Projektbeschreibung
Kontext
Eine stärker strategisch ausgerichtete Mitbestimmung wird seit Langem eingefordert. In der Praxis fehlen Betriebsräten jedoch häufig Herangehensweisen, Kompetenzen und Instrumente, um mögliche Veränderungen frühzeitig zu antizipieren und daraus eigene strategische Handlungsoptionen abzuleiten. Gerade bei Transformation, Restrukturierung oder Eigentümerwechseln besteht die Gefahr, erst dann zu reagieren, wenn wesentliche Entscheidungen bereits getroffen sind. Das Projekt nutzt den Szenarien-Ansatz in zwei Unternehmen mit unterschiedlichen Herausforderungen: bei einem Unternehmen der Batterietechnik, das infolge von Auftragseinbrüchen vor einem massiven Stellenabbau und der Herausforderung einer stärkeren Diversifizierung von Produkten und Kunden steht, sowie bei einer Niederlassung im Automobilhandel, die verkauft werden soll und deren künftige Ausrichtung (Geschäftsmodelle, Portfolio an Dienstleistungen) noch offen ist.
Fragestellung
Wie lässt sich der Anspruch einer Strategischen Mitbestimmung in der betrieblichen Praxis mit Methoden der strategischen Vorausschau verbinden? Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Betriebsräte den Szenarien-Ansatz nutzen können, um unter Bedingungen hoher Ungewissheit unterschiedliche, gleichermaßen plausible Entwicklungen vorauszudenken und sich auf diese vorzubereiten. Dabei interessiert insbesondere die Übersetzung von Antizipation in effektive Mitbestimmungspraxis: Wie können aus Szenarien strategische Handlungsfelder, Prioritäten und konkrete Optionen im Sinne der Beschäftigten abgeleitet werden? Und wie können sie genutzt werden, um Unternehmensstrategien kritisch zu prüfen und einen längerfristig orientierten Strategiedialog mit dem Management zu führen?
Anliegen ist es auch, zu überprüfen, inwieweit sich der Szenarien-Ansatz als Werkzeug strategischer Mitbestimmung auf unterschiedliche Branchen und Transformationssituationen übertragen lässt.
Untersuchungsmethoden
Methodischer Kern ist ein kompakter, an der sogenannten Shell-Methode orientierter Szenarienprozess. Gemeinsam mit Kernteams der beteiligten Betriebsräte und der zuständigen Geschäftsstelle der IG Metall werden zunächst Entwicklungen und Einflussfaktoren untersucht und kritische Schlüsselvariablen identifiziert, deren künftige Entwicklung zugleich besonders relevant und ungewiss ist. Daraus werden jeweils vier bis fünf alternative Szenarien für das zukünftige Handlungsumfeld entwickelt.
Die Szenarien werden anschließend als „strategischer Bezugsrahmen“ genutzt: Welche Herausforderungen ergeben sich jeweils für Unternehmen, Standorte und Beschäftigung? Welche der bestehenden Strategien erweisen sich auch unter veränderten Bedingungen als tragfähig? Welche alternativen Handlungsoptionen sollten frühzeitig vorbereitet werden? Daraus werden Handlungsfelder, Prioritäten und strategische Optionen für die Mitbestimmung abgeleitet und im Betriebsratsgremium reflektiert.