Forschungsprojekt: Mobile Berufsausbildung

Arbeitsorganisation, Kompetenzentwicklung und berufliche Sozialisation

Projektziel

Das Projekt generiert empirische Erkenntnisse über berufs(feld)spezifische Merkmale mobiler Ausbildung in drei Branchen. Angesichts der Unwägbarkeit künftiger beruflicher Qualifikations- und Kompetenzanforderungen und der sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Berufsausbildung gibt das Projekt Aufschluss über die organisationalen Strukturen sowie die subjektiv erlebte Ausbildungsrealität.

Projektbeschreibung

Kontext

Mobile Berufsausbildung umfasst das lernortunabhängige und lernortübergreifende Bearbeiten betrieblicher Aufgaben zum Erwerb der beruflichen Handlungsfähigkeit. Unter den Bedingungen der digitalen Transformation ist bisher allerdings nicht expliziert, welche Herausforderungen genau mobiles Arbeiten an die berufliche Erstausbildung stellt und welche Folgen sich daraus für die Auszubildenden ergeben. Weil angesichts dieser Entwicklungen der Betrieb als tradierter und bisher dominanter Lernort in Präsenz an Bedeutung verliert, stellt die mobile Berufsausbildung veränderte Anforderungen an die betriebliche Ausbildungsorganisation und erfordert die Etablierung neuer Lehr-Lernkonzepte. Zudem sind die Auszubildenden mit neuen beruflichen Orientierungs- und Lernleistungen konfrontiert, die – so eine Ausgangsthese des Projekts – Einfluss auf deren berufliche Sozialisation, ihr Selbstverständnis und die berufliche Identitätsentwicklung (individuell und kollektiv) haben.

Fragestellung

Mit dem Projekt werden empirische Erkenntnisse über die organisationalen Strukturen der mobilen Berufsausbildung sowie die individuellen Erfahrungen, Haltungen und Bewertungen (Deutungsmuster) von Personen gewonnen, die in kaufmännisch-verwaltenden und in gewerblich-technischen Berufen mobil ausgebildet werden.

Folgende Fragestellungen bilden die Grundlage für das forschungsmethodische Vorgehen:

 Welche allgemeinen Herausforderungen stellt die mobile Berufsausbildung an die Betriebe und das Berufsbildungspersonal?

 Mit welchen neuen Lernanforderungen und beruflichen Orientierungsleistungen sehen sich Auszubildende konfrontiert?

 Welche Lernstrategien und -praktiken lassen sich (individuell und kollektiv) identifizieren?

 Welche Muster beruflicher Sozialisation und Identitätsentwicklung lassen sich unter den Bedingungen von mobilem Arbeiten in der Berufsausbildung identifizieren?

Untersuchungsmethoden

Das Projektdesign folgt dem Ansatz der berufswissenschaftlichen Forschung und ist zweistufig angelegt: In der Explorationsphase werden mittels Sektoranalyse branchenspezifische Entwicklungen (Chemie; Dienstleistungen; Metall- und Elektro) und relevante Ausbildungsberufe identifiziert. In der Vertiefungsphase werden auf der Basis von Betriebsfallstudien die Organisationsstrukturen mobilen Arbeitens und Lernens in der dualen Ausbildung (qualitative Online-Interviews mit dem Berufsbildungspersonal; N=12) sowie die Subjektperspektive der Auszubildenden (qualitative Online-Interviews; N=18) erhoben. Die Ergebnisse der qualitativen Erhebungen werden anschließend im Rahmen einer betriebsübergreifend angelegten quantitativen Online-Befragung der genannten Zielgruppen überprüft und validiert. Darüber hinaus ist die Durchführung von mindestens einer online geführten Gruppendiskussion zur kommunikativen Validierung mit Akteur:innen der betrieblichen Mitbestimmung (v. a. JAV) geplant.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Rita Meyer
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover Institut f. Berufspädagogik und Erwachsenenbildung
Philosophische Fakultät

Prof. Dr. Jana Wienberg
University of Labour

Prof. Dr. Maren Baumhauer
Technische Universität Hamburg Berufliche Bildung und Digitalisierung

Bearbeitung

Johanna Faller
Technische Universität Hamburg Berufliche Bildung und Digitalisierung

Calvin Bartels
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover

Charlotte Blücher
University of Labour

Kontakt

Dr. Michaela Kuhnhenne
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung