Böckler Impuls Ausgabe 19/2017

Arbeitswelt

Narzissten im Chefsessel

Beschäftigte mit bestimmten Persönlichkeitsstörungen sind in Führungspositionen überrepräsentiert und kassieren im Schnitt höhere Löhne. Effizient ist das nicht.

Dass charakterliche Defekte beruflichem Erfolg durchaus zuträglich sein können, hat der amtierende US-Präsident nach Ansicht vieler Beobachter eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Dass er kein Einzelfall ist, legt eine Studie von Joanne Lindley vom King's College London nahe. Eine Reihe antisozialer Persönlichkeitsmerkmale erhöht demnach die Chance auf Beförderungen und hohes Einkommen.

Die Ökonomin hat sich mit der sogenannten dunklen Triade beschäftigt. In der Persönlichkeitsforschung werden unter diesem Begriff Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie zusammengefasst. Betroffene seien manipulativ, gefühllos, ausbeuterisch und unaufrichtig, so die Forscherin. Da Macht ihnen sehr wichtig ist, sei davon auszugehen, dass diese Personen im Berufsleben Führungsverantwortung anstreben – und den Betrieben durch ihr unsoziales Verhalten schaden.

Empirisch hat Lindley eine Online-Befragung von Studierenden sowie Daten zweier umfangreicher britischer Haushaltsbefragungen analysiert. Den Ergebnissen zufol­ge haben Arbeitnehmer mit hohen Werten auf der Narzissmus- oder Machiavellismus-Skala signifikant häufiger Managementpositionen inne, wenn man Faktoren wie Qualifikation, Alter, Geschlecht oder Wohnort herausrechnet. Menschen mit psychopathischen Zügen sind in den Bereichen Immobilienwirtschaft, Werbung und Unternehmensberatung überproportional vertreten. Beim Lohn schneiden Machiavellisten unabhängig von ihrer Leistungsfähigkeit besser ab als andere Beschäftigte. Die Autorin führt das darauf zurück, dass eine manipulative Persönlichkeit bei Gehaltsverhandlungen von Vorteil ist. Da die Lohnprämie keinen Zusammenhang mit der Produktivität aufweist, sei das ökonomisch ineffizient. 

Quelle

Joanne Lindley: Are There Unexplained Financial Rewards for the Snakes in Suits? British Journal of Industrial Relations, September 2017 (online/kostenpflichtig)