Forschungsprojekt: Transformation gestalten. Neue Berufsperspektiven für Frauen

Regionale Transformation für alle gestalten – Neue berufliche Perspektiven für Frauen am Beispiel des DZA

Projektziel

Das Projekt beleuchtet am Beispiel des Deutschen Zentrums für Astrophysik (DZA), wie es dem Institut und perspektivisch anderen Einrichtungen in der Lausitz und darüber hinaus gelingen kann, neue berufliche Perspektiven, vor allem für Frauen zu schaffen und ihnen gute Entwicklungsperspektiven in den Einrichtungen selbst und in der jeweiligen Region zu bieten.

Veröffentlichungen

Noack, Anika, Anna Dunkl und Andreas Otto, 2026. Geschlechtergerechte Fachkräftesicherung im Strukturwandel. Gewinnung, Bindung und Entwicklung von Frauen im Mint-Bereich am Beispiel des Deutschen Zentrums für Astrophysik, Working Paper Forschungsförderung 423, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 42 Seiten.

Noack, Anika und Florian Langguth, 2026. Endbericht: Regionale Transformation für alle gestalten. Neue berufliche Perspektiven für Frauen am Beispiel des DZA, Darmstadt: SPRINT - wissenschaftliche Politikberatung, 15 Seiten.

Noack, Anika, Anna Dunkl und Andreas Otto, 2026. Praxisorientierte Arbeitshilfe. Projekt „Regionale Transformation für alle gestalten. Neue berufliche Perspektiven für Frauen am Beispiel des Deutschen Zentrums für Astrophysik (Trafo*NOVA)“, Berlin: SPRINT - wissenschaftliche Politikberatung, 107 Seiten.

Projektbeschreibung

Kontext

Die Lausitz steigt aus der Kohle aus und plant zugleich die Dekarbonisierung der Energiewirtschaft. Damit ist ein umfassender Wandlungsprozess verbunden, denn traditionelle Industriearbeitsplätze entfallen und einige Menschen sehen ihre kulturelle Identität infrage gestellt. Auf der anderen Seite entstehen neue Jobs durch Strukturstärkungsimpulse in der Region. Allein der Bund plant dort mehr als 2.700 Stellen in eigenen Behörden und wissenschaftlichen Einrichtungen zu schaffen. Neue, hochkarätige Forschungseinrichtungen, wie das Deutsche Zentrum für Astrophysik (DZA), siedeln sich in der strukturschwachen Region an. Diese Einrichtungen stehen nun vor der Herausforderung, qualifiziertes Personal zu gewinnen und berufliche Perspektiven zu schaffen – und das in einer Region, die über Jahrzehnte von der Abwanderung vor allem junger und gut ausgebildeter Frauen geprägt war.

Fragestellung

Das Projekt will Antworten auf zentrale Fragen liefern und kurzfristige Maßnahmen für das DZA ableiten:

1) Wie kann das Recruiting gestaltet werden, um Frauen für das DZA zu gewinnen?

2) Welche Anreize muss das DZA schaffen, um Frauen in verschiedenen Funktionen und Ebenen als Arbeitskräfte zu halten und weiterzuentwickeln?

3) Welche Role Models und Mentoring-Angebote eignen sich für einen MINT-Kontext?

4) Wie lassen sich attraktive Arbeitsbedingungen in der Betriebskultur verankern, die in besonderer Weise Frauen ansprechen?

Mit dem Projekt sollen zudem mittel- bis langfristige Impulse für eine gendersensible und gleichberechtigte Organisations- und Leitungskultur im DZA gesetzt werden. Ähnliche Herausforderungen bestehen auch in vielen Betrieben und Kommunen der Region:

5) Wie können Personalaufbau und -entwicklung im DZA mit bestehenden Initiativen der Lausitz verknüpft werden?

6) Welche regionalen Voraussetzungen braucht es, um qualifizierte Frauen in der Lausitz zu halten?

Untersuchungsmethoden

Für die Beantwortung der Fragen und die Entwicklung praxisnaher Maßnahmen am DZA wird ein Mixed-Method-Ansatz genutzt. Den Auftakt bildet ein Strategieworkshop zu zentralen Aspekten gendersensibler Personalgewinnung und Organisationskultur, basierend auf aktuellen Forschungsbefunden zu Frauen in MINT-Berufen und zu Zuzugs- und Bleibeperspektiven in Transformationsregionen. Anschließend folgt eine Fokusgruppe mit ca. 6 Mitarbeiterinnen des DZA, in der Erfahrungen im Einstellungsprozess, Entwicklungs- und Vereinbarkeitsziele sowie und die regionale Bindung thematisiert werden. Eine Onlinebefragung aller Beschäftigten erweitert und überprüft diese Erkenntnisse, da Personalmaßnahmen besonders wirksam sind, wenn sie geschlechtsunabhängig gute Arbeitsbedingungen stärken. Die Ergebnisse werden in einer Projektwerkstatt diskutiert und fließen in eine praxisorientierte Arbeitshilfe ein, die strategische Instrumente und Maßnahmen für das DZA bündelt und daraus weiterführende Ableitungen trifft.

Darstellung der Ergebnisse

Das Projekt Trafo*NOVA untersuchte am Beispiel des DZA die Verbindung von Strukturwandel, Fachkräftesicherung und Gleichstellung in einer frühen Aufbauphase. Diese eröffnet besondere Gestaltungsspielräume für Organisationskultur, Führung und Gleichstellungsstrategien. Die entwickelten Maßnahmen – etwa diversitätssensible Rekrutierung, familienfreundliche Karrierewege, inklusive Führung und die Sichtbarmachung von Role Models – zielen darauf ab, strukturelle Barrieren abzubauen und Frauen stärker in Netzwerke und Entscheidungsprozesse einzubinden. Gerade in Transformationsregionen wie der Lausitz ist dies zentral für eine nachhaltige Fachkräftesicherung. Zentrale lessons learned sind: Frühphasen bieten ein günstiges Zeitfenster für die Verankerung von Gleichstellung. Eine positive und dynamische Organisationskultur allein reicht jedoch nicht aus, sondern muss durch verbindliche Strukturen ergänzt werden. Zudem ist Fachkräftesicherung untrennbar mit regionalen Rahmenbedingungen verknüpft und erfordert Kooperationen über Organisationsgrenzen hinweg. Gleichstellung sollte daher konsequent als strategischer Bestandteil von Innovations- und Regionalpolitik verstanden werden.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Dr. Florian Langguth
SPRINT- wissenschaftliche Politikberatung PartG

Bearbeitung

Anna Dunkl
Deutsches Zentrum für Astrophysik

Dr. Anika Noack
SPRINT- wissenschaftliche Politikberatung PartG

Dr. Andreas Otto
Deutsches Zentrum für Astrophysik

Kathrin Treffkorn
Revierwende Gewerkschaften Gestalten Strukturwandel

Kooperationspartner

Daniel Herold
ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Bezirk Sachsen West-Ost-Süd

Markus Schlimbach
DGB Deutscher Gewerkschaftsbund Bezirk Sachsen

Kontakt

Dr. Manuela Maschke
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung