Böckler Impuls Ausgabe 20/2017

Rente

Frauen im Alter arm dran

Bei der Altersversorgung haben Frauen das Nachsehen: Ihre Renten sind im Schnitt nur halb so hoch wie die der Männer.

Frauen im Alter arm dran

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Wie es um die Geschlechtergerechtigkeit im Ruhestand steht, zeigt eine aktuelle Auswertung des WSI-Gender-Daten-Portals. WSI-Forscherin Christina Klenner hat gemeinsam mit Alexandra Wagner und Peter Sopp vom Forschungsteam Internationaler Arbeitsmarkt in Berlin die Einkommen von Rentnern und Rentnerinnen verglichen. Ihrer Analyse zufolge schneiden Frauen bei allen drei Säulen der Alterssicherung schlechter ab als Männer.

Wenn man die Einkünfte aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente und privater Altersvorsorge zusammenrechnet, ergibt sich für das Jahr 2015 ein „Gender Pension Gap“ von 53 Prozent. Das heißt: Männer verfügen im Schnitt über mehr als doppelt so hohe Alterssicherungseinkommen wie Frauen. Im Westen fällt die Lücke mit 58 Prozent deutlich größer aus als im Osten mit 28 Prozent.

Die mit Abstand wichtigste Säule stellt der Studie zufolge die gesetzliche Rente dar. Deren Höhe betrug 2015 bei den Männern durchschnittlich 1154 Euro, bei den Frauen 634 Euro pro Monat – eine Differenz von 45 Prozent. Noch größer ist die Kluft bei den Betriebsrenten in der Privatwirtschaft: Hier liegen die Frauen mit 240 Euro knapp 60 Prozent gegenüber den Männern zurück, die auf 593 Euro kommen. Zudem haben nur 7 Prozent der Rentnerinnen überhaupt eigene Ansprüche aus der betrieblichen Altersversorgung, von den männlichen Ruheständlern immerhin 26 Prozent. Von der Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst profitieren 12 Prozent der weiblichen und 10 Prozent der männlichen Rentner. Laufende Leistungen aus der privaten Altersvorsorge beziehen 5 Prozent der Männer und 2 Prozent der Frauen, wobei Letztere mit durchschnittlich 311 Euro deutlich weniger ausgezahlt bekommen als die Männer mit 485 Euro.

Als Erklärung für die Rentenlücke verweisen die Experten auf die traditionelle Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern: Berufstätige Frauen nehmen häufiger Auszeiten für die Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen, arbeiten öfter in Teilzeit, werden im Schnitt schlechter bezahlt – und erwerben dementsprechend weniger Rentenansprüche.

Im Zeitverlauf sind der Analyse zufolge immerhin Fortschritte erkennbar: Der Abstand zu den Alterseinkommen der Männer nimmt von Jahr zu Jahr etwas ab, weil immer mehr Frauen erwerbstätig sind und Sorgearbeit mittlerweile zum Teil bei der gesetzlichen Rente honoriert wird. Allerdings wird die Differenz auch deshalb kleiner, weil die Alters­einkünfte der Männer tendenziell sinken. Bis zur wirklichen Gleichstellung ist es noch ein weiter Weg: Aus den Anwartschaften der aktuell Erwerbstätigen zwischen 25 und 65 Jahren ergibt sich bei der gesetzlichen Rente immer noch eine Lücke von 24 Prozent.

Quelle

Alexandra Wagner, Christina Klenner, Peter Sopp: Alterseinkommen von Frauen und Männern (pdf), WSI Report Nr. 38, Dezember 2017