Böckler Impuls Ausgabe 14/2014

Vorstandsvergütung

Hohe Ausgaben für Manager-Renten

Die in DAX und MDAX notierten Unternehmen geben für die betriebliche Altersversorgung ihrer ehemaligen und aktiven Vorstände Millionen aus.

Vorstände sollen ihr Unternehmen nachhaltig voranbringen: Perspektiven für Beschäftigung und Standorte schaffen, im Einklang mit der Umwelt die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit verbessern. „Das ist die Messlatte, die die Mitbestimmung an die Arbeit von Top-Managern anlegt“, sagt Lasse Pütz, Mitbestimmungsexperte der Hans-Böckler-Stiftung. Daran müsse sich auch die Vergütung orientieren.

Ein erheblicher Teil der Bezahlung erfolgt in Form von Pensionszusagen. So haben etwa die 30 DAX-Unternehmen 2013 im Durchschnitt für jedes ihrer aktiven Vorstandsmitglieder etwa 500.000 Euro für die betriebliche Rente zurückgestellt. Das entsprach etwa 57 Prozent der Festbezüge, wie eine Auswertung des Vergütungsexperten Heinz Evers im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Die Frage ist, ob diese Art der – weitgehend leistungs- und erfolgsunabhängigen – Vergütung zu einer nachhaltigen Unternehmensführung passt.

Evers stellt immerhin einige positiv zu bewertende Veränderungen fest: Mit neu berufenen Vorständen werde heute oft ein geringeres Leistungsniveau vereinbart als bei Altvorständen. Schaut man auf die längerfristige Entwicklung der Vorstandspensionen, so sei zu konstatieren, dass der Aufwärtstrend der jüngeren Vergangenheit gebrochen ist. Heute würden die Ruhegelder zudem zunehmend als Teil der Gesamtvergütung wahrgenommen – und nicht als pauschale Zusatzleistung. Besonders bemerkenswert ist Evers zufolge, dass acht Unternehmen aus dem MDAX sowie der DAX-Konzern Beiersdorf die besondere betriebliche Altersvorsorge für Vorstände ganz abgeschafft haben.
Allerdings spricht der Experte von einer „anhaltenden Intransparenz der Versorgungsaufwendungen“. Und das, obwohl die Aufsichtsräte sich nach dem deutschen Corporate Governance Kodex seit 2013 verpflichtend mit diesem Thema beschäftigen müssen.

Lasse Pütz sieht Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten durch die neuesten Zahlen herausgefordert, in Zukunft noch stärker auf die Gesamtvergütung für Vorstände zu schauen, inklusive der Versorgungsbausteine für das Alter. Auch diese müssten so gestaltet sein, dass Vorstände belohnt würden, „die erkennbar den langfristigen Erfolg des Unternehmens mit Zukunftsperspektiven für Beschäftigung und Standorte im Auge haben und nicht nur das Wohl der Aktionäre des Unternehmens“. Oder solche, die Krisen ohne Beschäftigungsabbau durchgestanden haben. Zudem sollten die Versorgungsansprüche in einem angemessenen Verhältnis zu den Ansprüchen aller Mitarbeiter stehen. Großzügige pauschale Ruhegelder ohne Bezug zur längerfristigen Unternehmensentwicklung seien jedenfalls nicht mehr zeitgemäß.


Was Ex- Vorstände die Unternehmen kosten

Insgesamt 7,9 Millionen Euro hat das durchschnittliche DAX-Unternehmen 2013 an die früheren Mitglieder seines Vorstands gezahlt, so Vergütungsfachmann Heinz Evers. Damit gaben die Konzerne für die Renten ihrer einstigen Spitzenmanager noch einmal knapp 40 Prozent der Summe aus, die sie den aktiven Vorstandsmitgliedern überwiesen. Zusätzlich flossen pro Unternehmen im Schnitt 3,1 Millionen Euro in die Rückstellungen für das künftige Ruhegeld der heute aktiven Spitzenmanager – rund 500.000 Euro pro Person.

Erstmals liefert Evers’ Analyse auch Daten für die 47 mittelgroßen Konzerne, die im MDAX notiert sind: Sie wendeten im Durchschnitt 1,8 Millionen Euro für die Pensionszahlungen an ihre ehemaligen Vorstandmitglieder auf. Hinzu kamen 1,2 Millionen Euro, die ein durchschnittliches MDAX-Unternehmen allein 2013 für die künftigen Pensionen seiner aktiven Vorstandmitglieder zurücklegte.

Die Altersgrenzen für die Vorstandspensionen steigen nach der Auswertung seit einigen Jahren wieder an. Allerdings zahlen nach wie vor zwei Drittel der Firmen, bei denen sich das Pensionsalter erfassen ließ, ab 63 Jahren oder sogar schon früher.

Unterm Strich haben alle DAX- und MDAX-Konzerne aktuell 3,6 Milliarden Euro für die Renten ihrer ehemaligen Vorstände zurückgestellt. Für die aktiven Spitzenmanager summieren sich die Rückstellungen noch einmal auf 1,2 Milliarden Euro. Wie viel Geld ein Unternehmen insgesamt aufwenden muss, wird nicht nur von den Pensionssystemen bestimmt, sondern auch davon, wie viele frühere Spitzenmanager oder Hinterbliebene Renten erhalten. So haben große Traditionsunternehmen oder solche Unternehmen, die ihre Vorstände häufiger wechseln, entsprechend höhere Lasten.

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Quellen

Heinz Evers: Betriebliche Altersversorgung von Vorstandsmitgliedern in DAX- und M-DAX-Unternehmen (pdf), Auswertung im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung, September 2014


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