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Unternehmen: Steuergeschenke bringen kein Wachstum

Ausgabe 09/2021

Senkungen von Unternehmenssteuern haben keinerlei Einfluss auf das Wirtschaftswachstum. Das zeigt eine aktuelle Studie.

Mit Steuersenkungen die Wirtschaft ankurbeln – mit diesem Versprechen wird auch im aktuellen Bundestagswahlkampf wieder geworben. Was Steuernachlässe für Unternehmen gesamtwirtschaftlich wirklich bringen, hat IMK-Forscher Sebastian Gechert gemeinsam mit Philipp Heimberger vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche auf breiter Basis untersucht. Die Ökonomen haben die empirische Literatur zu diesem Thema – insgesamt 42 Studien mit 441 Schätzungen – ausgewertet. Das Ergebnis: Nennenswerte Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum sind nicht zu erwarten.

Die ausgewerteten Studien kämen zu widersprüchlichen Befunden, schreiben die Wissenschaftler. Zum Teil werde ein negativer Effekt von Unternehmenssteuern auf das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts festgestellt, zum Teil ein positiver, zum Teil gar keiner. Wenn man einfach den ungewichteten Durchschnitt der Ergebnisse als Maßstab nimmt, wirkt sich die Besteuerung von Unternehmenseinkommen moderat negativ aus. Eine Senkung des Steuersatzes um zehn Prozentpunkte würde demnach das jährliche Wirtschaftswachstum um 0,2 Prozentpunkte erhöhen.

Gechert und Heimberger geben allerdings zu bedenken, dass die Forschungsliteratur oft eine gewisse Unwucht aufweist, die mit der Logik von Publikationsprozessen zusammenhängt. So sei davon auszugehen, dass sowohl die Autoren als auch die Herausgeber von Fachzeitschriften eher dazu neigen, Studien mit statistisch signifikanten Ergebnissen zu veröffentlichen. Untersuchungen, die keine messbaren Effekte nachweisen können, hätten also geringere Chancen, publik zu werden. Zudem dürften diejenigen Studien bevorzugt werden, deren Befunde sich mit den vorherrschenden theoretischen Überlegungen decken.

Tatsächlich können die Ökonomen nachweisen, dass bei den ausgewerteten Studien die Verteilung der Ergebnisse nicht die Form aufweist, die statistisch bei einer unvoreingenommenen Auswahl zu erwarten wäre, dass der Stand der Forschung also verzerrt ist. Wenn man diese Verzerrung herausrechnet, bleibt selbst von dem geringfügigen Zusammenhang zwischen Unternehmenssteuern und Wachstum nichts übrig. Dabei haben Gechert und Heimberger auch analysiert, welche Faktoren die Unterschiede in den gemessenen Effekten erklären. Unter anderem kommen neuere Studien demnach eher zu dem Ergebnis, dass Unternehmenssteuersenkungen wenig bringen. Optimistischer fallen die Befunde dagegen aus, wenn mindestens einer der Autoren mit der OECD verbunden ist – einer Organisation, die sich regelmäßig für Entlastungen von Unternehmen ausgesprochen hat.

Als Fazit halten die Forscher fest, dass die große Rolle, die Unternehmenssteuern in der wirtschaftspolitischen Debatte spielen, übertrieben ist. Senkungen mögen den internationalen Steuerwettbewerb stimuliert haben, das Wachstum aber eher nicht.

Sebastian Gechert, Philipp Heimberger:  Do corporate tax cuts boost economic growth? IMK Working Paper Nr. 210, Mai 2021

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