Böckler Impuls Ausgabe 06/2013

Arbeitsmarkt

Endstation Minijob

Besonders Ehefrauen erscheinen Minijobs als attraktive Möglichkeit, um vorübergehend Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Doch die Rückkehr in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist schwierig.

Mehr als zwei Drittel der ausschließlich geringfügig Beschäftigten sind Frauen, davon sind 84 Prozent verheiratet. Oberflächlich betrachtet haben sich viele Minijobberinnen aus freien Stücken für eine traditionelle Arbeitsteilung entschieden und sind damit auch zufrieden, zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von rund 2.000 Frauen mit Minijob-Erfahrung. Carsten Wippermann, Soziologie-Professor vom Delta-Institut für Sozial- und Ökologieforschung, hat im Auftrag des Bundesfamilienministeriums die Motive zu ergründen versucht, die besonders viele Gattinnen zum „Minijob pur“ greifen lassen.

Gut die Hälfte der Frauen hat einen Minijob nicht als Brücke in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angenommen, so Wippermann. „Es wäre politisch fahrlässig und ist für die Frauen fatal, daraus zu folgern, Minijobs würden, so wie sie sind, den Bedürfnissen der Mehrheit der Frauen entsprechen“, warnt der Wissenschaftler. Gerade weil der „Minijob pur“ als Brücke in den regulären Arbeitsmarkt kaum tauge, könnten Frauen im Falle von Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Tod des Gatten nur schwer ihre eigene Existenz oder gar die ihrer Familie sichern. „Leben verlaufen heute aber nicht geradlinig, sondern berufliche und private Brüche und Perforationen im Lebenslauf sind normal.“

Mit zunehmender Dauer im Minijob merken Frauen, dass sie nicht mehr als qualifizierte Fachkraft gelten. 44 Prozent der ehemaligen Minijobberinnen haben diesen Eindruck. So wird die Hürde zu einer regulären Teilzeit- oder Vollzeitstelle immer höher – „ein Programm zur Erzeugung lebenslanger ökonomischer Ohnmacht und Abhängigkeit von Frauen“, fasst Wippermann zusammen. Vieles spreche dafür, dass ohne die Privilegierungen der Minijobs – beitragsfreie Krankenversicherung über den Partner, Befreiung von Steuern und Sozialabgaben – Frauen im Minijob eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit gleicher oder leicht höherer Stundenzahl angenommen hätten. Dann ließen sich Arbeitszeit und Verdienst später leichter aufstocken.

Frauen reflektierten zu Beginn des „Minijobs pur“ zu wenig ihre weiteren Erwerbschancen und ihre eigenständige Alterssicherung, kritisiert der Soziologe. Es liege daher in der Verantwortung der Politik, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, damit Frauen Veränderungen in ihrem Lebenslauf möglichst gut bewältigen können. In ihrer jetzigen Form machten „die Anreizstrukturen des Minijobs indirekt die Ehe zu einem Risiko im Erwerbsverlauf von Frauen“.

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Quellen

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Frauen im Minijob – Motive und (Fehl-)Anreize für die Aufnahme geringfügiger Beschäftigung im Lebenslauf, Oktober 2012.


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