Digitale Tools und Interessenorganisation im globalen Süden


Forschungsschwerpunkt: Erwerbsarbeit

Status: Laufend

Projektende: 31.03.2022

Projektnummer: 2019-499-3

Projektziel:

Das Projekt untersucht die Folgen digitaler Beteiligungs- und Kommunikationstechnologien in globalen Wertschöpfungsketten für Arbeiter*innen im Globalen Süden. Vergleichende Fallstudien in den Kaffee- und Bekleidungsindustrien in Indien und Brasilien analysieren dabei insbesondere neue Möglichkeiten und Wege der Mobilisierung, Organisierung und Teilhabe.

Weitere Informationen:

Dieses Projekt gehört zum Forschungsverbund „Die Ökonomie der Zukunft“.

http://www.boeckler.de/de/die-okonomie-der-zukunft-18476.htm

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Die Digitalisierung betrifft bereits heute Kernaspekte des Lieferkettenmanagements und verändert dabei auch Verfahren der transnationalen Regulierung von Arbeitsbedingungen. Nichtregierungsorganisationen, Sozialunternehmen oder Beratungsfirmen nutzen und erstellen neue Kommunikationsplattformen und Partizipationskanäle für Arbeiter*innen, Gewerkschaften und Aktivist*innen, wie etwa Smartphone-basierte ‚Worker Voice Tools‘. Diese und andere digitale Technologien sollen bestehende Probleme des Monitorings und der Beteiligung von Arbeiter*innen adressieren und Arbeitsbedingungen verbessern. Bisher besteht vielfach Hoffnung in die Potentiale digitaler Technologien, aber mindestens ebenso große Skepsis und die Befürchtung einer wachsenden Kontrolle von Unternehmen. Allerdings sind bisher die Potenziale und Risiken weitgehend unerforscht.

2. Fragestellung

Das Projekt bearbeitet drei Fragenkomplexe:

1.) Digitale Rekonfigurationen von Beteiligung in der GVC-Governance durch neue Informationstechnologien

- Welche Formen digitaler Partizipationsinstrumente in der Lieferkette gibt es, wie verbreitet sind sie und wie sind sie strukturiert?

- Welches Potenzial und welche Risiken bergen sie für die Partizipation von Arbeitnehmer*innen?

2.) Digitale Strategien von Arbeiter*innen und Unterstützungsnetzwerken

- Inwiefern verbinden Arbeiter*innen im Globalen Süden On- und Offline-Strategien?

- Inwiefern werden Online-Strategien als Stärkung oder Schwächung der Organisierung, Mobilisierung und Teilhabe von Arbeiter*innen wahrgenommen?

3.) Politischer Kontext und Handlungsoptionen

- Wie sind digitale Technologien gesellschaftlich eingebettet – werden sie aktiv reguliert, politisch gefördert oder behindert?

- Welche Folgewirkungen und Spillover-Effekte der Digitalisierungsdynamiken im Kontext von GVCs sind zu beobachten?

3. Untersuchungsmethoden

Wir unterscheiden drei Forschungsblöcke mit je spezifischen Untersuchungsmethoden:

1. Datenbankerstellung: Mittels einer Codierung der Informationen der Webseiten und Blogs der Anbieter von Worker Voice Tools sowie Follow-up-Interviews mit einzelnen Anbieter*innen sowie mit Nutzer*innen (Unternehmen, Standardinitiativen) erstellen wir einen Überblick über relevante Instrumente. Dabei wird auch die Rolle von Programmierer*innen in den Blick genommen.

2. Arbeiter*innen-Strategien: Durch qualitative Interviews und Fokusgruppen in Indien und Brasilien erheben wir Erfahrungen und Strategien im Umgang mit digitalen Tools. Hier arbeiten wir eng mit Projektpartner*innen und Gewerkschaften vor Ort zusammen.

3. Politische Kontextfaktoren: Informationen zu nationalen und lokalen Kontextfaktoren sowie digitalen Entwicklungspfaden werden aus der Literatur sowie den Interview-Daten während der Feldforschung erhoben.

Projektleitung und Bearbeiter/in:

Projektleitung:

Dr. Christian Scheper

Universität Duisburg Essen Fakultät für Gesellschaftswissenschaften

Institut für Entwicklung und Frieden (INEF)

cscheper@inef.uni-due.de

Prof. Dr. Sabrina Zajak

Ruhr-Universität Bochum Institut für Soziale Bewegungen

Sabrina.Zajak@rub.de

Prof. Dr. Stefan Berger

Ruhr-Universität Bochum Institut für soziale Bewegungen

stefan.berger@rub.de

Bearbeiter/in:

Dr. Carolina Alves Vestena

Universität Duisburg Essen Fakultät für Gesellschaftswissenschaften

carolina.vestena@inef.uni-due.de

Christoph Sorg

Humboldt-Universität zu Berlin Institut für Sozialwissenschaften

christoph.sorg@hu-berlin.de

Kontakt:

Dr. Barbara Fulda

Hans-Böckler-Stiftung

Forschungsförderung

barbara-fulda@boeckler.de

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