Forschungsprojekt: Neue Arbeitszeitmodelle für sichere Beschäftigung

Neue Arbeitszeitmodelle als Instrument der Beschäftigungssicherung in der Transformation. Das Beispiel ZF Friedrichshafen

Projektziel

Das Projekt untersucht, ob Arbeitszeitverkürzung dazu beitragen kann, transformationsbedingte Beschäftigungsreduzierung abzufedern. Dieser Fragestellung wird am Beispiel eines Automobilzulieferers nachgegangen. Es soll geklärt werden, ob praktizierte Arbeitszeitmodelle ausreichen, um den Herausforderungen zu begegnen, oder ob es zusätzlicher Instrumente bedarf.

Projektbeschreibung

Kontext

Die Transformation der globalen Automobilindustrie stellt den Standort vor erhebliche Herausforderungen und führt bereits jetzt zu einer volatileren, von stärkeren Schwankungen und Unsicherheiten geprägten Marktsituation. Dies geht mit geringeren Losgrößen und damit sinkenden Skaleneffekten einher, was die Produktionskosten erhöht.

Eine zentrale Reaktion von Standortleitung und Betriebsrat ist die Arbeitszeitgestaltung. Der Standort befindet sich derzeit in der zweiten Phase einer Arbeitszeitabsenkung auf 32,5 Stunden, die im Februar 2026 endet und in eine dritte Phase bis Ende 2027 übergeht. Um diesen Zeitraum bestmöglich zu gestalten, sind drei Dimensionen wesentlich: Erstens sollen die Einkommensverluste der Beschäftigten möglichst geringgehalten werden. Zweitens sollen individuelle Zeitbedürfnisse so weit wie möglich berücksichtigt werden. Drittens gilt es, betrieblichen Flexibilitäts- und Produktivitätsanforderungen Rechnung zu tragen.

Fragestellung

Das Projekt verfolgt ein klar anwendungsorientiertes Ziel, indem es die am Standort eingeführten Arbeitszeitmodelle systematisch evaluiert und gemeinsam mit den betrieblichen Akteuren weiterentwickelt. Ziel ist es, belastbare empirische Erkenntnisse darüber zu gewinnen, inwieweit Arbeitszeitverkürzung und begleitende arbeitszeitpolitische Instrumente geeignet sind, transformationsbedingte Volatilitäten der Auslastung sozial abzufedern, Einkommenseinbußen zu begrenzen und zugleich betriebliche Flexibilitätsanforderungen zu erfüllen.

Die zentrale Frage des Projekts ist dabei, ob die bestehenden Arbeitszeitinstrumente hierfür ausreichen, oder ob – und gegebenenfalls welche – zusätzlichen Instrumente von den betrieblichen Akteuren entwickelt werden müssen.

Untersuchungsmethoden

Das methodische Design des Forschungsprojekts fußt auf drei Säulen:

1. Eine Dokumentenanalyse in Form einer Evaluation bestehender Arbeitszeitregelungen, die durch vertiefende Experteninterviews ergänzt wird.

2. Einer quantitativen Befragung eines möglichst großen Teils der Belegschaft, um die Zufriedenheit mit der bestehenden Arbeitszeitsystematik sowie individuelle Arbeitszeitpräferenzen (Stundenzahl, Lage der Arbeitszeit) zu erheben.

3. 15 qualitativen, vertiefenden und explorierenden Interviews: In semistrukturierten Interviews mit Beschäftigten am Standort sollen sowohl die Erfahrungen der Beschäftigten mit den bereits etablierten arbeitszeitpolitischen Instrumenten als auch weitergehende Arbeitszeitwünsche und operative Gestaltungsanforderungen vertieft erhoben werden.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Dr. Johannes Schulten
IMU-Institut Berlin GmbH

Bearbeitung

Oliver Thünken
IMU-Institut Berlin GmbH

Kooperationspartner

Thomas Höhn
IG Metall Schweinfurt

Kontakt

Dr. Manuela Maschke
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung