Forschungsprojekt: Mitbestimmung lernen - Partizipation in der Pflegeausbildung

Politische Bildung und betribliche Mitbestimmung als Basis einer starken, zukunftsfähigen Pflege

Projektziel

Wie können Auszubildende in der Pflege wirksamer an betrieblichen Entscheidungen beteiligt werden? Vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel und Transformationsprozessen im Gesundheitswesen untersucht das Projekt, wie Auszubildende in betriebliche Mitbestimmungsprozesse eingebunden werden können. Ziel ist es, Beteiligungsstrukturen zu stärken und Ausbildungsbedingungen gemeinsam zu gestalten.

Projektbeschreibung

Kontext

Die Arbeitswelt im Gesundheitswesen steht unter starkem Veränderungsdruck. Fachkräftemangel, steigender Pflegebedarf und ökonomische Anforderungen beeinflussen auch die Bedingungen der praktischen Pflegeausbildung. Gesundheitseinrichtungen stehen vor der Herausforderung, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu binden. Auszubildende spielen dabei eine zentrale Rolle. Gleichzeitig sind die Ausbildungsbedingungen herausfordernd: die Praxisanleitung ist nicht immer ausreichend abgesichert, die Arbeitsbelastung ist hoch und strukturelle Probleme im Ausbildungsalltag bleiben oft lange unsichtbar. Obwohl Auszubildende diese Belastungen unmittelbar erleben, sind ihre Möglichkeiten, Erfahrungen und Interessen in betriebliche Entscheidungsprozesse einzubringen, bislang begrenzt. Das Projekt untersucht daher, wie Kommunikations- und Beteiligungsstrukturen zwischen Auszubildenden, Betriebsrät*innen sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen verbessert werden können.

Fragestellung

Das Projekt untersucht, wie Mitbestimmung in der Pflegeausbildung gestärkt werden kann und welche Bedingungen notwendig sind, damit Auszubildende ihre Interessen aktiv in betriebliche Entscheidungsprozesse einbringen können.

Im Zentrum stehen dabei folgende Fragen:

1. Wie funktionieren bestehende Mitbestimmungs- und Beteiligungsstrukturen in der Pflegeausbildung?

2. Welche Erfahrungen machen Auszubildende mit Kommunikation, Beteiligung und Mitbestimmung im Betrieb?

3. Welche institutionellen, kulturellen und organisatorischen Faktoren fördern oder behindern den Dialog zwischen Auszubildenden und Betriebsräten?

4. Welche Beteiligungsformate können entwickelt werden, um Auszubildende stärker in betriebliche Mitbestimmungsprozesse einzubinden?

Untersuchungsmethoden

Das Projekt folgt einem qualitativen Forschungsansatz und verbindet empirische Untersuchung mit der Entwicklung praxisnaher Beteiligungsformate. Im Mittelpunkt stehen Gruppendiskussionen mit Auszubildenden sowie leitfadengestützte Interviews mit Betriebsrät*innen in Gesundheitseinrichtungen. Dabei werden Erfahrungen mit Ausbildungsbedingungen, Arbeitsbelastung sowie Wahrnehmungen von Kommunikation und Mitbestimmung erfasst. Die Ergebnisse werden ausgewertet und miteinander in Beziehung gesetzt. Auf dieser Grundlage werden Beteiligungs- und Kommunikationsformate mit niedrigschwelligem Zugang zur Mitbestimmung entwickelt sowie Handlungsempfehlungen für Betriebsrät*innen und Jugend- und Auszubildendenvertretungen erarbeitet. Darüber hinaus liefert das Projekt Impulse für eine demokratieorientierte Weiterentwicklung der Pflegeausbildung, stärkt Ansätze zur Fachkräftebindung und zeigt Möglichkeiten auf, Mitbestimmung und Demokratielernen substanzieller in die Ausbildung zu integrieren.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Heidrun Herzberg
Brandenburgische Technische Universität Cottbus-S. Fakultät 4 für Soziale Arbeit, Gesundheit u. Musik
Bildungswis. und Berufspäd. in Gesundheitsberufen

Bearbeitung

Felix Lüttge
Evangelische Hochschule Berlin
Gesundheit/Pflege - Berufspädagogik

Dr. Jana Werner
BTU Cottbus Fakultät 4 / Institut für Gesundheit
Fachgebiet Bildungswissenschaften

Kooperationspartner

Ivo Garbe
ver.di - Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Berlin-Brandenburg

Kontakt

Dr. Manuela Maschke
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung