Forschungsprojekt: GEGRO- Industriepolitische Großprojekte

GEGRO - Gewerkschaftliche Potenziale und Herausforderungen bei industriepolitischen Großprojekten in Ostdeutschland

Projektziel

Das Projekt untersucht Einstellungen der Bevölkerung zu Gewerkschaften und Betriebsrät*innen im Kontext industrieller Großansiedlungen in Sachsen-Anhalt. Analysiert wird, welche Rolle den Mitbestimmungsakteuren in gesellschaftlichen Transformationsprozessen zugeschrieben wird und welche Potenziale und Herausforderungen sich für ihre Praxis ergeben.

Projektbeschreibung

Kontext

Sachsen-Anhalt steht prototypisch für die Hoffnungen und Brüche des ostdeutschen Strukturwandels. Gescheiterte frühere Ansiedlungen und der Rückzug von Intel 2025 verdeutlichen die Fragilität industriepolitischer Großprojekte, die zugleich als zentrale Entwicklungsimpulse gelten. Mit neuen, kleineren Investoren bleibt die Logik industrieller Ansiedlungen sowohl aktuell als auch vermutlich für die Zukunft bestehen. Ähnliche Projekte in Ostdeutschland (u. a. Tesla, TSMC, Infineon) zeigen, dass solche Vorhaben demokratische Aushandlungsprozesse belasten und starke Interessenvertretungen erfordern. Gewerkschaften und Betriebsrät*innen können zu regionalen Mitgestaltern solcher Transformationsprozesse werden, wenn sie Erwartungen und Deutungen lokaler Bevölkerungsgruppen verstehen. Hier setzt das Forschungsvorhaben an und fragt, welche Rolle die Bevölkerung Mitbestimmungsakteuren im Kontext von Großansiedlungen zuschreibt und welche Potenziale und Herausforderungen sich daraus ergeben.

Fragestellung

Mit der vorliegenden Studie sollen folgende Fragenkomplexe beantwortet werden:

1) Welche Rolle schreibt die Bevölkerung den Gewerkschaften und Betriebsrät*innen bei Großansiedlungen in Sachsen-Anhalt zu – und welche Erwartungen sind damit verbunden?

2) Inwiefern kommt den Gewerkschaften und Betriebsrät*innen eine womöglich neue Relevanz zu und wie wird ihr Einfluss auf industriepolitische Entscheidungen eingeschätzt?

3) Welche Bevölkerungsteile sehen die Gewerkschaften und Betriebsrät*innen als legitime Interessenvertretung – und welche nicht?

Untersuchungsmethoden

Methodisch wird ein partizipatives Mixed-Methods-Design umgesetzt, das qualitative und quantitative Daten integriert. Vorgesehen sind zehn Expert*inneninterviews mit Interessenvertreter*innen sowie vier Fokusgruppen (zwei mit Betriebsrät*innen und Gewerkschaftsmitgliedern – zwei mit Nicht-Mitgliedern) zur Rolle von Mitbestimmungsakteuren und Gewerkschaften in Ostdeutschland im Kontext industriepolitischer Großprojekte. Ergänzend wird eine im weitesten Sinne bevölkerungsrepräsentative Befragung (N = 1.000) in Sachsen-Anhalt realisiert. Die standardisierten Daten werden mittels explorativer Faktoren- und Clusteranalysen ausgewertet und sozialräumlich verortet. Die qualitativen Daten erschließen die zugrunde liegenden Sinn- und Deutungsmuster. Beide Datensätze sollen nach Abschluss der Analysen für die Forschung zugänglich gemacht werden.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Heike Ohlbrecht
Otto-von-Guericke Universität Magdeburg Institut für Soziologie (ISOZ)
Lehrstuhl Allgemeine Soziologie/Mikrosoziologie

Bearbeitung

Christopher Grobys
Otto-von-Guericke Universität Magdeburg Institut für Soziologie (ISOZ)
Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie und Mikrosozio

Kooperationspartner

Thorsten Gröger
IG Metall Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt

Susanne Wiedemeyer
DGB Bezirk Niedersachsen - Bremen - Sachsen-Anhalt

Kontakt

Dr. Manuela Maschke
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung