Forschungsprojekt: Emotionsregimes und Solidarität in der Interaktionsarbeit

Projektziel

Das Projekt untersucht in der Pflege- und der Weiterbildungsbranche das Verhältnis von emotionalem Druck und diversen Solidaritätshaltungen. Ein Fokus liegt auf organisationsintern und -extern entstandenen objektiven Unsicherheiten sowie ihrer subjektiven Verarbeitung bei Beschäftigten, auch im Rahmen der Interaktion mit Nutzergruppen.

Veröffentlichungen

Betzelt, Sigrid und Ingo Bode, 2022. Emotional regimes in the political economy of the ‘welfare service state’. The case of continuing education and active inclusion in Germany, HWR-Working Paper 178, Berlin: trafo Verlag Dr. Wolfgang Weist, 32 Seiten.

Albert, Andreas, Sigrid Betzelt und Sarina Parschick, 2022. Soziale Dienstleistungen unter Druck:. Ökonomisierungsgetriebene Handlungsdilemmata und ihre emotionalen Implikationen, In: S. Betzelt, T. Fehmel (Hrsg.), Deformation oder Transformation? Analysen zum wohlfahrtsstaatlichen Wandel im 21. Jahrhundert, Wiesbaden: Springer Fachmedien, S. 225-250.

Albert, Andreas, Sigrid Betzelt, Ingo Bode und Sarina Parschick, 2021. Management mit Angst?. Führungskräfte im Sozialwesen zwischen Kontrolldruck und Rettungsambitionen, ARBEIT, 30, S. 193-214.

Projektbeschreibung

1. Kontext

Das Forschungsvorhaben adressiert Dynamiken der zeitgenössischen Arbeitsgesellschaft (z.B. Prekarisierung, Ökonomisierung, „gute Arbeit“) einerseits und Debatten um einen schwindenden sozialen Zusammenhalt andererseits. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Arbeitsorganisationen gesellschaftliche Orte sind, an denen heute verstärkt mit emotionalem Druck umgegangen werden muss – besonders dort, wo es um wohlfahrtsstaatlich regulierte personenbezogene Dienste geht. Ein hoher Wettbewerbs- und Qualitäts(bewertungs)druck sowie neue Formen managerieller Steuerung stiften objektiv Unsicherheit; deren subjektive Verarbeitung ist spannungsgeladen (z.B. Burnout bei Beschäftigten, Misstrauen bei Klient_innen) und verweist auf die Ausbildung eines neues „Emotionsregimes“ in den entsprechenden Arbeitskontexten. Beobachtet werden zugleich die Zunahme von Angst- und/oder Frustrationsgefühlen in Teilen der Bevölkerung sowie Dynamiken der Ent- und Resolidarisierung.

2. Fragestellung

Wir beforschen zwei Felder der Interaktionsarbeit (Pflege und Weiterbildung) und unterstellen, dass aktuell in den Beziehungen zwischen Organisation und Umwelt sowie im Verhältnis zwischen Management und Beschäftigten produzierte Unsicherheiten emotionalen Druck auslösen. Gefragt wird danach, inwiefern diese Unsicherheiten und ihre subjektive Verarbeitung in ein neues Emotionsregime führen und wie dieses mit Solidaritätshaltungen zusammenhängt, die Beschäftigte im Hinblick auf Nutzer_innen, Kolleg_innen und das Gemeinwesen allgemein entwickeln. Angenommen wird, dass Angst- und/oder Frustrationsgefühle die genannten Arbeitskontexte durchdringen und das Denken über Solidarität bzw. solidarische Praxis (unterschiedlich) beeinflussen können – wobei fraglich ist, ob solche Gefühle den gesellschaftlichen Zusammenhalt strapazieren oder aber neue Solidaritätspotenziale befördern. Angestrebt werden zudem Erkenntnisgewinne zu Möglichkeiten, emotionale Belastungen am Arbeitsplatz zu verringern.

3. Untersuchungsmethoden

Den Kern des qualitativ ausgerichteten Projekts bilden Organisationsfallstudien in der stationären Pflege und der Weiterbildung. Beide stehen für dienstleistungsbasierte, wohlfahrtsstaatlich regulierte Daseinsvorsorge und damit für wichtige Zukunftsfragen. Untersucht werden durch Pflegeversicherung und Sozialhilfe (ko-)finanzierte Standardeinrichtungen mit typischer Bewohner_innen-Struktur und Träger der öffentlich geförderten beruflichen Weiterbildung bzw. Jugendberufshilfe, welche einen Mix von Maßnahmen anbieten. Durchgeführt werden 'embedded case studies' mit insgesamt vier Organisationen in zwei Großstädten. Gearbeitet wird mit jeweils drei Datenquellen (Dokumente, halbstrukturierte Interviews, Fokusgruppendiskussionen), die ergänzt werden durch Gespräche mit Expert_innen aus überbetrieblichen Arbeitszusammenhängen. Die Auswertungen sind hermeneutisch orientiert, mit Blick auf Potenziale für eine theoretische Generalisierung der Befunde.

Projektleitung und -bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Sigrid Betzelt
Hochschule für Wirtschaft und Recht FB 1 Wirtschaftswissenschaften
sigrid.betzelt@hwr-berlin.de

Prof. Dr. Ingo Bode
Universität Kassel
Institut für Sozialwesen/ Abt. 2 Sozialpolitik
ibode@uni-kassel.de

Bearbeitung

Andreas Albert
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin School of Economics and Law
Andreas.Albert@hwr-berlin.de

Sarina Parschick
Universität Kassel
WISO C Raum 3108

Kontakt

Dr. Eike Windscheid
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung
eike-windscheid@boeckler.de

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