Forschungsprojekt: Erinnerung und Solidarität. Das Verhältnis des DGB, der IGM

Projektziel

Das Forschungsprojekt untersucht das Verhältnis des DGB, der IGM und der ÖTV zu Israel und dem israelischen Gewerkschaftsverband Histadrut von der Staatsgründung 1948 bis in die jüngste Gegenwart. Die Beziehungen der (west-)deutschen Gewerkschaftsbewegung waren und sind bei allen Differenzen von einer Solidarität zum jüdischen Staat und besonders zur israelischen Arbeiterbewegung geprägt.

Projektbeschreibung

Kontext

Der DGB baute frühzeitig Austauschprogramme mit Israel auf und schloss Kooperationsabkommen ab. Er spielte ebenso eine Rolle beim Aufbau der staatlichen Beziehungen der Bundesrepublik zu Israel 1965. Zugleich war er der erste nichtjüdische Verband in der Bundesrepublik mit einem jüdischen Vorsitzenden, Ludwig Rosenberg. Wegen des Nahostkonflikts und der sich verändernden Verhältnisse in Israel unterlagen die Beziehungen gewissen Schwankungen, änderten sich aber nicht grundlegend. Dabei sollen neben dem Dachverband die großen Mitgliedsgewerkschaften IG Metall und die ÖTV untersucht werden.

Angesichts der Situation nach dem Massaker der Hamas am 7.Oktober 2023 und den daraufhin einsetzenden Entwicklungen ist die Thematik von besonderer Relevanz für die gewerkschaftliche Erinnerungspolitik. Das Forschungsprojekt möchte dazu beitragen, die emotional aufgeladene Diskussion auf eine historisch informierte und damit sachlichere Ebene zu stellen.

Fragestellung

- Wie entwickelten sich die Beziehungen zwischen dem DGB und den Mitgliedsgewerkschaften zu ihren israelischen Partnerorganisationen seit der Gründung Israels 1948?

- Welche Rolle spielten dabei der Umgang der Gewerkschaften mit dem Nationalsozialismus und die eigene Verfolgungsgeschichte vieler deutscher Gewerkschafter:innen?

- Welchen Einfluss hatten die gewerkschaftlichen Initiativen in den verschiedenen Phasen auf die offizielle Politik der Bundesrepublik gegenüber Israel?

- Wie schlug sich die Situation in Israel und dem Nahen Osten auf das Verhältnis der westdeutschen Gewerkschaften zum jüdischen Staat nieder?

Diese Fragen lassen sich nur beantworten, wenn die Situation in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus miteinbezogen wird, da die ersten Kontakte zu israelischen Gewerkschafter:innen auf Bekanntschaften in der deutschen Arbeiterbewegung der 1920er Jahre zurückgingen. Insofern stellen ihre Geschichte und der Umgang mit der NS-Vergangenheit die Folie dar, um das V

Untersuchungsmethoden

Da es sich um ein historisches Forschungsprojekt handelt, wird primär mit Archivquellen, Nachlässen und Zeitschriften/Zeitungen gearbeitet. Des Weiteren werden die bisherigen Forschungen zu den jeweiligen Einzelaspekten und die vorhandene Sekundärliteratur ausgewertet.

Die zentralen Quellen zum DGB, der IG Metall und der ÖTV liegen im Archiv der sozialen Demokratie (AdsD) in Bonn. Relevant für das Projekt darüber hinaus die Nachlässe von Gewerkschaftern wie Ludwig Rosenberg, Otto Brenner, Heinz Kluncker, Walter Hesselbach und Siegfried Aufhäuser. Ebenso werden die Bestände des Ver.di-Archivs in Berlin gesichtet. Außerdem sollen die relevanten Archivalien des Bundesarchivs in Koblenz für die staatliche und die diplomatisch-politische Ebene zwischen der Bundesrepublik und Israel eingesehen werden.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Dr. Sebastian Voigt
Institut für Zeitgeschichte München-Berlin

Kontakt

Dr. Michaela Kuhnhenne
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung