Forschungsprojekt: Männer zwischen Erwerbstätigkeit und Pflege

: typische Arrangements, Ressourcen und Unterstützungsbedarfe

Projektziel

Die Zahl der Männer, die häuslich pflegen, hat in den letzten Jahren zugenommen. Das Projekt analysiert anhand von Betriebsfallstudien und qualitativen Interviews typische Strukturen und Problembewältigungsstrategien erwerbstätiger pflegender Männer in häuslichen Pflegearrangements sowie deren regionale, familiäre, soziale und betriebliche Ressourcen und deren spezifische Bedarfe.

Veröffentlichungen

Leiber, Simone, Sigrid Leitner und Diana Auth, 2015. Männer zwischen Erwerbstätigkeit und Pflege: Typische Arrangements, Ressourcen und Unterstützungsbedarfe. Ergebnisbericht zum Forschungsvorhaben, Düsseldorf, 16 Seiten.

Auth, Diana, Daniela Brüker, Mirjam Dierkes, Simone Leiber, Sigrid Leitner und Marina Vukoman, 2015. Wenn Mitarbeiter Angehörige pflegen: Betriebliche Wege zum Erfolg, Düsseldorf, 27 Seiten.

Leiber, Simone, Sigrid Leitner und Diana Auth, 2015. Männer zwischen Erwerbstätigkeit und Pflege: Typische Arrangements, Ressourcen und Unterstützungsbedarfe. Betriebspräsentation, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 32 Seiten.

Projektbeschreibung

1. Kontext

Ausgangspunkte dieser Studie sind der demographische Wandel und die Alterung der Gesellschaft, die mit der Versorgung einer steigenden Zahl von Pflegebedürftigen einhergehen. Vor dem Hintergrund der komplexen gesellschaftspolitischen Herausforderungen im Themenfeld Pflege ist es besonders interessant, häusliche Pflegearrangements mit männlichen Pflegepersonen zu untersuchen, die zudem einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Denn im Rahmen solcher Pflegearrangements verdichten sich die Forderungen nach dem Vorrang von häuslicher Pflege, nach der Ausweitung der Erwerbstätigkeit im Kontext des abnehmenden Erwerbspersonenpotenzials, nach der geschlechtergerechten Aufteilung von Pflegearbeit sowie nach der Sicherung der Pflegequalität zu einem besonderen sozialen Spannungsfeld.

2. Fragestellung

Die Fragestellung des Projektes ist in vier Aspekte gegliedert: 1) Es wurden typische Konstellationen und Problembewältigungsstrategien in häuslichen Pflegearrangements mit erwerbstätigen männlichen Pflegepersonen identifiziert. 2) Die Ursachen für die Unterschiede in den Pflegearrangements können sowohl in den spezifischen familiären und sozialen Netzwerken der pflegenden Männer liegen als auch in den Strukturspezifika der regionalen Pflegeregime sowie in den zur Verfügung stehenden arbeitsrechtlichen und betrieblichen Ressourcen. Diese Rahmenbedingungen und ihre Effekte galt es aufzuzeigen. 3) Es wurden gut funktionierende Lösungsmuster hervorgehoben, und 4) typische Unterstützungsbedarfe für männliche Pflegende zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Pflege wurden herausgearbeitet.

3. Untersuchungsmethoden

Methodisch wurde in drei Schritten vorgegangen:

Erstens wurden internationale "gute Praktiken" zur Unterstützung von pflegenden Männern auf staatlicher und betrieblicher Ebene untersucht und der Forschungsstand zum Themenfeld sekundäranalytisch aufgearbeitet. In einem zweiten Schritt wurden elf Betriebsfallstudien in pflegesensiblen Betrieben durchgeführt, die zum einen der Analyse betrieblicher Rahmenbedingungen der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege dienen, zum anderen den Zugang zu den erwerbstätigen männlichen Pflegepersonen ermöglichen. Diese wurden im dritten Schritt mittels qualitativer Interviews befragt. Alle Interviews wurden transkribiert und mit Hilfe der Software MAXQDA nach dem Verfahren des "thematischen Codierens" vercodet und ausgewertet.

4. Darstellung der Ergebnisse

Männer/Söhne leisten einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung Pflegebedürftiger, der nicht unterschätzt werden sollte. Die erwerbstätigen Männer halten dabei trotzdem überwiegend an einer Vollzeitbeschäftigung fest und nutzen v.a. das Instrument der Arbeitszeitflexibität zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Männer pflegen vor und nach der Arbeit, abends, an Wochenenden und im Urlaub. Während Frauen die Erwerbstätigkeit eher nach der Pflege ausrichten, arrangieren Männer die Pflege um die Erwerbstätigkeit herum. Dabei greifen sie häufig auch auf externe Unterstützung zurück. Viele der Männer geben daher an, kein Vereinbarkeitsproblem zu haben, was jedoch nicht heißt, dass sie nicht körperlich und seelisch stark belastet sind. Bei den betrieblichen Unterstützungswegen für pflegende Männer zeigten sich zwei Erfolgsmodelle: (Groß-)Unternehmen mit umfangreichen Unterstützungsangeboten und einer pflegesensiblen Unternehmenskultur sowie KMUs mit viel Raum für informelle Flexibilität und einer pflegeseniblen Unternehmenskultur. Letztere stellte sich als Kernvoraussetzung erfolgreicher Vereinbarkeit heraus.

Projektleitung und Bearbeitung

Projektleitung

Prof. Dr. Simone Leiber
Universität Duisburg Essen Fakultät für Bildungswissenschaften Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik
simone.leiber@uni-due.de

Prof. Dr. Sigrid Leitner
Fachhochschule Köln Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften
sigrid.leitner@fh-koeln.de

Dr. Diana Auth
Justus-Liebig-Universität Gießen Institut für Wirtschaftslehre
diana.auth@uni-giessen.de

Bearbeitung

Marina Vukoman
Fachhochschule Köln Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften
marina.vukoman@fh-koeln.de

Daniela Brüker
Hochschule Düsseldorf Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
daniela.brueker@fh-duesseldorf.de

Mirjam Dierkes
Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. Koordinierungsstelle Jugendfreiwilligendienste Arbeitsstelle Gender Studies
mirjam.dierkes@iss-ffm.de

Kontakt

Dr. Dorothea Voss
Hans-Böckler-Stiftung
Forschungsförderung
dorothea-voss@boeckler.de

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