Forschungsprojekt: Beteiligungsimpuls: Echtzeit-Feedback zur KIS-Einführung

Beteiligungsimpuls: Partizipatives Echtzeit-Feedback für Beschäftigte in der Einführung von Krankenhausinformationssystemen

Projektziel

Viele deutsche Krankenhäuser müssen aktuell ihr Krankenhausinformationssystem (KIS) wechseln, und auch an der Charité steht diese Transformation bevor. Wie Beschäftigte die Beteiligung dabei erleben, wird bislang nicht laufend erfasst. Der Beteiligungspuls misst das Beteiligungserleben während der Einführung und bereitet es als Dashboard für Personalräte, Führungskräfte und Projektteam auf.

Projektbeschreibung

Kontext

Die deutsche Krankenhausversorgung steht in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Neben der Krankenhausreform zwingt der Auslauf weit verbreiteter Altsysteme zahlreiche Kliniken zum Wechsel ihres Krankenhausinformationssystems (KIS). An der Charité mit rund 25.000 Beschäftigten steht die Umstellung auf das KIS Epic bevor. Internationale Studien zeigen erhebliche, über Jahre anhaltende Auswirkungen auf Arbeitsbelastung und Arbeitszufriedenheit: In Dänemark waren fünf Jahre nach Go-live 32 % der Nutzenden unzufrieden, in Finnland hielten nur 9,3 % der Ärztinnen und Ärzte Epic für qualitätsverbessernd. Entscheidend für den Transformationserfolg ist, wie Beschäftigte die Beteiligung erleben und wann sie einbezogen werden. Bestehende Instrumente messen Veränderungsbereitschaft oder erfassen Partizipation aus Projektleitungsperspektive beziehungsweise erst nach Projektabschluss. Ein Werkzeug, das das subjektive Beteiligungserleben prozessbegleitend sichtbar macht, fehlt.

Fragestellung

Zentrales Anliegen: Wie erleben Beschäftigte Partizipation in der digitalen Transformation ihres Krankenhauses, und wie lassen sich Beteiligungsdefizite so sichtbar machen, dass Personalräte und Führungskräfte gezielt nachsteuern können?

1. Welche Dimensionen des Beteiligungserlebens sind für Beschäftigte in KIS-Transformationen relevant, und wie lassen sie sich in einem kurzen, alltagstauglichen Instrument operationalisieren?

2. Wie muss ein Echtzeit-Dashboard gestaltet sein, damit Personalräte und KIS-Projektteam Beteiligungsdefizite erkennen und konkrete Nachsteuerung begründen können?

3. Welche Gelingensbedingungen und Hürden zeigen sich bei der ko-produktiven Entwicklung und beim Einsatz des Instruments im laufenden Transformationsprozess?

Untersuchungsmethoden

Ko-produktiver Mixed-Methods-Ansatz in vier Arbeitspaketen über zehn Monate. Durchführung durch das inav – privates Institut für angewandte Versorgungsforschung in Abstimmung mit dem Charité-Team; die technische Umsetzung erfolgt datenschutzkonform in der Befragungsinfrastruktur der Charité.

AP1 (M1–M3): Narratives Review der internationalen Evidenz zum Beteiligungserleben und Ableitung von Items entlang des Stufenmodells der Partizipation.

AP2 (M3–M5): Aufbau einer Champions Group aus Beschäftigten, Personalräten, Gewerkschaftsvertreter*innen und KIS-Projektteam; ko-produktiver Workshop mit strukturierter Priorisierung, Konsenskriterium ist die Zustimmung aller Statusgruppen.

AP3 (M5–M7): Spezifikation und Umsetzung als kurze Befragung (10–15 Items, qualitatives Freitextfeld) samt Aggregations- und Anonymisierungsregeln, Nutzerrollen und Dashboard.

AP4 (M7–M10): 10–15 Think-Aloud-Interviews, zwei Revisionszyklen in der Champions Group, Übergabe in den Regelbetrieb.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Akira-Sebastian Poncette
Charité - Universitätsmedizin Berlin Institut für Medizinische Informatik

Bearbeitung

Dr. Franziska Püschner
inav GmbH privates Institut f. angewandte Versorgungsforsch

Juliane Schiller
inav GmbH privates Institut f. angewandte Versorgungsforsch

Kontakt

Dr. Manuela Maschke
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung