Kinderbetreuung: Kein Verlass
Längere Arbeitszeiten: Wie soll das gehen? Eltern haben schon jetzt enorme Schwierigkeiten, Job und Familie unter einen Hut zu bringen. Es fehlt an verlässlicher Kinderbetreuung.
Wirtschaftslobbyisten trommeln für eine Ausweitung der Erwerbsarbeitszeiten. Doch dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen, insbesondere für Erwerbstätige mit Kindern oder anderen Sorgeverpflichtungen. Da hapert es häufig, zeigen neue Daten des WSI: 54 Prozent der erwerbstätigen oder arbeitsuchenden Eltern, die eigentlich eine externe Kinderbetreuung in einer Kita, bei Tageseltern oder in einer schulischen Ganztagsbetreuung nutzen, waren im Herbst 2025 an einem oder mehreren Tagen mit Kürzungen der Betreuungszeiten oder kurzfristigen Schließungen der Einrichtung konfrontiert, beispielsweise wegen Personalmangels. Das ergibt sich aus der jüngsten Welle der WSI-Erwerbspersonenbefragung.
Fast ein Drittel der von Ausfällen oder Kürzungen Betroffenen musste die eigene Erwerbsarbeitszeit reduzieren, um die Betreuungslücke zu schließen. Mehrheitlich springen Frauen ein, gleichzeitig reduzieren betroffene Männer etwas häufiger ihre Arbeitszeit im Erwerbsjob, wahrscheinlich, weil sie häufiger Vollzeit arbeiten.
„Vor dem Hintergrund dieser Betreuungssituation“, so WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch, „geht die aktuelle Diskussion über zu hohe Teilzeitquoten an der Realität vorbei, weil die Beschäftigten aufgefordert werden, mehr Erwerbsarbeit zu leisten, ohne die Rahmenbedingungen und damit auch die Verantwortung des Staates in den Blick zu nehmen“. Unter den aktuellen Umständen könnten berufstätige Eltern nicht verlässlich planen und vor allem Frauen müssten sich zweimal überlegen, ob sie eine Erwerbsarbeit aufnehmen oder ausweiten können. „Die Zahlen unterstreichen, dass die aktuelle Arbeitszeitdebatte vielfach falschherum aufgezäumt ist: Wir brauchen erstens weitere massive Investitionen in eine wirklich verlässliche Infrastruktur für die frühe Bildung, vor allem eine bessere Personalausstattung. Zumal ja noch hunderttausende Betreuungsplätze fehlen. Zweitens sollte man alles unterlassen, was Arbeitszeiten für Beschäftigte noch schlechter planbar macht, beispielsweise die von der Regierung geplante Abschaffung der täglichen Arbeitszeit-Höchstgrenze.“