Forschungsprojekt: KI-Chat Bot für Betriebsräte in der M+E BaWü - KIERA

KI-Chat Bot für Betriebsräte entwickeln am Beispiel des ERA-Tarifvertrages Baden-Württemberg

Projektziel

KIERA entwickelt und erprobt einen KI-Assistenten für Betriebsräte in der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg. Die Anwendung erfasst Tätigkeitsinformationen strukturiert, erstellt Niveaubeschreibungen und leitet begründete Vorschläge zur ERA-Eingruppierung ab. Damit unterstützt sie den Erhalt tariflichen Erfahrungswissens und transparente Bewertungsprozesse.

Projektbeschreibung

Kontext

Die Metall- und Elektroindustrie Baden-Württembergs befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Neue Technologien, veränderte Wertschöpfungsstrukturen und betriebliche Reorganisationen verändern Arbeitsaufgaben, Zuständigkeiten und Anforderungsprofile. Dadurch müssen bestehende Eingruppierungen überprüft und neue Tätigkeiten sachgerecht beschrieben werden. Zugleich scheiden zunehmend Betriebsratsmitglieder aus, die die Einführung des Entgeltrahmenabkommens (ERA) begleitet und über Jahre praktisches Bewertungswissen aufgebaut haben. In vielen Betrieben fehlen aktuelle oder hinreichend aussagekräftige Tätigkeits- und Niveaubeschreibungen. Damit wächst der Bedarf an Werkzeugen, die tarifliches Erfahrungswissen sichern, die strukturierte Erfassung veränderter Arbeit unterstützen und die Anwendung des ERA auch für weniger erfahrene Betriebsräte nachvollziehbar machen.

Fragestellung

Im Zentrum des Vorhabens steht die Frage, wie ein KI-Assistent Betriebsräte bei der Beschreibung und Bewertung von Tätigkeiten nach ERA fachlich fundiert unterstützen kann, ohne ihre Prüfungs- und Entscheidungskompetenz zu ersetzen. Untersucht wird, wie sich Angaben zu Arbeitsaufgaben vollständig und strukturiert erfassen, zu belastbaren Niveaubeschreibungen verdichten und den tariflichen Merkmalen nachvollziehbar zuordnen lassen. Darüber hinaus betrachtet das Projekt, wie Erfahrungswissen in Betriebsratsgremien gesichert und weitergegeben werden kann, welche Formen der Mensch-KI-Interaktion den Arbeitsprozess sinnvoll unterstützen und wie KI-generierte Vorschläge transparent und fachlich prüfbar gestaltet werden müssen. Einbezogen werden zudem Anforderungen an Datenschutz, menschliche Aufsicht, organisatorische Verantwortlichkeiten und die Weiterentwicklung von ERA-Qualifizierungsangeboten.

Untersuchungsmethoden

Das methodische Vorgehen verbindet Prozessanalyse, nutzungsorientierte Gestaltung, technische Entwicklung und praxisnahe Erprobung. Zunächst wurde der Ablauf von der Beschreibung einer Arbeitsaufgabe bis zur ERA-Eingruppierung analysiert. Darauf aufbauend entstanden User Flows und Varianten der Mensch-KI-Interaktion. Tarifliche Niveaubeispiele und betriebliche Beschreibungen wurden fachlich aufbereitet und als Wissensgrundlage für Sprachmodelle genutzt. Anschließend wurde iterativ ein webbasierter Demonstrator entwickelt. Er erfasst Rahmendaten und Tätigkeitsinhalte strukturiert, stellt Rückfragen, erzeugt Niveaubeschreibungen und begründete Vorschläge zu ERA-Merkmalen und Merkmalsstufen. Die Projektpartner prüften Zwischenstände anhand typischer Tätigkeitsbeschreibungen aus tariflicher, arbeitswissenschaftlicher und bildungsbezogener Perspektive. Ergänzend wurden Transparenz, Datenschutz, menschliche Kontrolle und rechtliche Rahmenbedingungen untersucht.

Darstellung der Ergebnisse

Im Projekt wurde ein lauffähiger Demonstrator entwickelt, der den ERA-Prozess von der strukturierten Erfassung einer Arbeitsaufgabe bis zu einem begründeten Eingruppierungsvorschlag unterstützt. Die Webanwendung verbindet einen nachvollziehbaren Ablauf mit flexibler KI-Unterstützung: Sie erkennt fehlende oder widersprüchliche Angaben, unterstützt bei Formulierungen, erstellt Tätigkeits- beziehungsweise Niveaubeschreibungen und schlägt begründete Zuordnungen zu ERA-Merkmalen und Merkmalsstufen vor. Angaben, Zwischenschritte und Begründungen bleiben prüf- und korrigierbar. Die Erprobung bestätigt die technische Machbarkeit und den praktischen Unterstützungsbedarf. Zugleich zeigt sie, dass belastbare Vorschläge strukturierte Informationen, fachliche Validierung und menschliche Kontrolle erfordern. KIERA kann damit tarifliches Erfahrungswissen sichern, weniger erfahrene Betriebsräte orientieren und eine transparente Arbeitsgrundlage schaffen. Die Lösung wird für einen ersten produktiven Pilotbetrieb weiterentwickelt. Im Fokus stehen Ergebnisqualität, Datenschutz, Verantwortlichkeiten, rechtliche Einordnung und ein tragfähiges Betriebsmodell.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

David Blank
Fraunhofer Institut Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO)
Team Interaction Design and Technologies

Bearbeitung

Christian Knecht
Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V.

Walter Mugler
IMU Institut GmbH

Simon Schumich
IMU Institut GmbH
Abt. Betriebswirtschaft

Bettina Seibold
IMU Institut GmbH

Kooperationspartner

Nicolas Bauer
IG Metall IG Metall Baden-Württemberg

Christopher Dreher
IG Metall IG Metall Ulm

Bildungskooperation in Baden e.V.

Kontakt

Dr. Manuela Maschke
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung