Projektbeschreibung
Kontext
Die Betriebsratswahlen 2026 finden in einem Umfeld multipler Krisen und Transformationen statt. Insbesondere industrielle Kernsektoren wie die Automobilbranche sind stark von Restrukturierungen, Kostensenkungsprogrammen, Stellenabbau oder Standortschließungen betroffen. In den Belegschaften führt dies zu Verunsicherung. Unzufriedenheiten könnten sich an der Wahlurne äußern. Gleichzeitig gibt es in einigen boomenden Branchen nicht selten Behinderungen der Arbeit von Betriebsräten. Auch dies beeinflusst womöglich die Betriebsratswahlen.
Fragestellung
Das Projekt untersucht, wie unter den gegebenen Bedingungen Betriebsratswahlkämpfe geführt werden und was daraus zu lernen ist, um betriebliche Mitbestimmung zu sichern und zu stärken. Insbesondere geht es um die Beantwortung folgender Fragen:
Welche Kandidat*innen und Listen treten zur Wahl an? Welche Beschäftigtengruppen und politische Positionen repräsentieren sie?
Welche Themen, welche Interessen und Probleme welcher Beschäftigtengruppen und welche betrieblichen Konflikte werden in den Wahlkämpfen virulent? Inwiefern verbinden sich dabei betriebliche mit gesellschaftlichen Themen?
Welche Medien und Vorgehensweisen kommen in den Wahlkämpfen zur Anwendung? Welche Ansprachekonzepte tragen zu einem erfolgreichen Wahlkampf bei?
Untersuchungsmethoden
Das Projekt analysiert drei Betriebsratswahlen.
Expertengespräche mit Schlüsselpersonen (Betriebsrat, Gewerkschaft, evtl. auch Management) der ersten Erhebungsphase dienen dazu, die betriebs-, branchen- und gewerkschaftsspezifischen Kontextbedingungen zu klären sowie die jeweiligen Konstellationen und Besonderheiten der anstehenden Betriebsratswahlen zu ermitteln.
Die Phase der Wahlkampf-Begleitung umfasst pro Fall neben einzelnen teilnehmenden Beobachtungen, z.B. von Betriebsversammlungen, etwa fünf Interviews mit Aktiven. Diese werden zu ihren Wahlkampfaktivitäten und -strategien, den dabei auftretenden Schwierigkeiten und Herausforderungen sowie den von ihnen genutzten Medien und Ansprachekonzepten befragt.
Nach der Wahl werden die Ergebnisse der Wahlkampf- und Wahlanalyse an die Praxispartner*innen zurückgespielt, um einen wechselseitigen Lernprozess von Wissenschaft und Praxis anzustoßen.