Forschungsprojekt: SBV next: Generative KI für Inklusion

Handlungspotenziale für Schwerbehindertenvertretungen im Betrieb

Projektziel

Das Projekt untersucht am Beispiel eines Maschinenbauunternehmens, wie Schwerbehindertenvertretungen (SBV) und betroffene Beschäftigte generative KI für mehr Teilhabe nutzen können. Im Fokus steht der Aufbau kollektiver digitaler Gestaltungskompetenzen, die technisches Wissen, Reflexionsfähigkeit und Mitgestaltungskompetenz verbinden.

Projektbeschreibung

Kontext

Algorithmische Systeme und insbesondere generative KI auf Basis großer Sprachmodelle verändern Arbeitsprozesse, Professionen und Ungleichheitsregime in Organisationen grundlegend und werfen die Frage auf, wie diese Technologien humanzentriert, teilhabe- und beschäftigungsorientiert gestaltet werden können. Bisherige makrosoziologische Analysen zeigen sowohl neue Rationalisierungspotenziale als auch erhebliche digitale Ungleichheitsrisiken für bestimmte Erwerbsgruppen, wenn der Einsatz generativer KI nicht durch Regulierung und Qualifizierung flankiert wird. Zugleich wird Sprachmodellen wie z.B. ChatGPT ein hohes inklusives Potenzial zugeschrieben, etwa als assistive Technologie, um visuelle oder kognitive Barrieren zu überwinden. Empirische betriebliche Erkenntnisse zu realen Entlastungs- und Aufwertungspotenzialen für schwerbehinderte Beschäftigte fehlen weitgehend.

Fragestellung

Das Projekt „SBV Next „ setzt hier an und untersucht am Beispiel eines Konzerns, über welche Handlungsressourcen Schwerbehindertenvertretungen (SBV) und von Schwerbehinderung betroffene Beschäftigte verfügen, um Teilhabepotenziale generativer KI im Betrieb zu erschließen. Im Zentrum steht der Aufbau kollektiver digitaler Gestaltungskompetenzen, verstanden als Kombination aus technischem Wissen (z. B. zur Nutzung von ChatGPT), kritischer Reflexionsfähigkeit, Wissen über teilhabebezogene Anwendungsfelder sowie kollektiver Motivation zur initiativen Mitgestaltung. Konkret soll untersucht werden, welche Erfahrungen und Qualifikationsniveaus SBVen und betroffene Beschäftigte im Umgang mit dem betrieblichen „ChatGPT“ besitzen, welche assistiven Nutzungsszenarien bereits bestehen, welche Zugangs-, Qualifizierungs- und Beschäftigungsrisiken sie wahrnehmen und welche Gestaltungs- und Qualifizierungsansätze aus ihrer Sicht notwendig sind, um Inklusionspotenziale zu realisieren.

Untersuchungsmethoden

Methodisch folgt das Vorhaben einem aktionsforschungsbasierten Ansatz mit den Phasen Sensibilisierung, Analyse, Gestaltung und Reflexion. In standortübergreifenden Auftaktveranstaltungen werden alle SBV-Gremien und schwerbehinderte Beschäftigte für das Thema sensibilisiert. In der Analysephase werden problemzentrierte Interviews mit SBV-Mitgliedern und betroffenen Beschäftigten zu Nutzungserfahrungen, Barrieren und Beschäftigungswirkungen des betrieblichen ChatGPT durchgeführt. Auf dieser Basis werden in Fokusgruppen-Workshops mit Teilhabeakteuren betriebliche Gestaltungsansätze für einen teilhabeorientierten KI-Einsatz entwickelt, die in einem Abschlussworkshop gemeinsam reflektiert und hinsichtlich des Aufbaus individueller und kollektiver Gestaltungskompetenzen bewertet werden. Die Ergebnisse des Projektes münden in ein Workshopkonzept, das SBVen und Betriebsratsgremien sowie gewerkschaftliche Akteure für die Sensibilisierung zum Thema generative KI und Teilhabe nutzen können.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Dr. Anja Gerlmaier
Universität Duisburg-Essen Institut Arbeit und Qualifikation IAQ

Kooperationspartner

Andree Jorgella
IG Metall IG Metall Geschäftsstelle Siegen

Natascha Sanddorf
IG Metall IG Metall Geschäftsstelle Siegen

Kontakt

Dr. Manuela Maschke
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung