Prüfung der Entgeltgleichheit im Betrieb und Digitalisierung


Forschungsschwerpunkt:

Status: Laufend

Projektende: 31.08.2021

Projektnummer: 2020-985-9

Projektziel:

Anhand exemplarischer Betriebsuntersuchungen werden Zusammenhänge zwischen Digitalisierung, Arbeitsbewertung und Prüfung der Entgeltgleichheit von Frauen und Männern untersucht. Welche Prüfverfahren nutzen Betriebe bisher und warum? Welche neuen Tätigkeitsanforderungen entstehen durch Digitalisierung? Wie müssen Verfahren zur Prüfung der Entgeltgleichheit daran angepasst werden?

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Aufgrund der Geschlechtersegregation auf dem Arbeitsmarkt sind Frauen- und Männerberufe unterschiedlich von Digitalisierungsprozessen betroffen. Inwiefern durch veränderte Organisationsprinzipien oder veränderte berufliche Anforderungen bestehende Geschlechterungleichheiten reduziert werden können, ist noch offen. Dies gilt insbesondere auch für den Gender Pay Gap. Wenn kulturelle Muster der Wertschätzung von Tätigkeiten entlang von Geschlechterstereotypen weiterhin Bestand haben, kann die Veränderung der Arbeiten durch Digitalisierung neue Gefahren der Devaluation weiblich dominierter Tätigkeiten mit sich bringen.

Die Prüfung der Entgeltgleichheit im Betrieb wird vom Entgelttransparenzgesetz verlangt, in der Wahl der Verfahren sind die Betriebe frei. Neue Arbeitsanforderungen, etwa durch Digitalisierung, zu erfassen, erfordert adäquate Verfahren zur Prüfung der Entgeltgleichheit und ein Wissen darüber, wie sich Tätigkeitsanforderungen durch Digitalisierungsprozesse verändern.

2. Fragestellung

Das Projekt nimmt Zusammenhänge zwischen Digitalisierung, Arbeitsbewertung und Prüfungen der Entgeltgleichheit im Betrieb in den Blick. Es werden Handlungsstrategien und Erfahrungen von Betriebsräten mit der Anwendung von betrieblichen Verfahren zur Überprüfung und Herstellung von Entgeltgleichheit sowie notwendige Anpassungen der Prüfverfahren durch Veränderungen von Tätigkeiten im Zuge der Digitalisierung untersucht.

Folgende Forschungsfragen stehen im Vordergrund:

1. Warum und wie haben Betriebe Prüfungen auf Entgeltgleichheit von Frauen und Männern durchgeführt? Inwiefern sind die gewählten Verfahren geeignet, geschlechtsbezogene Entgeltungleichheit, die durch Devaluation weiblicher Arbeit zustande kommt, aufzudecken?

2. Wie verändern sich im Zuge der Digitalisierung Anforderungen an die Beschäftigten und die von ihnen geleistete Arbeit? Inwiefern erfordert die Arbeit neue Kompetenzen, die in der bisherigen Arbeitsbewertung nicht berücksichtigt werden?

3. Untersuchungsmethoden

Es werden Dokumente analysiert und Interviews mit gewerkschaftlichen Expert*innen durchgeführt. Außerdem werden empirische Untersuchungen in zwei Betrieben, je einer im Organisationsbereich der IG Metall und der Gewerkschaft NGG, durchgeführt.

Für die Untersuchung der Erfahrungen mit betrieblichen Prüfungen der Entgeltgleichheit werden in den ausgewählten Betrieben Interviews mit Mitgliedern des Betriebsrates geführt. Ergänzend sind einschlägige Tarifverträge, Eingruppierungsrichtlinien, Funktionsbeschreibungen und andere betriebliche Dokumente auszuwerten.

Um geänderte Tätigkeitsanforderungen und daraufhin notwendige Anpassungen der Prüfverfahren zu identifizieren, werden Beschäftigte an Arbeitsplätzen beobachtet und hinsichtlich ihrer (gewandelten) Tätigkeitsanforderungen auch mit Hilfe von Tools aus dem eg-check-Verfahren befragt. Ergänzend werden qualitative Interviews mit Betriebsratsmitgliedern, Personalverantwortlichen und Führungskräften geführt.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Dr. Andrea Jochmann-Döll

GEFA Forschung und Beratung

jochmann-doell@gefa-forschung-beratung.de

Dr. Christina Klenner

INES Institut für empirische Sozialforschung

cklenner@ines-berlin.de

Dr. Alexandra Scheele-Baer

Universität Bielefeld Fakultät für Soziologie

alexandra.scheele@uni-bielefeld.de

Kontakt:

Dr. Elisabeth Botsch

Hans-Böckler-Stiftung Büro Berlin

Forschungsstelle „Arbeit der Zukunft“

Elisabeth-Botsch@boeckler.de

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