Forschungsprojekt: Eine neue Betriebsrats-Wahlforschung im Zeichen von Rechtspopulismus und Transformation

Projektziel

Das Projekt erschließt mit der Entwicklung einer Betriebsrats-Wahlforschung ein neues Feld der sozialwissenschaftlichen Grundlagenforschung. Es untersucht, wie die industrielle Transformation betriebliche Ungleichheiten, politische Einstellungen und das Betriebsrats-Wahlverhalten prägt. Dabei wird analysiert, ob daraus ein „rechter Betriebspopulismus“ und neue Demokratiekonflikte entstehen.

Projektbeschreibung

Kontext

Betriebsratswahlen sind ein zentrales Element demokratischer Mitbestimmung in der Arbeitswelt und eine tragende Säule politischer Partizipation von Beschäftigten. Umso erstaunlicher ist, dass sie kaum empirisch erforscht wurden. Gerade in Zeiten arbeitsweltlicher Umbrüche und gesellschaftlicher Polarisierung gewinnt ihre Analyse an Bedeutung. Entwicklungen wie industrielle Transformation und der Aufstieg des Rechtspopulismus dürften sich zunehmend im Wahlverhalten der Beschäftigten widerspiegeln. Damit stellen sich Fragen nach dem Verhältnis von Transformationsbetroffenheit und der Stratifizierung industrieller Bürgerrechte, sozialer Ungleichheit und demokratischer Teilhabe im Betrieb sowie nach der betriebs- und gesellschaftspolitischen Orientierung der Beschäftigten. Hier setzt das Forschungsprojekt an: Es entwickelt erstmals eine empirische Betriebsrats-Wahlforschung, da Wahl- und Demokratieforschung bislang vor allem makropolitische Wahlen betrachten.

Fragestellung

Das Projekt untersucht, wie tiefgreifende Transformationsprozesse die soziale Struktur von Betrieben und die Verteilung industrieller Bürgerrechte verändern und welche Folgen dies für Mitbestimmung und Repräsentation hat. Im Fokus steht, ob neue Status- und Ungleichheitslagen zwischen Beschäftigtengruppen entstehen und wie sich diese auf politische Einstellungen und Wahlverhalten auswirken. Besonders relevant ist die Frage, ob sich in Betrieben ein neuer Demokratiekonflikt abzeichnet, in dem rechte Strömungen (etwa Zentrum) zunehmend an Einfluss gewinnen und ihre Mandate in Betriebsräten ausbauen. Das Projekt fragt, inwiefern Transformationsbetroffenheit, soziale Desintegration und politische Polarisierung den Aufstieg eines „rechten Betriebspopulismus“ begünstigen. Untersucht wird schließlich, wie sich das Wahlverhalten bei Betriebsratswahlen zum Bundestagswahlverhalten verhält.

Untersuchungsmethoden

Das Projekt folgt einem Mixed-Methods-Ansatz mit industriesoziologischen Fallstudien in zwei Transformationsbetrieben der Automobilindustrie. Beide Unternehmen durchlaufen ähnliche Transformationsprozesse, unterscheiden sich jedoch in ihren kulturellen Pfadlogiken industrieller Beziehungen und zeigen erste Anzeichen eines „rechten Betriebspopulismus“. Das Forschungsdesign ermöglicht eine multiperspektivische Analyse der Zusammenhänge zwischen Transformationsbetroffenheit, betrieblicher Sozialstruktur, politischen Einstellungen und Wahlverhalten der Beschäftigten. Es kombiniert drei Erhebungsschritte: 1. Experteninterviews mit Betriebsräten und Gewerkschaften, 2. eine quantitative Nachwahlbefragung der Beschäftigten (Vollerhebung) zur Erhebung sozialstruktureller Merkmale, des Wahlverhaltens (BR-Wahl u. Bundestagswahl) und der Wahrnehmung von Repräsentation und Mitbestimmung sowie 3. problemzentrierte Leitfadeninterviews mit Beschäftigten zur Vertiefung und Triangulation der Ergebnisse.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Ulrich Brinkmann
Technische Universität Darmstadt

Kontakt

Dr. Manuela Maschke
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung