Forschungsprojekt: Ausbildungsqualität aus Sicht der Gen Z

Konzeption und empirische Erfassung aus Auszubildendensicht

Projektziel

Die duale Berufsausbildung steht unter Druck: Demographische Entwicklungen, Ausbildungsabbrüche und veränderte Erwartungen der Generation Z stellen ihre Attraktivität infrage. Das Projekt entwickelt erstmals ein empirisch fundiertes Modell von Ausbildungsqualität aus Sicht der Auszubildenden und überführt die Ergebnisse in digitale Instrumente zur Qualitätsentwicklung und Mitbestimmung.

Projektbeschreibung

Kontext

Die duale Berufsausbildung ist ein zentraler Pfeiler der Fachkräftesicherung in Deutschland, steht jedoch vor erheblichen Herausforderungen. Steigende Vertragslösungsquoten, unbesetzte Ausbildungsplätze und die Erwartungen der Generation Z an Mitbestimmung, digitale Lernformen und eine ausgewogene Lebensgestaltung verändern die Anforderungen an Ausbildungsqualität. Bisherige Qualitätsmodelle und Messinstrumente wurden überwiegend aus institutioneller Perspektive entwickelt und bilden die Sichtweisen von Auszubildenden nur unzureichend ab. Insbesondere aktuelle Themen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Remote Work, psychosoziales Wohlbefinden oder Partizipation und Beteiligungsmöglichkeiten finden bislang kaum Berücksichtigung. Gleichzeitig fehlen innovative Verfahren, um Ausbildungsqualität dynamisch, prozessnah und prospektiv zu erfassen. Hier setzt das Projekt an und entwickelt eine zeitgemäße, lernendenorientierte Konzeption und Messung von Ausbildungsqualität.

Fragestellung

Das Projekt untersucht, welche Merkmale guter Ausbildung aus Sicht heutiger Auszubildender zentral sind und wie diese wissenschaftlich fundiert erfasst werden können. Im Mittelpunkt stehen vier Fragen: (1) Welche Dimensionen von Ausbildungsqualität sind für die Generation Z besonders relevant und wie unterscheiden sie sich von bestehenden Modellen? (2) Lassen sich diese Merkmale in valide und ökonomische Messinstrumente überführen? (3) Welche betrieblichen und schulischen Bedingungen – etwa Partizipation, digitale Lernangebote oder psychosoziale Unterstützung – beeinflussen Kompetenzentwicklung, Wohlbefinden und Abbruchintentionen? (4) Wie können die entwickelten Instrumente genutzt werden, um Mitbestimmung und Qualitätsentwicklung in Ausbildung und Interessenvertretung nachhaltig zu stärken? Die gewonnenen Erkenntnisse werden in Form einer digitalen Toolbox sowie praxisnaher Unterstützungs- und Qualifizierungsangebote für die betriebliche Bildungsarbeit nutzbar gemacht.

Untersuchungsmethoden

Das Vorhaben folgt einem explorativen Mixed-Methods-Design. Zunächst werden in qualitativen Interviews mit Auszubildenden verschiedener Berufsgruppen zentrale Merkmale von Ausbildungsqualität induktiv erhoben. Auf dieser Grundlage werden Kurzskalen und digitale Erhebungsinstrumente entwickelt und in Zusammenarbeit mit Jugend- und Auszubildendenvertretungen weiterentwickelt. Anschließend erfolgt eine quantitative Validierung in einer Panelstudie mit rund 300 Auszubildenden. Mithilfe einer Qualitäts-Monitoring-App werden Ausbildungsqualität und zentrale Outcomes über sechs Monate wiederholt erfasst. Hierbei werden die Auszubildenden wiederholt im Alltag befragt – möglichst genau in dem Moment, in dem sie etwas erleben, statt erst Wochen oder Monate später darüber zu berichten (Experience-Sampling-Method - ESM). Die Daten werden mit modernen längsschnittlichen Analyseverfahren ausgewertet, um Entwicklungsverläufe, Einflussfaktoren und Wirkmechanismen sichtbar zu machen.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Martin Adam
Georg-August-Universität Göttingen

Prof. Dr. Viola Deutscher
Georg-August-Universität Göttingen
Wirtschaftspädagogik und dig. berufliches Lernen

Kontakt

Dr. Michaela Kuhnhenne
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung