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Konjunktur: Dynamisch aus der Krise

Ausgabe 12/2021

Das IMK rechnet mit einer raschen Erholung der Wirtschaft. Dazu hat auch die beherzte Stabilisierungspolitik beigetragen. In den nächsten Jahren sollte der Staat mehr investieren.

Parallel zu steigenden Impfraten, den Lockerungen der Corona-Beschränkungen und hoher Nachfrage aus dem Ausland erholt sich die deutsche Wirtschaft kräftig. Im Jahresdurchschnitt 2021 legt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,5 Prozent zu, 2022 um 4,9 Prozent. Treibende Kräfte des Wachstums sind in diesem Jahr sowohl der sehr dynamische Außenhandel als auch der zunehmende private Konsum, der 2022 zum dominierenden Wachstumsfaktor wird. Die Investitionen liefern in beiden Jahren ebenfalls positive Impulse. Die Arbeitslosenquote sinkt in 2021 geringfügig auf durchschnittlich 5,8 Prozent, 2022 auf 5,3 Prozent. Die Inflation steigt in diesem Jahr erstmals seit längerem zwar über das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp zwei Prozent, auf 2,5 Prozent im Jahresmittel. Da dafür neben dem Wirtschaftsaufschwung aber auch temporäre Sonderfaktoren wie die Rückkehr zum alten Mehrwertsteuersatz eine Rolle spielen, wird die Teuerungsrate im kommenden Jahr wieder auf 1,7 Prozent zurückgehen. Das ergibt die neue Konjunkturprognose des IMK.

Gegenüber der letzten Prognose vom März senkt das IMK die Wachstumserwartung für 2021 leicht um 0,4 Prozentpunkte. Für 2022 heben die Konjunkturforscher ihre Prognose dagegen um 0,7 Prozentpunkte an. „Im Gegensatz zu vielen anderen Instituten haben wir unsere Prognose im Frühjahr nicht zurückgenommen, weil wir von einer starken Erholung mit fortschreitenden Impfzahlen überzeugt waren“, erklärt IMK-Direktor Sebastian Dullien. Da die Corona-bedingten Einschränkungen länger nötig waren als erhofft, habe sich der Aufschwung zeitlich etwas verschoben. „Das Gesamtbild bleibt unverändert positiv: Die deutsche Wirtschaft kommt mit Schwung aus der Coronakrise. Die gegenwärtigen Engpässe bei einigen Rohstoffen und Vorprodukten wie Halbleitern bremsen, aber wir rechnen damit, dass die Probleme im Jahresverlauf geringer werden.“ Ein bedeutendes Risiko für die Konjunktur wäre allerdings eine erneute Infektionswelle, die die Dynamik der deutschen Wirtschaft direkt oder indirekt über die wichtigsten Handelspartner abbremst.

Die positive Entwicklung sei der grundsätzlichen wirtschaftlichen Stärke zu verdanken, aber auch der erfolgreichen Stabilisierungspolitik. „Bund, Länder, EZB und EU haben sehr viel Geld eingesetzt, um die Krise zu mildern und irreparable Schäden zu verhindern. Aber das ist gut angelegtes Geld“, so Dullien. „Ohne einzelne Fehler leugnen zu wollen, über die man reden muss, hat die Wirtschaftspolitik bewiesen, dass sie mit schwierigen Krisen und Umbruchphasen umgehen kann. Daran sollten wir uns erinnern, wenn es um die anstehenden Herausforderungen geht, insbesondere durch den Klimawandel.“

Das IMK rät, die aktivere Fiskalpolitik beizubehalten. Denn in Deutschland bestehe weiterhin ein großer Bedarf, den in vielen Jahren entstandenen öffentlichen Investitionsstau aufzulösen. Der staatliche Schuldenstand sei im Zuge der Antikrisenpolitik zwar deutlich gestiegen, „aber unbestritten tragfähig“. Das öffentliche Budgetdefizit, gemessen am BIP, werde von 4,3 Prozent 2021 auf 1,4 Prozent im kommenden Jahr zurückgehen. Auch angesichts von absehbar weiterhin niedrigen Zinsen bleibe Spielraum für kreditfinanzierte Investitionsprogramme. Eine ambitionierte Transformationspolitik vergrößere „die Chance auf einen längeren kräftigen Investitionszyklus, der produktivitätssteigernd wirkt und gut bezahlte Arbeitsplätze schafft und erhält“, schreiben die Ökonomen.

Entwarnung bei den Lohnstückkosten

Die Lohnstückkosten der deutschen Wirtschaft werden in diesem und im kommenden Jahr deutlich sinken. Grund dafür ist laut IMK, dass mit der konjunkturellen Erholung die Produktivität wieder erheblich wächst. Die Ökonomen rechnen für 2021 mit einem Rückgang der Lohnstückkosten je Stunde um 2,1 Prozent und 2022 um weitere 1,2 Prozent. „Dass die Lohnstückkosten 2020 kräftig um vier Prozent im Jahresmittel angestiegen sind, ist eine Folge der erfolgreichen Beschäftigungssicherung in der Coronakrise. Es handelt sich also um ein Ausnahmephänomen, das sich im aktuellen Aufschwung wieder zurückbildet“, so Alexander Herzog-Stein, Arbeitsmarktexperte des IMK. Viele Daten zeigten, dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ungebrochen hoch ist.

Sebastian Dullien, Alexander Herzog-Stein, Peter Hohlfeld, Katja Rietzler, Sabine Stephan, Silke Tober, Sebastian Watzka: Mit Schwung aus der Coronakrise, Prognose-Update: Die konjunkturelle Lage zur Jahresmitte 2021, IMK-Report Nr. 169, Juni 2021

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