Weiterbildung: Aufklärung tut not
Viele Menschen sind an Weiterbildung interessiert, werden aber unzureichend über die Möglichkeiten informiert.
Viele wissen nicht, welche öffentlichen Weiterbildungsförderungen es in Deutschland gibt. So kennen rund zwei Drittel die Bildungszeitgesetze der Länder nicht. Das ergibt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie von Erziehungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern der Universität Gießen.
Das Forschungsteam hat in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Verian 3122 Menschen zwischen 18 und 67 Jahren in Deutschland befragt. Dabei ging es unter anderem darum, realistisch zu ermitteln, für welche Weiterbildungen sie sich interessieren würden oder nicht. Es zeigt sich, dass insbesondere Ältere und Menschen mit Migrationshintergrund stark interessiert sind und überwiegend positive Einstellungen zu Weiterbildungen haben.
„Unsere Ergebnisse machen deutlich, dass allgemein und zielgruppenspezifisch mehr Werbung für Weiterbildung gemacht werden müsste, und dies möglichst konkret und nicht nur per Online-Plattformen, Sonntagsreden oder Slogans“, erklärt Studienleiter Bernd Käpplinger. „Der persönliche Kontakt ist sehr wichtig, was nicht nur Bildungsberatung meint, sondern auch Präsenz in den jeweiligen Milieus.“
Ein weiteres Ergebnis: Die finanzielle Verantwortung für Weiterbildung sehen die Befragten insbesondere beim Arbeitgeber oder beim Staat. „Erwerbstätige Frauen nehmen fast doppelt so häufig wie Männer an individuell-berufsbezogenen Weiterbildungen teil, die sie dann aber zumeist auch selbst – und nicht durch den Betrieb – finanzieren müssen. Sie wünschen sich mehr staatliche Unterstützung sowie mehr Information und Beratung über die Möglichkeiten“, so Käpplinger. „Staatliches und betriebliches Handeln ist hier gefragt, wobei auch zu klären wäre, wie viele Menschen eine Weiterbildung nicht zahlen können – oder nicht dazu bereit sind.“
Bernd Käpplinger u. a.: Einstellungen zum Lebenslangen Lernen in der Bevölkerung – Sichtweisen auf Weiterbildung, Teilnahme an Weiterbildung, Working Paper der HBS-Forschungsförderung Nr. 392, Januar 2026