Forschungsprojekt: Diskurskompass in der betrieblichen Mitbestimmung

Adressatengerechte Kommunikationsstrategien in der betrieblichen Mitbestimmung im Arbeits- und Konfliktfeld Krankenhaus

Projektziel

Das Projekt verfolgt das Ziel, die strategische Kommunikationsfähigkeit und Diskurskompetenz von Beschäftigten in der betrieblichen Mitbestimmung im Krankenhauswesen zu stärken. Betriebliche Interessenvertretungen sollen dabei unterstützt werden, in einem krisenanfälligen Handlungsfeld unter komplexen rechtlichen sowie diskursiven Rahmenbedingungen sichtbar und wirksam zu kommunizieren

Projektbeschreibung

Kontext

Ökonomischer Druck, Personalknappheit, Digitalisierung und anhaltende Tarifkonflikte haben zu tiefgreifenden Umbrüchen im Krankenhauswesen geführt. Das prägt Arbeitsbedingungen und Mitbestimmungspraxis nachhaltig. Gleichzeitig sind tarifliche und gesetzliche Regelwerke zunehmend komplex und für Beschäftigte schwer nachvollziehbar. Personal- und Betriebsräte stehen vor der Herausforderung, Interessen zu vertreten, Transparenz herzustellen und zwischen KollegInnen, Arbeitgebern, Öffentlichkeit, Politik und Medien zu vermitteln – häufig mit begrenzten zeitlichen und kommunikativen Ressourcen. Hier setzt der Diskurskompass an mit einer Methodenverzahnung aus Diskursanalyse und partizipativer Bildungsarbeit.

Fragestellung

Im Mittelpunkt des Projekts steht die Frage, wie komplexe tarifliche Regelungen, betriebliche Konflikte und unterschiedliche Erwartungshaltungen im Krankenhauswesen gegenüber den unterschiedlichen Adressatengruppen verständlich und nachvollziehbar vermittelt werden können. So wird untersucht, wie Interessenvertretungen ihre Rolle zwischen rechtlichen Vorgaben, organisationalen Hierarchien und erschöpften Belegschaften kommunikativ ausfüllen können. Analysiert werden zudem sprachliche, mediale und organisatorische Hürden, die eine wirksame Kommunikation erschweren, etwa Fachsprache, Zeitmangel, widersprüchliche Zuständigkeiten oder fragmentierte Öffentlichkeiten. Zugleich fragt das Projekt danach, welche diskursiven und strategischen Kommunikationsformen geeignet sind, Sichtbarkeit herzustellen, Beteiligung zu fördern, Vertrauen aufzubauen und die Handlungsfähigkeit betrieblicher Mitbestimmung nachhaltig zu stärken.

Untersuchungsmethoden

Der Diskurskompass verbindet wissenschaftliche Diskursanalyse mit praxisnaher, partizipativer Bildungsarbeit. Ausgangspunkt sind konkrete Kommunikations- und Konfliktsituationen aus dem Krankenhausalltag. In Fortbildungsformaten reflektieren Personal- und Betriebsräte ihre Kommunikationspraxis, erproben diskursstrategische Werkzeuge und entwickeln standortspezifische Kommunikationsansätze. Begleitend werden qualitative Daten aus Workshops, Materialien und Fallbeispielen erhoben, um typische Diskursmuster, Herausforderungen und erfolgreiche Strategien systematisch auszuwerten. Diese Methodenverzahnung ermöglicht sowohl unmittelbaren Praxisnutzen als auch eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für weiterführende Forschung.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Friedemann Vogel
Universität Siegen
Germanistik - Linguistik: Sozio- und Diskursling.

Kooperationspartner

Susanne Hille
ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Bundesverwaltung
Bundesfachgruppe Versicherungen

Kontakt

Dr. Manuela Maschke
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung