkeiten günstig umschulden könne. Auf europäischer Ebene sei einiges erreicht, wenn der Vorschlag der EU-Kommission zu einem europäischen Recovery Plan ohne Verwässerungen umgesetzt werde, so das IMK.

Quelle

Sebastian Dullien, Alexander Herzog-Stein, Peter Hohlfeld, Katja Rietzler, Sabine Stephan, Thomas Theobald, Silke Tober, Sebastian Watzka: Wirtschaftspolitische Reaktion mildert Corona-Einbruch: Verhaltene Erholung in Sicht – Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2020/2021 (pdf), IMK-Report Nr. 160, Juni 2020

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