Projektbeschreibung
Kontext
Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und der sozial-ökologischen und digitalen Transformation ist es wichtig, allen Beschäftigten passende Qualifizierungsmöglichkeiten zu bieten. Qualifizierungsangebote sind oft nach dem Ideal des Vollzeitarbeitenden gestaltet. Teilzeitarbeitende nehmen seltener an Qualifizierungen teil als Beschäftigte in Vollzeit. Um Bildungsangebote zugänglicher zu gestaltet, waren die Mitbestimmungsakteure im Unternehmen an einer Bedarfserhebung und neuen Lernkonzepten interessiert. Dieses Projekt zielte daher darauf ab, beispielhaft neue Qualifizierungsmodelle für Frauen in Teilzeit zu entwickeln.
Fragestellung
Beabsichtigt war, passende zeitliche und örtliche Rahmenbedingungen von Qualifizierungen für Frauen in Teilzeit zu identifizieren, um für diese Zielgruppe neue Schulungsmodelle zu entwickeln. Zudem wurden die Karrierechancen und die Vereinbarkeit von Karriere und Teilzeit analysiert. Es ergaben sich begleitende Fragestellungen: Wie sehen die derzeitigen Qualifizierungsformate aus? Wie beurteilen die Frauen in Teilzeit diese Formate, die Strukturen im Unternehmen und die Beschäftigungsmöglichkeiten nach der Qualifizierung? Welche Qualifizierungsformate wünschen sie sich? Wie können diese Wünsche umgesetzt werden? Außerdem wurde ein Leitfaden entwickelt, der das methodische Vorgehen für Betriebsräte und Personalabteilungen schrittweise darstellt, um ein solches Projekt zur Förderung von Teilzeitkräften im Unternehmen umzusetzen.
Untersuchungsmethoden
Die Zielgruppe waren qualifizierte Frauen (mind. dreijährige Berufsausbildung), hochqualifizierte Frauen (mind. Bachelor-Abschluss) und weibliche Führungskräfte in Teilzeit. Zunächst wurde die Teilnahme von Männern und Frauen an den Qualifizierungsangeboten im letzten Jahr analysiert. Anschließend wurden Interviews mit mehreren Frauen in Teilzeit und eine Umfrage unter der Zielgruppe durchgeführt, um einen Eindruck von der Situation bezüglich der Teilnahme an Qualifizierung und den Karrierechancen von Teilzeitkräften zu erhalten. In einer Zukunftswerkstatt entwickelten mehrere Frauen in Teilzeit Ideen für die Karriereförderung von Teilzeitkräften sowie passende Qualifizierungsmodelle. In einem anschließenden Design Thinking Workshop wurden Maßnahmen zur praktischen Umsetzung der Ideen beschlossen. Die Ergebnisse mündeten schließlich in eine Veröffentlichung und einen Leitfaden.
Darstellung der Ergebnisse
Dieses Projekt zeigte auf, wie komplex Teilzeitbeschäftigung ist. Die Sorgearbeit bzw. die Teilzeitbeschäftigung beeinflusst das Weiterbildungsverhalten von Frauen und Männern. Das Geschlecht wird erst in Verbindung mit der Teilzeit ein Faktor für die Teilnahme an Qualifizierungen. Qualifizierungen sollten an die verschiedenen Teilzeit-Volumina angepasst, in unterschiedlichen Modellen angeboten werden und einen Mix aus Unterricht und Selbstlernphasen beinhalten. Die Mehrheit der befragten Frauen in Teilzeit sieht Karrierechancen mit einer Teilzeitbeschäftigung nicht vereinbar. Mit speziellem Coaching von Frauen in Teilzeit, Schulungen für Führungskräfte zum Umgang mit Teilzeitbeschäftigten, Jobsharing etc. könnten Unternehmen teilzeitfreundlicher werden und Karrierechancen von Teilzeitbeschäftigten fördern.