Forschungsprojekt: Automobilzulieferer in der Transformation

Sozialpartnerschaftliche Impulse für regionale Industriestandorte

Projektziel

Mit der Dekarbonisierung des Antriebs und der Neugestaltung der Software und Elektronik im Fahrzeug stehen Automobilzulieferer vor enormen Herausforderungen. Sie müssen neue Produkte und Kompetenzen erschließen, um langfristig stabile Zukunftsaussichten für Unternehmen und Beschäftigte zu schaffen. Im Projekt wurden die Sozialpartner in zwei Automobilzulieferern auf diesem Weg begleitet.

Veröffentlichungen

Melzer, Fabienne, 1, 2026. Aufbruch ins All, Magazin Mitbestimmung, 01.02.2026,S. 36-38, [online] https://www.boeckler.de/de/magazin-mitbestimmung-2744-aufbruch-ins-all-74587.htm.

Dinkel, Marcel Jan, 2025. Satelliten statt Stoßdämpfer. Die Schweinfurter Maschinen- und Automobilzulieferer stehen unter Druck und müssen neue Geschäftsfelder erschließen. Warum das Weltall Potenziale bieten könnte, Rhön - u. Saalepost, 02.06.2025, [online] https://www.ps.landaumedia.de/5da47fe0646e7225a47748e4/683d2143916208a2c1cd7f4a/1/article_13.html, zuletzt abgerufen am 03.06.2025.

Schweinfurt, IG Metall, 2025. Projekt RegioTrans-MR führt Potenzialanalyse zur Raumfahrt durch. Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung erhält die Raumfahrt den Status einer Schlüsseltechnologie. Doch hat die Raumfahrt auch das Potenzial sich zu einem attraktiven Geschäftsfeld für etablierte Industrien zu entwickeln und Industriearbeitsplätze in der Region langfristig zu sichern?, [online] https://schweinfurt.igmetall.de/aktuell/projekt-regiotrans-mr-fuehrt-potenzialanalyse-zur-raumfahr?swt_fli=1, zuletzt abgerufen am 03.06.2025.

Ritter, Tobias, Norbert Huchler und Alexander Ziegler, 2025. Endbericht: RegioTrans-MR – Die Transformation der Industrieregion Main-Rhön gestalten. Verbund aus zwei Betriebsfallstudien und einer Regionalstudie, München: Institut für sozialwissenschaftliche Forschung e.V., 35 Seiten.

Steigerwald, Fabian, 2024. Regionalstudie zum Wandel der Industrie in Schweinfurt startet – ein Schritt in die richtige Richtung, In: Mainfranken Aktuell, 19.12.2024, [online] https://www.tvmainfranken.de/mediathek/video/regionalstudie-zum-wandel-der-industrie-in-schweinfurt-startet-ein-schritt-in-die-richtige-richtung/, zuletzt abgerufen am 10.01.2025Schweinfurth.

Schweinfurt, IG Metall, 2024. Gemeinsam gestalten statt nur beschreiben, [online] https://schweinfurt.igmetall.de/aktuell/gemeinsam-gestalten-statt-nur-beschreiben?swt_fli=1, zuletzt abgerufen am 10.01.2025Schweinfurt: IG Metall Schweinfurt, 1 Seiten.

Dinkel, Marcel, 2024, 2024. Hilfe für die Industrie in Main-Rhön: IG Metall kündigt Regionalstudie zur Standortsicherheit in Schweinfurt an. Die IG Metall plant eine Regionalstudie zur Zukunft der Industriearbeit in Schweinfurt. Welche konkreten Ziele sie verfolgt und was erste Ergebnisse daraus verraten, Mainpost, 20.12.2024.

Projektbeschreibung

Kontext

Die Zukunftsperspektiven für Unternehmen und Beschäftigte der Automobilindustrie sind hochgradig ungewiss. Insbesondere Systemzulieferer, die häufig das Bindeglied zwischen OEM und spezialisierten KMU in den Industrieregionen bilden, stehen unter einem enormen Veränderungsdruck. Sie müssen bei unsicherem Markthochlauf in Produkte für alternative Antriebe investieren und ihre Wertschöpfung mit Software und Elektronik weiterentwickeln, während gleichzeitig die OEM versuchen, ihre Wertschöpfungsanteile zu erhöhen und neue Wettbewerber aus Tech-Branchen in den Markt eintreten. Gelingt es den Systemzulieferern nicht, Zukunftsfelder zu erschließen und ihre Position in der sich verändernden Wertschöpfungsstruktur zu behaupten, steht viel auf dem Spiel. Für die Industrieregionen, in denen sie angesiedelt sind, droht dann nicht nur kurzfristig Beschäftigungsabbau, sondern langfristig die Schließung ganzer Standorte mit weitreichenden Folgen auch für die regionale Dienstleistungswirtschaft.

Fragestellung

Bei der Erschließung von Zukunftsprodukten stehen die betrieblichen Akteure an den Standorten großer Automobilzulieferer vor besonderen Herausforderungen. Ihre Handlungsspielräume werden nicht nur durch Entscheidungen ihrer Kunden, sondern als Teil von Konzernverbünden auch durch Konzernstrategien beeinflusst. In dieser Konstellation gilt es nach kreativen Wegen zu suchen, wie die Sozialpartner an den Standorten gemeinsam mit den Akteuren der Regionalpolitik Gestaltungsimpulse setzen können, um eine nachhaltige Zukunftsentwicklung sicherzustellen. Ziel des Projekts war es, die Mitbestimmungsakteure in zwei Referenzunternehmen dabei zu unterstützen. Im Mittelpunkt standen die Fragestellungen:

1) Welche betrieblichen und regionalen Maßnahmen können ergriffen werden, um die Standorte von Automobilzulieferern angesichts der Transformation der Branche zukunftsfähig aufzustellen?

2) Wie können Mitbestimmungsakteure und Beschäftigte dabei zu aktiven Gestaltern der Transformation werden?

Untersuchungsmethoden

Die Fragen wurden im Rahmen des praxisorientierten Projekts an den Standorten zweier Systemzulieferer in der Industrieregion Main-Rhön untersucht. Statt Zukunftsfelder zu erschließen, werden dort derzeit Arbeitsplätze abgebaut und sie drohen künftig auch bei der Ansiedlung von Zukunftsprodukten in Feldern wie E-Mobilität und Fahrzeugsoftware leer auszugehen. Bisher fehlte es an geeigneten betrieblichen und regionalen Maßnahmen, um neue Kompetenzfelder zu erschließen und nachhaltige Zukunftsprodukte an die Standorte zu holen. Ziel war es, relevante Handlungsfelder für Zukunftsprodukte zu bestimmen und gemeinsame Maßnahmen auf betrieblicher und regionaler Ebene zu erarbeiten. Dazu verfolgte das Vorhaben ein dreistufiges iteratives Vorgehen, das Branchenanalysen, Betriebsfallstudien und die Durchführung sozialpartnerschaftlicher Zukunftsworkshops an den Standorten umfasste. Damit sollte sichergestellt werden, dass den Praxispartnern zeitnah handlungsrelevante Zwischenergebnisse vorliegen.

Darstellung der Ergebnisse

Im Projekt konnten zentrale betriebliche und regionale Handlungsfelder identifiziert werden, um Standorte von Automobilzulieferern unter den Bedingungen der Antriebs-, Software- und Elektroniktransformation zukunftsfähig aufzustellen. Auf Basis von Betriebsfallstudien und sozialpartnerschaftlichen Zukunftsworkshops wurden konkrete Ansatzpunkte zur Erschließung neuer Kompetenzfelder, zur strategischen Weiterentwicklung von Produkten sowie zur stärkeren Einbindung regionaler Ressourcen erarbeitet.

Ein zentrales Ergebnis besteht darin, dass betriebliche Gestaltungsoptionen deutlich erweitert werden können, wenn sie systematisch mit regionalen Akteuren, industriepolitischen Instrumenten und Innovationsnetzwerken verzahnt werden. Das Projekt zeigte zudem, wie Mitbestimmungsakteure trotz begrenzter konzernstrategischer Spielräume aktiv Impulse für Zukunftsinvestitionen und neue Geschäftsfelder setzen können. Die Ergebnisse flossen in übergreifende regionale Handlungsfelder ein und bildeten eine wichtige Grundlage.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Dr. Alexander Ziegler
ISF München

Kooperationspartner

Thomas Höhn
IG Metall Schweinfurt

Jens Knüttel
IG Metall Schweinfurt

Kontakt

Dr. Manuela Maschke
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung